Ein lauer Mai-Morgen endet in einer Katastrophe, die selbst abgeklärte Rettungskräfte erschüttert – und noch immer rätselhaft erscheint.
Über Nacht geschieht das Unfassbare

Die Party war längst vorbei, als drei Freunde kurz vor Sonnenaufgang eine der schmalen Wasseradern einer weltberühmten Kanalstadt passieren wollten. Augenzeugen erinnern sich an Musik in der Ferne und an das Klirren von Flaschen, dann an plötzliches Schweigen. Sekunden später hallte ein gellender Schrei über das dunkle Wasser.
Was genau in diesen flüchtigen Momenten geschah, ist noch unklar. Fest steht nur: Innerhalb eines Augenaufschlags stürzten alle drei jungen Männer, keine Mitte 20, von der Kaimauer – ob beim Versuch eines Selfies, beim Ausbalancieren auf dem Rand oder nach einem Gerangel, weiß niemand. Zwei tauchten hustend wieder auf. Einer blieb verschwunden.
Zeugen berichten von einem plötzlichen Aufschrei

Passanten, die auf dem Heimweg waren, riefen laut eigener Aussage sofort die Notrufnummer an. „Es klang wie das Kreischen einer Möwe, nur viel verzweifelter“, schildert eine ältere Frau. Mehrere Gondolieri eilten herbei, warfen Rettungsringe ins Wasser und leuchteten mit Taschenlampen die pechschwarze Oberfläche ab – doch ohne Erfolg.
Wenige Minuten später rückten Feuerwehr, Wasserpolizei und Taucher in schwerer Schutzausrüstung an. Während Spezialboote den Kanal absperrten, versuchten Einsatzkräfte in der fast völligen Dunkelheit, den Grund abzutasten. Die Strömung jedoch zog alles fort, was nicht fest verankert war – und kostete wertvolle Zeit.
Suchtrupps kämpfen gegen Zeit und Strömung

Erst bei Tagesanbruch besserte sich die Sicht unter Wasser. Die Retter konzentrierten sich auf ein Areal nahe einer kleinen Steinbrücke, wo Kleidungsteile an einer Holzpfahlreihe hängen geblieben waren. Mit Sonargeräten wurde jede Mulde untersucht, doch die Kanalsohle ist tückisch: jahrhundertealte Treppenstufen, überwachsene Mauerreste und mehrere Meter tiefe Senken wechseln sich ab.
Kurz vor acht Uhr dann die bittere Gewissheit: In einer Nische, nur wenige Meter vom Absturzort entfernt, entdeckten Taucher einen reglosen Körper. Trotz sofortiger Reanimation am Ufer konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen. Er hatte gerade erst seinen 20. Geburtstag gefeiert.
Tragödie in Venedig – warum ein 20-Jähriger nicht mehr auftauchte

Der Unfall ereignete sich im historischen Stadtteil San Polo von Venedig, Italien. Erste Ermittlungen schließen Gewalteinwirkung aus; vielmehr deuten Kratzspuren am Brückengeländer darauf hin, dass die Jugendlichen ausgerutscht sind. Alkoholtests der Überlebenden ergaben leichte Promillewerte, aber kein kritisches Maß. Viel spricht dafür, dass der junge Mann beim Aufprall bewusstlos wurde – und deshalb nicht mehr aufsteigen konnte.
Während Angehörige und Freunde um ihn trauern, diskutiert die Lagunenstadt erneut über fehlende Absperrungen und spärliche Beleuchtung entlang der Kanäle. Die Stadtverwaltung kündigte an, noch in dieser Woche zusätzliche Sicherheitszonen einzurichten. Für die Hinterbliebenen kommt jede Maßnahme jedoch zu spät: Ein Moment Unachtsamkeit hat in Venedig ein Leben ausgelöscht und die ewige Schönheit der Lagune in tiefe Trauer getaucht.