Im deutschen Pfandsystem bahnt sich eine kleine Revolution an – die bislang lästige Beschränkung, dass Supermärkte nur Mehrwegflaschen aus ihrem eigenen Sortiment zurücknehmen müssen, steht kurz vor dem Aus.
Die ewige Automaten-Odyssee

Wer regelmäßig Leergut abgibt, kennt das Drama: Kaum passt Form oder Marke nicht exakt, spuckt der Automat die Flasche wieder aus. Besonders bei Mehrwegflaschen endet der Einkauf daher oft mit einem Umweg zu mehreren Märkten, nur um das Pfandgeld zu bekommen.
Selbst große Ketten haben sich bisher auf die gesetzliche Ausrede berufen, lediglich „sortimentsgleiche“ Gebinde annehmen zu müssen – ein Ärgernis, das Verbraucher schon lange nervt und tonnenweise Mehrweg in der Restmülltonne landen lässt. Doch genau hier setzt eine bevorstehende Gesetzesänderung an …
Was im Gesetz bisher schieflief

Im aktuellen Verpackungsgesetz dürfen Händler den Rücknahmeservice einschränken, solange sie die betreffenden Flaschentypen selbst nicht führen. Das spart Lagerfläche, schafft aber Unmut – und widerspricht dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft.
Umweltverbände machten darauf aufmerksam, dass so bis zu 500 Millionen Mehrwegflaschen pro Jahr ihr Pfand nie wiedersehen. Die Politik reagierte – zumindest auf dem Papier – und kündigte einen umfassenden Neustart an, über den wir gleich mehr erfahren.
Der erste große Wurf von 2023

Schon im Juni 2023 legte das Bundesumweltministerium einen Referentenentwurf vor: Künftig sollten alle Supermärkte ab 200 Quadratmetern Verkaufsfläche jede Mehrwegflasche zurücknehmen – unabhängig von Marke oder Einkaufsort. Starttermin sollte ursprünglich der 1. Januar 2025 sein.
Doch noch in derselben Legislaturperiode verhakten sich Koalitionspartner über Details wie Ausnahmen für kleine Läden und die Finanzierung neuer Automaten. Die Reform verschwand vorerst in der Schublade, während Verbraucher weiter dran glauben mussten – bis sich nach der Bundestagswahl Neues tat.
Nach der Wahl kam Bewegung ins Pfand

Die neue Regierungskoalition kündigte Ende 2025 an, alle Umweltvorhaben zu bündeln und mit der EU-Verpackungsverordnung abzugleichen. Parallel liefen Pilotprojekte bei Discountern wie Aldi Süd und Rewe, die bereits „all-in“-Automaten testeten.
Positive Testergebnisse lieferten Rückenwind, große Handelsketten signalisierten Zustimmung – denn ein einheitliches System senkt langfristig Kosten. Damit war der Weg frei für den entscheidenden Moment, der das nervige Flaschen-Ping-Pong endgültig beenden soll.
Was der Rollout für Kunden bedeutet

Sobald die Rücknahmepflicht flächendeckend gilt, können Kundinnen und Kunden sämtliche Mehrwegflaschen samt Kisten einfach dort abgeben, wo sie ohnehin einkaufen. Die 25-Flaschen-Obergrenze mancher Automaten wird fallen, Geräte erkennen künftig Formen statt EAN-Codes – ein Segen für alle, die gemischtes Leergut zu Hause lagern.
Der Handel rechnet mit höheren Investitionen, erwartet aber zugleich mehr Kundenzufriedenheit, schnellere Leerungsintervalle und weniger illegale Müllablagerungen. Bleibt nur noch die Frage: Wann wurde das alles tatsächlich beschlossen? Die Antwort folgt im Finale.
Finale Enthüllung: Der Beschluss steht!

Am Mittwoch, 11. Februar 2026, hat das Bundeskabinett die Novelle zum Verpackungsrecht – inklusive der verpflichtenden, markenunabhängigen Mehrweg-Rücknahme – offiziell verabschiedet. Damit ist der Weg für das Ende der ungeliebten Pfandbeschränkung frei; nach der noch ausstehenden Bundestags- und Bundesratsbefassung kann die Regel voraussichtlich zum 1. August 2026 in Kraft treten.
Bis dahin rüsten Supermärkte ihre Technik auf, während Verbraucher schon jetzt den Countdown zum unkomplizierten Pfand-Alltag starten können. Und wer wissen will, welche weiteren Überraschungen die neue EU-Verpackungsordnung noch bereithält, sollte die nächsten Branchenmeldungen im Blick behalten.