Noch vor wenigen Jahren gehörten die markanten Regale des Haushalts-Spezialisten fest zum Stadtbild vieler Fußgängerzonen – jetzt ziehen dunkle Wolken über dem Traditionsformat auf. Tausende Kundinnen und Kunden fragen sich: Wird es meinen Laden bald noch geben?
Ein düsteres Déjà-vu im deutschen Handel

Deutschlands Innenstädte haben schon einige bitter erprobte Abschiede erlebt, doch die Nachricht, dass ein bekannter Non-Food-Discounter erneut in finanzielle Schieflage geraten ist, trifft viele mitten ins Herz. Rund 50 Filialen stehen auf der Kippe – eine Zahl, die nicht nur die Stammkundschaft, sondern auch Branchenbeobachter aufhorchen lässt.
Dabei schien die Krise nach der letzten Sanierungsrunde überwunden. Moderne Ladenkonzepte, straffere Sortimente und ein frisch aufgelegtes Digitalprogramm sollten verlorenes Terrain zurückerobern. Trotzdem hat die anhaltende Kaufzurückhaltung den harten Sparkurs binnen weniger Monate zunichtegemacht.
Vom Boom zur Bremse: Wie es so weit kommen konnte

Steigende Energiekosten, gestörte Lieferketten und eine Inflationsrate, die Schnäppchenjäger vorsichtiger werden lässt – all das setzte der Bilanz zuletzt stark zu. Hinzu kamen auslaufende Mietverträge in teils hochfrequentierten Lagen, die plötzlich nicht mehr refinanzierbar waren.
Besonders pikant: Die angeschlagene Kette hatte erst im Frühjahr eine kleinere Wettbewerberin übernommen, um sich zusätzliche Reichweite im Osten Deutschlands zu sichern. Die frischen Verpflichtungen erwiesen sich jedoch als schweres Paket, als die Warenkreditversicherer den Daumen senkten.
Was die Schließungen für Kundschaft und Beschäftigte bedeuten

Für die Beschäftigten bedeutet die drohende Filialschließung vor allem Unsicherheit – und das in einem Sektor, der vielerorts ohnehin von Teilzeit- und Minijob-Modellen geprägt ist. Gewerkschaftsvertreter befürchten, dass sich ein Dominoeffekt auf Zulieferer und Logistikpartner einstellt, sollte kein tragfähiges Sanierungskonzept greifen.
Die Kundschaft spürt bereits erste Folgen: reduziertes Personal, verkürzte Öffnungszeiten, vereinzelte Räumungsverkäufe. Manche Standorte führen nur noch Restbestände, da Nachlieferungen aus Vorsicht gestoppt wurden. Besonders in ländlichen Regionen könnte ein Wegfall der Läden empfindliche Lücken im Nahversorgungsnetz reißen.
Hier fällt jetzt der Vorhang: Diese Traditionsmarke steckt dahinter

Erst auf Nachfrage bestätigte das Management, dass es sich um KODi handelt – die Haushalts- und Deko-Kette, deren orange-graues Logo in Spitzenzeiten über 150 Filialen strahlte. Am 14./15. Juli 2026 beantragte die KODi Handels GmbH beim Amtsgericht Halle (Saale) ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Etwa ein Drittel der Standorte soll geschlossen werden, um den übrigen Geschäften eine Zukunft zu sichern.
Brisant: Bereits 2024 hatte KODi im Schutzschirmverfahren drastisch gespart – Hunderte Jobs gingen verloren. Die erneute Pleite kommt kaum vier Monate nach der Übernahme des Ost-Ablegers Mäc-Geiz, der seinerseits im Mai Insolvenz anmeldete. Branchenexperten sprechen von einer „Kaskade verpasster Reformen“, die nun voll durchschlage.
Wie es nun weitergeht

Insolvenzverwalter und Geschäftsführung setzen auf eine schnelle Einigung mit Vermietern und Lieferanten. Bis Ende September soll feststehen, welche Filialen eine Zukunft haben. Gleichzeitig ist ein Investorenprozess angelaufen; erste Interessenten aus dem Private-Equity-Umfeld sondieren bereits die Bücher.
Für Kundinnen und Kunden gibt es vorerst Entwarnung: Gutscheine werden weiterhin akzeptiert, und das Onlinegeschäft läuft ohne Einschränkungen. Ob die Nostalgie um die legendären „3-Euro-Wühlkisten“ jedoch reicht, um KODi ein drittes Mal zu retten, bleibt eine offene Frage – doch genau darauf setzen jetzt alle Hoffnungen.