Erst kribbelt es nur, dann schießt ein kurzer Schmerz durchs Bein – und ehe man es begreift, ist der Bade-Spaß für den Moment vorbei. Immer mehr Urlauber kehren dieser Tage mit rätselhaften, halbmondförmigen Bissspuren aus dem Wasser zurück. Doch wer oder was steckt wirklich hinter den Attacken?
Unverhoffte Begegnung unter Wasser

Eigentlich sieht der Tag am Strand perfekt aus: glattes Meer, leichte Brise, gut gelaunte Badegäste. Plötzlich schießt etwas Silbernes durchs flache Wasser – und zwickt zu. Betroffene erzählen übereinstimmend von einem „knackenden“ Gefühl, als hätte jemand in die Wade geschnappt, gefolgt von einem Moment reinen Entsetzens.
Die Haut trägt danach kaum mehr als ein paar kleine rote Punkte davon, doch der Schock sitzt tief. Viele springen panisch heraus, während andere erst im Nachhinein merken, dass sie gebissen wurden. Das Rätsel um den unsichtbaren Schnapper sorgt längst für hitzige Diskussionen in Hotels und Strandbars.
Auf Spurensuche nach dem Auslöser

Meeresbiologen vermuten eine Kombination von Faktoren. Zum einen hat das Wasser der Urlaubsregion in diesem Sommer Rekordtemperaturen erreicht – zeitweise mehr als zwei Grad über dem langjährigen Mittel. Höhere Temperaturen beschleunigen den Stoffwechsel vieler Fische und machen sie schlicht hungriger.
Hinzu kommt ein zweites, hausgemachtes Problem: Picknick-Reste, die achtlos im Wasser landen. Essenspartikel treiben im seichten Bereich, ziehen Schwärme an und gewöhnen sie daran, dass menschliche Füße Futter bedeuten. Ein verlockender Irrtum – mit schmerzhaften Folgen für unaufmerksame Badegäste.
Zwischen Alarm und Gelassenheit

Die Tourismusbranche versucht, Panik zu dämpfen. Hoteliers verweisen darauf, dass es sich nicht um gefährliche Raubfische handelt, sondern um handgroße Küstenbewohner mit kräftigen Zähnen. Dennoch raten sie inzwischen, offene Wunden abzudecken und Bewegungen im Wasser nicht abrupt zu stoppen – denn Stillstand macht Beine zur Zielscheibe.
Fachleute identifizieren die Übeltäter als robuste Brassenart, die sich normalerweise von Schnecken und Krustentieren ernährt. Werden die Tiere jedoch an Menschen gewöhnt, verlieren sie ihre Scheu. „Sie testen nur, ob sich etwas Essbares verbirgt“, so das nüchterne Urteil der Forscher – beruhigend, aber kaum tröstlich für Gebissene.
Jetzt ist klar, wo es passiert

Der Schauplatz des Geschehens liegt an einem der populärsten Badeziele Europas: Mallorca, genauer gesagt an der Playa de Cala Major nahe Palma. Hier registrierten Rettungsschwimmer Mitte Juni die ersten Meldungen; kurz darauf folgten ähnliche Vorfälle an der Playa de Palma, Sa Ràpita und Cala d’Or.
Hinter den Bissen stecken laut Experten Geißbrassen, silbrig glänzende Fische von bis zu 30 Zentimetern Länge. Ihr kleiner, aber kräftiger Kiefer zwickt vor allem in knietiefem Wasser. Wer die Begegnung vermeiden will, sollte keine Essensreste verstreuen, mit Pflastern kleine Verletzungen abdecken und sich bei Kontakt langsam entfernen. Dann bleibt der Biss – zum Glück – nur eine Anekdote für den Stammtisch daheim.