Die Berliner Sommerfreude rund um den Christopher Street Day ist jäh in Grauen umgeschlagen – doch erst ganz am Ende dieser Geschichte wird klar, wer wirklich hinter der blutigen Tat steckte.
Schock am Rande des Regenbogenfests

Der Christopher Street Day in Berlin gilt seit Jahren als fröhliches Symbol gelebter Vielfalt. Tausende Menschen pilgerten auch diesmal in die Innenstadt, tanzten zu Techno-Beats und schwenkten Regenbogenfahnen. Doch inmitten des Jubels wurde eine Gruppe Feiernder von einem Auto erfasst, Schüsse fielen, Menschen schrien, Sanitäter kämpften um Leben und Tod.
Stundenlang war unklar, wie viele Opfer es genau gab. Sicher war nur: Mindestens zwei Tote und über zwei Dutzend Verletzte hatten das unbeschwerte Straßenfest in einen Albtraum verwandelt. Die Polizei riegelte weite Teile der City ab, die Stimmung kippte von ausgelassener Partylaune in fassungslose Stille.
Die Jagd beginnt

Noch während Einsatzkräfte Verletzte versorgten, lief im Hintergrund bereits eine der größten Fahndungen der Hauptstadt seit Jahren an. Hunderte Beamt:innen sichteten Videomaterial, sperrten Autobahnen und kontrollierten Bahnhöfe. Spezialteams der SEK wurden alarmiert, weil sich schnell der Verdacht auf einen islamistischen Hintergrund verdichtete.
Für die Bevölkerung war nur wenig Greifbares zu erfahren. Pressesprecher verwiesen auf „laufende Ermittlungen“, baten um Ruhe und Geduld. Gleichzeitig machte sich in den sozialen Netzwerken blanke Angst breit: Wer hatte zugeschlagen, und würde er wieder zuschlagen?
Ein Schatten mit Vergangenheit

Ermittler zeichneten intern rasch ein klares Bild. Der Gesuchte, so hieß es, sei Anfang 20, mehrfach vorbestraft und habe sich in Salafistenkreisen radikalisiert. Bereits vor Monaten sei er wegen Waffenfotos im Netz auffällig geworden. Dennoch fehlte vorerst der entscheidende Zugriffspunkt: Handy aus, Bekannte schweigsam, keine digitale Spur.
Während Spekulationen über mögliche Kompliz:innen kursierten, wurde eine Gartenkolonie im Westen der Stadt zum Zentrum des Interesses. Ermittler:innen analysierten dort nächtelang Wärmebilder, hörten Telefone ab und setzten Spürhunde ein. Doch der mutmaßliche Täter blieb zunächst unsichtbar – ein bedrohlicher Geist, der jederzeit erneut zuschlagen konnte.
Die finale Konfrontation in Spandau

Am frühen Montagmorgen dann der Zugriff: In einer Laube der Kolonie „Freie Scholle“ in Spandau stürmte ein SEK-Team das Versteck des Geflüchteten. Als die Beamten die Tür öffneten, eröffnete der Mann das Feuer – die Elitepolizisten schossen zurück. Wenige Sekunden später war der Einsatz beendet: Abdul Ballout, 21 Jahre alt, deutsch-libanesischer Staatsbürger und bereits als Sympathisant des Islamischen Staats registriert, lag schwer verletzt am Boden und starb noch vor Ort.
Mit seinem Tod endete eine Hetzjagd, die Berlin fast 24 Stunden in Atem gehalten hatte. Ermittler rekonstruieren nun, wie Ballout trotz Bewährungsauflagen unbemerkt an Waffen gelangte und welche Kontakte ihn radikalisierten. Klar ist: Die Gefahr wurde gestoppt – doch die Fragen nach Versäumnissen in der Überwachung eines bereits bekannten Gefährders sind lauter denn je.