Ein greifbares Kulturgut verschwindet plötzlich aus Kindergärten, Schulkantinen und Seniorenheimen in Süditalien – und Tausende fragen sich: Warum darf ausgerechnet die Lieblingszutat der mediterranen Küche nicht mehr roh auf den Teller?
Ungewöhnliche Vorsichtsmaßnahme in Apulien

Italiens südöstliche Region Apulien hat Anfang Oktober überraschend ein Verbot für rohe Tomaten in allen öffentlichen Großküchen verhängt. Betroffen sind städtische KiTas, Schulen, Krankenhäuser sowie Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe. Die Maßnahme gilt vorerst für das gesamte Gebiet und sorgt in einem Land, das den Tomatenkonsum fast zur Staatsräson erhebt, für Irritation.
Gesundheitsbehörden betonen, dass es sich um eine „vorübergehende, strikt präventive Entscheidung“ handelt. Gekochte Tomaten – etwa in Saucen oder Suppen – bleiben weiterhin erlaubt; lediglich der frische Verzehr wurde untersagt. Zudem warnen Kommunen davor, das Gemüse eigenmächtig in private Brotboxen mitzubringen, bis die Ursachenforschung abgeschlossen ist.
Wie kam es zu dem Alarm?

Ende September registrierten Apuliens Kliniken einen plötzlichen Anstieg schwerer Magen-Darm-Infektionen mit teils hohem Fieber. Bei den Erkrankten fanden Epidemiologen schnell eine Gemeinsamkeit: Sie alle hatten in den Tagen zuvor in Kantinen oder Mensen ungekochte Tomatenprodukte gegessen.
Laboranalysen isolierten wenig später den selten dokumentierten Erreger Salmonella Strathcone ST2559. Weil das Bakterium im Verdacht steht, sich in Lieferketten rasch auszubreiten, griff das Gesundheitsressort zu drastischen Schritten. Parallel nahm es Kontakt zum zuständigen Landwirtschaftsministerium in Rom auf, um weitere Tests entlang der gesamten Lieferkette anzustoßen.
Was bedeutet das für Familien und Gastronomen?

Schulköche mussten ihre Speisepläne quasi über Nacht umstellen. Statt Caprese-Salat gibt es nun gedünstetes Gemüse, statt belegter Brötchen mit frischer Tomatenscheibe landen gegrillte Paprika und Zucchini auf den Tabletts. Eltern reagieren mit gemischten Gefühlen: Einerseits verstehen sie die Vorsicht, andererseits fürchten sie, dass ein Grundnahrungsmittel in Verruf gerät.
Auch der regionale Agrarsektor bangt um sein Image. Der Branchenverband warnt vor pauschaler Verunsicherung, denn der Verkauf von Tomaten in Supermärkten läuft unbeeinträchtigt weiter. Offizielle Stellen unterstreichen, dass durchgegarte Produkte sicher sind, weil Hitze das Bakterium zuverlässig abtötet.
Der entscheidende Fund – und was jetzt passiert

Erst nach Tagen intensiver Spurensuche gaben die Laborfachleute ihre Ergebnisse frei: Das Erregerprofil deckt sich mit einer einzelnen Charge sizilianischer Kirschtomaten, die ein großer Verteiler Ende September nach Apulien geliefert hatte. Diese Partie wurde inzwischen vollständig zurückgerufen, und das Gesundheitsamt in Bari meldet, dass alle verdächtigen Lieferungen aus den Schulküchen entfernt wurden.
Sollten Nachtestungen bestätigen, dass keine weiteren Chargen betroffen sind, könnte das Rohverzehr-Verbot bereits kommende Woche wieder aufgehoben werden. Bis dahin raten Experten, Tomaten gründlich zu waschen, kühl zu lagern und – wenn möglich – mindestens kurz zu blanchieren. Die Behörden prüfen parallel Schadensersatzansprüche und kündigen strengere Stichproben bei künftigen Ernten an, um das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher rasch zurückzugewinnen.