Der Countdown läuft, die Spannung steigt: Nach mehr als einem halben Jahrhundert soll heute Nacht erstmals wieder eine bemannte Kapsel in Richtung Mond aufbrechen – und nichts weniger als ein neues Kapitel der Raumfahrtgeschichte schreiben.
Das T-Minus-48-Stunden-Signal

Seit Montagabend 22:44 MESZ tickt die Uhr am Kennedy Space Center unerbittlich herunter. In der streng überwachten Launch Control bahnen sich die finalen Prozeduren an, während die 98 Meter hohe SLS-Rakete auf dem Startpad funkensprühende Tank-Tests übersteht.
Für die Crew bedeutet das: letzte medizinische Checks, ein absoluter Medien-Blackout – und die Gewissheit, dass sich das erste Startfenster heute um 18:24 Uhr Ortszeit öffnet. Sollte die Wetterlage stabil bleiben, hebt Artemis II exakt um 00:24 MESZ ab.
Lass uns nun schauen, warum diese Mission so viel mehr ist als „nur“ ein Mondflug …
Vier Köpfe, eine Mission – und Rekorde in Reichweite

Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und der kanadische Astronaut Jeremy Hansen haben gestern ihre privaten Smartphones abgegeben – das untrügliche Zeichen, dass es gleich ernst wird.
Schon ihr 10-Tage-Flug wird Geschichte schreiben: Hansen ist der erste Nicht-Amerikaner, der die Erde Richtung Mond verlässt, und Koch die erste Frau, die sich so weit von ihrem Heimatplaneten entfernt.
Doch wer liefert eigentlich die Technik, die dieses Abenteuer erst möglich macht?
Europas unverzichtbare Starthilfe

Unter der glänzenden Hitzeschutzschicht der Orion-Kapsel steckt das European Service Module – ein von Airbus gefertigtes Kraftpaket, das Strom, Wasser und Schub liefert. Ohne den 15-Meter-„Schwanz“ made in Bremen gäbe es weder Kurskorrekturen noch die berühmte „Trans-Lunar Injection“.
Auch die kanadische Raumfahrtbehörde CSA steuert mit frühen Tests für den kommenden Canadarm 3 bereits Technologie bei, die später auf der Lunar Gateway-Station unverzichtbar wird. Gemeinsam ebnet dieses Trio den Weg für eine wirklich internationale Rückkehr zum Mond.
Aber was genau will die Wissenschaft dort oben eigentlich erforschen?
Strahlung, Schwerelosigkeit – und ein deutscher Blick ins All

Vier hochsensible M-42 EXT-Detektoren des DLR reisen im Gepäck. Sie sollen die kosmische Strahlung zwischen Erde und Mond in nie gekannter Auflösung vermessen und so die künftige Mondlandung sicherer machen.
Parallel prüfen Lebenserhaltungssysteme an Bord, ob Orion langfristig für Missionen in den tiefen Weltraum taugt. Nur wenn alle Werte im grünen Bereich liegen, gibt es grünes Licht für eine Landung mit Artemis IV – geplant für 2028.
Womit rechnet eigentlich die NASA, wenn doch wieder ein Wasserstoffleck auftaucht?
Das Risiko – und der kühne Plan B

Die Wasserstoffprobleme vom Februar sind keinesfalls vergessen. Diesmal steht ein mobiles Leak-Detektionssystem bereit, das innerhalb von Minuten Alarm schlägt und die Betankung stoppt.
Sollte das Worst-Case-Szenario eintreten, wartet bereits ein 48-Stunden-Rückzugsfenster auf dem Ersatz-Pad 39B. Doch NASA-Administrator Jared Isaacman gibt sich unerschütterlich: „Dieses Mal fliegen wir.“
Bleibt zum Schluss nur eine Frage offen …
Wann sehen wir wieder Fußspuren im Mondstaub?

Gelingt Artemis II, wird Ende 2027 die Landefähre „Starship HLS“ unbemannt getestet. 2028 soll dann Artemis IV die ersten Menschen seit 1972 – darunter erstmals eine Frau und eine Person of Color – sanft im Südpol-Krater Shackleton absetzen. Der heutige Start ist also weit mehr als eine Zieldurchfahrt; er ist der Startschuss für ein ganzes Jahrzehnt lunaren Aufbruchs.
Und genau das macht die kommende Nacht zu einem Moment, den selbst die Stars and Stripes nicht alleine feiern können – die Welt wird den Atem anhalten.