Ein knappes halbes Jahr vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 brodelt in Deutschland eine ungeahnte Debatte: Soll das Turnier in den USA boykottiert werden, weil Präsident Donald Trump mit Drohungen und Alleingängen für internationale Empörung sorgt?
Ein Funke, der die Fußball-Nation entflammt

Donald Trump verkündet offen, notfalls sogar militärisch nach Grönland zu greifen – und plötzlich wandert der WM-Ball vom Rasen auf die politische Bühne. Noch im Dezember hatte der Republikaner den goldenen Pokal strahlend im Oval Office präsentiert, nun diskutiert Deutschland, ob Spieler und Fans überhaupt anreisen sollen.
Viele erinnert das an die Kontroversen um Russland 2018 und Katar 2022: sportliche Freude trifft auf Menschenrechtsfragen. Der Unterschied diesmal: Es ginge mitten ins Herz der transatlantischen Beziehung.
Lassen sich die Emotionen mit Zahlen untermauern?
Das Stimmungs-Barometer schlägt aus

Eine aktuelle INSA-Umfrage zeigt: 47 Prozent der Deutschen befürworten einen WM-Boykott, falls Trump Grönland annektiert, 35 Prozent sind dagegen, der Rest schwankt. Und je lauter der Ton in Washington wird, desto stärker kippt die Stimmung hierzulande – ein gefährlicher Cocktail, nur 140 Tage vor Turnierstart.
Selbst eingefleischte Fans zögern. Green-Politiker Boris Mijatovic, sonst auf jeder Auswärtsfahrt, rät: „Fahrt nicht hin, die Sicherheit ist nicht gewährleistet.“
Doch wie positionieren sich Regierung, Opposition und vor allem der DFB?
Politik sucht den Befreiungsschlag – und findet keinen

CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter nennt einen Verzicht „das letzte Druckmittel“, sein Parteikollege Jürgen Hardt schließt ein Fernbleiben „als Ultima Ratio“ nicht aus. SPD-Wirtschaftsmann Sebastian Roloff fordert sogar eine formelle Absage. Zeitgleich mahnt Kanzler Friedrich Merz zur Ruhe: Entscheidungen liege beim Sport, nicht im Kabinett.
Der Deutsche Fußball-Bund bleibt demonstrativ still, während Grünen-Abgeordnete im Sportausschuss warnen, Trumps Innenpolitik widerspreche „zentralen Werten des Fußballs“. Eine gemeinsame Linie? Fehlanzeige – noch.
Während Berlin taktiert, wächst der Druck auf die höchste Fußball-Instanz.
FIFA zwischen Glanz und Schämen

Erst im Dezember überreichte Gianni Infantino US-Präsident Trump den ersten „FIFA-Friedenspreis“. In Zürich herrscht nun Fremdscham: Offizielle sprechen hinter vorgehaltener Hand von einem „schwierigen Irrtum“. Gleichzeitig führt Trump höchstpersönlich eine WM-Task-Force – perfekte Bühne für den Wahlkämpfer im Weißen Haus.
Die FIFA schweigt zu Boykott-Szenarien, hofft auf „Einheit durch Sport“ und verhandelt im Hintergrund mit TV-Partnern, die Milliarden an Rechtegeldern riskierten. Je größer Trumps Ego-Show, desto lauter das europäische Murren.
Aber würde ein Boykott den erhofften Effekt überhaupt erzielen?
Der lange Schatten eines leeren Turniers

Ein gemeinsamer Ausstieg der 16 europäischen Teilnehmer träfe die WM im Mark: Sponsoren würden abspringen, Quoten einbrechen, das sportliche Niveau verlöre seine Strahlkraft. Ökonom Lucas Guttenberg prophezeit, das würde Trump „an seiner empfindlichsten Stelle treffen – der Eitelkeit“.
Gleichzeitig warnen Kritiker vor Kollateralschäden für Spielerkarrieren und Fan-Seelen. Brasilianer fürchten Einreisesperren, deutsche Anhänger entwerfen Alternativ-Public-Viewings. Ein Boykott hätte also Sprengkraft – aber auch hohen Preis.
Damit bleibt am Ende nur eine zentrale Frage offen…
Showdown im Frühjahr: Kommt der große Knall oder das letzte Gespräch?

Bis Ende April muss der DFB der FIFA endgültig melden, ob Deutschland antritt. Hinter den Kulissen laufen Telefonschalten zwischen Berlin, Paris und Madrid, während Trump fast täglich neue Provokationen twittert. Die Uhr tickt – und noch ist alles möglich: ein politisches Signal, ein diplomatischer Kompromiss oder das größte WM-Beben seit 1938.
Eines steht fest: Je länger Washington an seinen Drohgebärden festhält, desto realer wird das Szenario, dass die deutsche Nationalelf am 11. Juni nicht im Sofi Stadium aufläuft. Die Entscheidung fällt bald – und sie dürfte den Fußball nachhaltig verändern.