Die Nachricht traf die Welt im Morgengrauen und ließ eine ganze Generation von Aktivistinnen und Bewunderern erstarren. Eine Ikone der amerikanischen Frauenbewegung ist im Alter von 92 Jahren für immer verstummt – doch ihr Vermächtnis hallt lauter denn je nach.
Eine Stimme, die nie verstummte

Über sechs Jahrzehnte lang formte sie die Diskussion um Frauenrechte in den USA, stellte sich unerschrocken gegen politische Widerstände und inspirierte Millionen dazu, laut zu werden. Ihre Reden galten als Pflichttermin, ihre Analysen als moralischer Kompass für alle, die an Gleichstellung glaubten.
Selbst im hohen Alter reiste sie unermüdlich von Campus zu Kongress, sprach über reproduktive Selbstbestimmung, Lohngerechtigkeit und die Macht solidarischer Netzwerke. Wer sie einmal live erlebt hatte, vergaß den rhythmischen Nachdruck ihrer Worte nie – und den zuversichtlichen Glanz in ihren Augen ebenso wenig.
Vom Hasenkostüm zur Barrikade

Der Weg zur Legende begann kurios: Als junge Reporterin recherchierte sie undercover in einer glamourösen, aber sexistischen Entertainmentwelt und brachte in einem explosiven Artikel die Doppelmoral einer ganzen Branche ans Licht. Damals ahnte niemand, dass dieser Scoop der Zündfunke für eine lebenslange Aktivismus-Karriere sein würde.
Kurz darauf reihte sie sich bei den Protestzügen der zweiten Welle des Feminismus ein, kämpfte gegen rassistische Ausschlüsse in der Bewegung und stellte klar, dass Freiheit immer intersektional sein müsse. Ihr Mut, persönliche Erfahrungen öffentlich zu machen, riss Tabus ein, die bis dahin als unantastbar galten.
Ein Leben für gleiche Rechte

Der Erfolg ermöglichte ihr, Anfang der 1970er ein eigenes Magazin zu gründen – ein Blatt, das unverblümt über Gewalt, Abtreibung und politische Machtstrukturen schrieb und so zum Sprachrohr einer ganzen Epoche wurde. Wer das Cover im Kiosk sah, spürte sofort: Hier spricht jemand, der die Spielregeln verändern will.
Parallel schmiedete sie Allianzen mit Bürgerrechts-, Umwelt- und LGBTQ-Gruppen. Sie moderierte Talkshows, verfasste Bestseller, beriet Präsidenten – und blieb doch erstaunlich geerdet. „Handeln ist unendlich interessanter als Ruhm“, pflegte sie lächelnd zu sagen, wenn man sie nach ihrem Durchhaltevermögen fragte.
Abschied von **Gloria Steinem**

Nun ist die US-Feministin, Journalistin und Mitbegründerin von Ms. Magazine im Kreise von Freunden in New York gestorben. Die Familie teilte mit, dass Gloria Steinem friedlich eingeschlafen sei; eine genaue Todesursache wurde nicht genannt.
Weltweit würdigten Politikerinnen, Schauspieler und Aktivistinnen die Pionierin der Frauenbewegung als „furchtloses Gewissen“ Amerikas. Ihr Leitsatz „Die Wahrheit wird uns frei machen – aber zuerst wird sie uns wütend machen“ klingt an diesem Tag besonders stark. Mit dem Tod von Gloria Steinem endet ein Kapitel, doch die Seiten, die sie schrieb, bleiben Pflichtlektüre für alle, die an eine gerechtere Zukunft glauben.