Der große Preiskampf im deutschen Lebensmittelhandel geht in eine neue Runde – und ein Branchenschwergewicht setzt jetzt zu einem überraschenden Manöver an.
Wenn der Wocheneinkauf plötzlich zur Preisfrage wird

Die vergangenen Monate haben Verbraucher:innen mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert. Während Kundschaft früher zwischen Supermarkt-Komfort und Discounter-Preisen abwog, hat sich der Graben zwischen den Handelsformaten spürbar verkleinert. Marktforscher:innen registrieren längst, dass sich Kundinnen und Kunden nicht mehr von Logos, sondern von Cent-Beträgen am Regal leiten lassen.
Parallel erleben Supermärkte einen spürbaren Rückgang der Einkaufsfrequenz. Die Preissensibilität erreicht selbst Warengruppen, die früher als “sicher” galten. Für Händler bedeutet das: Wer sein Preisimage nicht überzeugend kommuniziert, verliert Kundschaft – oft dauerhaft.
Die Eigenmarke als wichtigstes Spielfeld

Supermarktketten setzen darum verstärkt auf ihre Handelsmarken. Bei Edeka trägt diese Strategie seit Jahren den Namen “Gut & Günstig”. Rund 3.000 Produkte, von Tiefkühlpizza bis Katzenfutter, füllen mittlerweile ganze Regalreihen und locken mit schlichtem Design. Doch das reine Vorhandensein einer günstigen Eigenmarke genügt offenbar nicht mehr, um preissensible Verbraucher:innen nachhaltig zu binden.
Interne Kennzahlen zeigen: Trotz breiter Produktpalette griffen viele Kund:innen bei grundlegenden Artikeln zuletzt lieber zum Discounter-Wettbewerb. Eine Entwicklung, die auch das erste Halbjahr 2026 in den Umsatzberichten von Edeka deutlich spürbar gemacht hat.
Hinweise auf einen Strategiewechsel

Schon seit dem Frühjahr zirkulierten Branchengerüchte: In Testmärkten tauchten plötzlich rote Aufkleber auf Verpackungen von “Gut & Günstig” auf, begleitet von auffälligen Regalwobblern. Gleichzeitig intensivierten sich App-Aktionen, bei denen ausgewählte Artikel um exakt 17 Cent reduziert wurden – eine Reminiszenz an den einstigen Tankrabatt.
Auch Social-Media-Posts der Händler:innen ließen aufhorchen. Sie spielten mit Slogans wie “Preisgelassen statt preisgehetzt” und stellten vermeintlich alltägliche Artikel in den Mittelpunkt – ohne jedoch genau zu verraten, welche langfristige Strategie dahintersteckt. Die entscheidende Information fehlte bislang.
Auflösung: Das neue Siegel und sein kräftiges Versprechen

Nun bestätigt die Unternehmenszentrale, was Insider bereits vermuteten: Alle “Gut & Günstig”-Produkte erhalten schrittweise ein rotes Siegel mit dem Aufdruck “Preisgarantie – immer der günstigste Preis vor Ort”. Hinter dem Label steckt eine verbindliche Preisversprechen-Logik: Für jede Filiale werden die Artikel zweimal wöchentlich mit den vergleichbaren Eigenmarken der wichtigsten Discounter in unmittelbarer Umgebung abgeglichen. Liegt der Preis von Edeka höher, wird er automatisch nach unten angepasst – Sonderangebote der Konkurrenz bleiben dabei ausgeklammert.
Zum Start wandern mehrere Hundert Bestseller – darunter Salami-Pizza, Gouda und Lachsfilets – mit dem neuen Siegel in die Regale. Bis Jahresende sollen sämtliche rund 3.000 Artikel folgen. Damit positioniert sich Edeka offensiv dort, wo der Preiskampf am härtesten tobt. Ob die Preisgarantie tatsächlich dazu führt, dass Kund:innen dem Discounter den Rücken kehren, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Fest steht: Der Wettbewerb um den günstigsten Einkauf hat damit eine neue Eskalationsstufe erreicht – und könnte die Preislandschaft in deutschen Supermärkten nachhaltig verändern.