Eine neue internationale Recherche legt erschütternde Hinweise auf systematische Folter, Zwangseinsätze und entwürdigende Strafrituale in Wladimir Putins Streitkräften offen.
Putins Krieg frisst selbst die Schwächsten

Was sich hinter den Frontlinien des Ukraine-Krieges abspielt, sprengt jede Vorstellung von Menschlichkeit. Nach neuen Enthüllungen werden schwerkranke, behinderte und verletzte Männer von Russlands Militär erneut an die Front geschickt – selbst dann, wenn sie kaum laufen, greifen oder sprechen können. Wer sich widersetzt, wird bestraft, misshandelt oder „ausgenullt“.
Verantwortlich ist das System von Wladimir Putin, das offenbar selbst vor den Schwächsten nicht haltmacht. Interne Dokumente zeigen: Dieser Krieg kennt keine Schonung mehr – nicht einmal für jene, die körperlich längst gebrochen sind.
Geheime Akten öffnen den Blick in die Knochenmühle

Belegt wird das Ausmaß durch eine Recherche der New York Times. Die Zeitung wertete mehr als 6000 vertrauliche Beschwerden von Soldaten und Angehörigen aus. Die Dokumente stammen direkt aus dem russischen Staatsapparat – und wurden dort offenbar versehentlich öffentlich zugänglich gemacht.
Was sie zeigen, sind erschütternde Einblicke in ein System der Rücksichtslosigkeit. Ein Soldat schreibt, sein Kamerad könne „nicht einmal mehr einen Löffel halten“ – dennoch werde er erneut an die Front geschickt. Ein anderer berichtet, er müsse kämpfen, obwohl er seine Beine nicht mehr spüre.
Ärzte unter Zwang – alle gelten als „kampffähig“

Laut den Unterlagen werden selbst Männer mit Krebs im Endstadium, Epilepsie, schweren Kopfverletzungen, Schlaganfällen oder psychischen Erkrankungen offiziell als „einsatzfähig“ eingestuft. In mehreren Fällen sollen russische Ärzte offen zugegeben haben, sie hätten den Befehl,
„alle als tauglich einzustufen“.
Für die Betroffenen bedeutet das: zurück in den Schützengraben – unabhängig von Schmerzen, Einschränkungen oder Lebensgefahr. Medizinische Vernunft spielt keine Rolle mehr. Entscheidend ist allein, dass genug Männer an der Front stehen.
Folter als Disziplinierungsinstrument

Wer sich weigert, bezahlt einen hohen Preis. Soldaten berichten von grausamen Strafen: Sie sollen nackt oder gefesselt an Bäume gebunden, in Keller gesperrt, geschlagen oder in Erdgruben geworfen worden sein.
Besonders erschütternd ist der Bericht einer Mutter. Sie schickte den Behörden ein Video ihres Sohnes. Darauf ist zu sehen, wie er vier Tage lang an einen Baum gefesselt ist – ohne Wasser, ohne Toilette. Seine „Schuld“: Er wollte nicht an einem Selbstmordkommando teilnehmen.
„Ausgenullt“ – wenn Kameraden geopfert werden

In den Beschwerden taucht immer wieder ein Wort auf: „ausgenullt“. So nennen russische Soldaten eine Praxis, bei der unbequeme Kameraden gezielt in tödliche Einsätze geschickt – oder direkt getötet – werden.
Laut der New York Times berichten Angehörige, dass Männer ohne Waffen an die Front geschickt wurden oder ihre Leichen später gesprengt worden seien, um Spuren zu verwischen. Ein besonders tragischer Fall: Ein 18-jähriger Soldat schickte seiner Mutter ein Video. Darin sagte er, er habe Bestechungsgelder für seinen Kommandeur eingesammelt – und werde nun geopfert, um alles zu vertuschen. Seitdem gilt er als vermisst.
Familien verzweifeln – der Staat schweigt

Selbst Kriegsgefangene, die aus ukrainischer Haft zurückkehren, werden laut den Dokumenten teils direkt wieder an die Front geschickt – in manchen Fällen nur einen Tag nach ihrer Freilassung.
Mehr als 1500 Beschwerden schildern Misshandlungen, Folter oder das spurlose Verschwinden von Soldaten. Zurück bleiben verzweifelte Familien, die nach Söhnen, Ehemännern und Brüdern suchen. Doch vom russischen Staat erhalten sie meist nur nichtssagende Standardschreiben.
Was bleibt, ist ein Bild von Putins Krieg als menschenverzehrender Maschine – einer Knochenmühle, in der selbst die Schwächsten nur noch als Verbrauchsmaterial gelten.
„Er wollte leben – jetzt kämpfe ich an seiner Stelle“

Tatjana, deren an Leukämie erkrankter Sohn spurlos verschwand, tritt seit dem Leak in Talkshows auf: „Ich habe nichts mehr zu verlieren. Mein Kind hat für die Lügen dieses Regimes bezahlt.“ Ihr Video, in dem sie Putins Bild verbrennt, ging viral und inspirierte hunderte ähnliche Beiträge.
Die wachsende Protest-Welle zeigt: Die Folter in Putins Armee holt den Krieg endgültig nach Russland hinein – und könnte damit zur größten Bedrohung für den Kreml werden.
Wie weit sie den Machthaber wirklich ins Wanken bringt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.