Ein toter Buckelwal, eine kompromisslose Unternehmerin und ein ungeklärtes Ende – das Drama um „Timmy“ geht in die nächste, möglicherweise letzte Runde.
Die Debatte um Timmys letzte Reise

Der tonnenschwere Kadaver des Buckelwals liegt seit Tagen vor der dänischen Insel Anholt im Wasser, abgeschirmt von Behördenbooten und beäugt von Anwohnern wie Touristen. Noch immer ist unklar, ob der verstorbene Meeresriese zur wissenschaftlichen Untersuchung geborgen, an Land entsorgt oder einfach der Natur überlassen werden soll. Während Umweltverbände vor einer möglichen Küstenverschmutzung und der sprichwörtlichen „Explosion“ des Kadavers warnen, verweisen Befürworter einer Bergung auf die Chance, wichtige Daten über die Gesundheit nordeuropäischer Buckelwale zu gewinnen.
Über allem schwebt jedoch das private Rettungskommando, das Timmy erst vor wenigen Wochen vom deutschen Ostseestrand per Lastkahn ins offene Meer geschleppt hatte. Als der Wal kurz darauf starb, gerieten nicht nur die dramatischen Bilder vom missglückten Freilassungsversuch in die Schlagzeilen, sondern auch der Vorwurf, fehlende tierärztliche Kontrolle habe das Ende beschleunigt. Jetzt tobt der Streit weiter – diesmal um die Frage, wohin mit dem Kadaver.
Kämpferin mit Mission: Die Pläne der Unternehmerin

Im Zentrum steht die Hamburger Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die schon den kostspieligen Schleppeinsatz finanzierte. Sie will „Timmy“ nun endgültig dorthin bringen, wo er ihrer Meinung nach hingehört: weit draußen in der Nordsee, mehr als 30 Seemeilen von jeder Küste entfernt. Nur dort könne der Wal in Ruhe vergehen, ohne Badegäste zu gefährden und ohne dass sein Geruch ganze Buchten lahmlegt, argumentiert sie. Ein Spezialschiff samt Kühlschleppnetz soll bereitstehen, bezahlt aus ihrem Privatvermögen.
Fachleute schlagen allerdings Alarm. Die enorme Gasbildung im Tier könnte den Kadaver instabil machen – ein Riss während des Transports würde eine kilometerlange Fettspur hinterlassen. Zudem pochen Meeresbiologen auf eine Obduktion: Sie wollen klären, ob Netzwunden oder innere Verletzungen durch die Rettungsaktion zum Tod geführt haben. Walter-Mommert weist das als „Nachtreten“ zurück; sie sehe ihre Verantwortung darin, „Timmy wenigstens jetzt würdevoll zu bestatten“.
Das entscheidende Wort kommt aus Dänemark

Ob die letzte Reise startet, hängt nicht von deutschen Behörden, sondern von Kopenhagen ab. Weil sich der Wal in dänischen Gewässern befindet, muss die Naturschutzbehörde und – formell – das dänische Königshaus zustimmen. Dort geht man die Sache vorsichtig an: Erst sollen Gutachter prüfen, ob ein kontrolliertes Versenken vor Ort möglich ist. Sollte das Ergebnis negativ ausfallen, stünde Walter-Mommerts Plan zumindest nicht mehr im Weg – doch die Entscheidung wird frühestens am Donnerstag erwartet.
Bis dahin wächst die Spannung. Für Anwohner bedeutet jeder Tag mehr den beißenden Geruch von verwesendem Fett, während Touristen bereits Selfies mit dem rissigen Koloss posten. Aktivisten mahnen zur Geduld, weil eine hastige Aktion das Meer großflächig kontaminieren könnte. Das letzte Wort liegt jetzt bei Dänemark – und egal, wie es ausfällt, es wird bestimmen, ob Timmy friedlich in der Tiefe bleibt oder noch einmal, ein letztes Mal, an die Schlepptrosse kommt.