Ein neuer Pass, ein anderes Leben? Eine frische Studie sorgt für Gesprächsstoff – doch die überraschendste Zahl wartet ganz am Ende.
Reform von 2000: Geburtsrecht neu definiert

Mit der Jahrtausendwende änderte Deutschland sein Staatsangehörigkeitsrecht radikal. Seitdem können Kinder ausländischer Eltern automatisch Deutsche werden, wenn ein Elternteil seit acht Jahren legal hier lebt.
Politiker lobten damals die Entscheidung als Integrations-Booster – Kritiker warnten vor Symbolpolitik ohne Wirkung. Heute, 26 Jahre später, lässt sich erstmals messen, ob der Mut zur Reform Früchte getragen hat.
Lassen Sie uns sehen, was die Wissenschaftler jetzt aufgedeckt haben …
Forscher*innen nehmen 25 Jahre später Bilanz

Ein Team des Münchner ifo-Instituts hat die lange Datenreihe genutzt, um den Einfluss der Staatsbürgerschaft auf Jugenddelinquenz zu prüfen.
Dafür verglichen die Ökonom*innen Jugendliche, die unmittelbar vor und nach der Reform geboren wurden – also mit quasi identischem sozialen Umfeld, aber unterschiedlichem Pass.
Doch welches Zahlenmaterial taugt für solch einen heiklen Vergleich? Das klärt die nächste Folie.
Drei Bundesländer im Fokus – was die Polizeidaten verraten

Die Forschenden griffen auf Polizeiliche Kriminalstatistiken aus Baden-Württemberg, Hessen und Berlin zurück. Rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung lebt hier, was den Ergebnissen Gewicht verleiht.
Erfasst wurden Eigentums-, Drogen- und Gewaltdelikte bei Menschen zwischen 14 und 21 Jahren mit Migrationshintergrund.
Erste Auswertungen brachten einen klaren Trend ans Licht, aber die genaue Größenordnung blieb zunächst verborgen …
Ein überraschender Trend zeichnet sich ab

Von Jahrgang zu Jahrgang tauchten deutlich weniger Migranten ohne deutschen Pass in den Tatverdächtigenlisten auf. Gleichzeitig blieb das Niveau bei ihren seit Geburt eingebürgerten Altersgenossen konstant niedriger.
Die Forscher sprachen früh von einem „signifikanten Präventionseffekt“, wollten aber erst alle Einflussfaktoren – Bildung, Einkommen, Wohnviertel – herausrechnen, bevor sie sich auf konkrete Prozentwerte festlegten.
Dabei stießen sie auf eine Geschlechterdifferenz, die so niemand erwartet hatte …
Mädchen kontra Jungen: Ein Effekt spaltet die Statistik

Für Mädchen zeigte sich kaum Entlastung, vereinzelt sogar ein leichter Anstieg bei Bagatelldelikten. Die Autoren vermuten innerfamiliäre Spannungen und neue Rollenerwartungen als Ursache.
Ganz anders die Jungen: Schon vor der finalen Berechnung war klar, dass hier ein drastischer Rückgang stattfindet – doch wie drastisch?
Die Auflösung folgt jetzt.
70 Prozent weniger Tatverdächtige – und was das für Deutschland bedeutet

Nach allen Korrekturen steht die Zahl schwarz auf weiß: Männliche Jugendliche, die seit Geburt einen deutschen Pass besitzen, tauchen rund 70 Prozent seltener in den Polizeistatistiken auf als vergleichbare Altersgenossen ohne frühe Einbürgerung.
Das ifo-Institut sieht darin einen Beleg, dass Zugehörigkeit und Zukunftschancen wirkungsvoller gegen Kriminalität sind als jede Verschärfung des Jugendstrafrechts. Die Studie empfiehlt, das Geburtsortsprinzip weiter auszubauen und flankierend in Bildung sowie Familienberatung zu investieren – denn der stärkste Hebel gegen Jugendkriminalität scheint bereits im Kinderbett zu liegen.