Die Funksprüche überschlugen sich, als der Pilot plötzlich um Hilfe bat – der Routineflug verwandelte sich in Sekunden in ein Wettrennen gegen die Zeit.
Plötzliche Stille über der See

Ein tiefer Knall, dann war das vertraute Brummen der Turbine weg. Stattdessen dröhnte es in der Kabine wie in einer offenen Garage; das Wasser unter dem Rumpf kam rasend schnell näher. Nur wenige Sekunden blieben, um das Fahrwerk einzuziehen, die Schwimmer auszurichten und einen halbwegs stabilen Gleitwinkel zu finden.
Die Passagiere pressten sich in die Sitze, hielten einander an den Händen, während der Pilot hektisch Checklisten übersprang. „Wir setzen auf“, rief er in die Kabine – doch dort herrschte längst Totenstille. Niemand sprach, alle starrten in die graublaue Ferne, als das Flugzeug die Wasseroberfläche küsste – und kurz darauf einen Felsen.
Sekunden, die wie Stunden wirkten

Beim Aufprall splitterte die Cockporscheibe, Spritzwasser fegte durch die Kabine. Sechs Sitze rissen aus ihren Verankerungen, Gepäck segelte wie Konfetti umher. Trotzdem behielt der Pilot die Kontrolle; er lenkte die Maschine, nun halbtauchend, in eine flachere Bucht.
Während das Heck bereits absackte, riss eine Passagierin die Notausstiegstür auf. Gischtschaum und Kerosingeruch lagen in der Luft, doch statt Panik breitete sich seltsame Entschlossenheit aus: Ein Vater band Kinderwesten straff, zwei Fremde zerschlugen eine verbeulte Fensterverkleidung, um zusätzliche Öffnungen zu schaffen – jeder tat plötzlich genau das Richtige zur exakt richtigen Zeit.
Kampf gegen Feuer, Kälte und die Uhr

Noch bevor der Rumpf ganz unterging, näherte sich das erste Fischerboot. Die Mannschaft war zufällig in der Gegend, hörte den dumpfen Schlag und wendete sofort. Mit bloßen Händen halfen sie dabei, die sichtlich benommenen Insassen an Bord zu ziehen. Triebstofffilm glänzte auf dem Wasser; kleine Flammen leckten am abgerissenen Schwimmer – Sekunden später stand der Maschinenrumpf in Flammen.
Gleichzeitig kreiste bereits ein Militärhubschrauber über dem Unfallort. Notarztschreie mischten sich mit Rotorengeheul, Rettender riefen nach Verbandszeug. Vier Verletzte mussten mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus geflogen werden, ein weiterer erlitt schwere Kopfverletzungen. Doch selbst in diesem Chaos zeichnete sich etwas Erstaunliches ab: Es fehlte niemand.
Das erstaunliche Happy End in Washingtons San-Juan-Archipel

Erst jetzt steht fest, wo genau das Drama spielte: unweit der abgelegenen Sucia Island, knapp 130 Kilometer nordwestlich von Seattle im US-Bundesstaat Washington. Die einmotorige De Havilland-Otter von Kenmore Air war um 16:30 Uhr vom Lake Union gestartet, sollte nur kurz zur beliebten Ferieninsel Roche Harbor übersetzen – und wurde um 17:15 Uhr zur Schlagzeile des Tages.
Trotz zerstörtem Cockpit, Flammenmeer und eiskaltem Pazifik überlebten alle elf Menschen an Bord. Die Bundesluftfahrtbehörde und die Transportsicherheitsbehörde untersuchen nun, warum der Motor kurz nach dem Start ausfiel. Doch für die Geretteten zählt vorerst nur eins: das kollektive Aufatmen darüber, dass ihr ungewolltes Abenteuer nicht in einer Katastrophe endete.