Berlin bebt erneut unter der Wucht politisch motivierter Gewalt: Vor dem Amtsgericht Tiergarten hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche Linksextremisten begonnen, die einen Neonazi in Prenzlauer Berg brutal attackiert haben sollen. Zwischen gespannten Reihen von Journalisten, schwer bewaffneten Polizisten und verunsicherten Prozessbeobachtern steht nicht nur die Schuldfrage im Raum – sondern auch, welche Botschaft dieser Fall für das aufgeheizte Berliner Klima sendet.
Brutaler Hausflur-Angriff: Prozess um mutmaßliche Attacke auf Neonazi startet

Haben linksextreme Aktivisten einen Neonazi überfallen, zusammengeschlagen und sogar auf ihn eingestochen? Diese Frage beschäftigt seit Montag Richter, Schöffen und zahlreiche Verteidiger im Berliner Kriminalgericht.
Auf der Anklagebank sitzen Kolja B. (32, Historiker) und Konrad E. (33, Sozialarbeiter). Das mutmaßliche Opfer: Leander S. (24), Mitglied der rechtsextremen Splitterpartei III. Weg. Er war an dem Abend gerade vom Boxtraining gekommen und tritt im Verfahren als Nebenkläger auf.
Doch im Gerichtssaal zeigt sich: Der Fall ist deutlich komplizierter. Weiter auf Seite 2.
Brisantes Umfeld: Anwälte, politische Lager und ein vollbesetzter Saal

Vertreten wird der mutmaßlich Angegriffene ausgerechnet von Wolfram Narath, einem Anwalt mit langer rechtsextremer Vita, bekannt aus NSU-Verfahren und Auftritten für Holocaustleugner.
Bereits vor Prozessbeginn stehen sich draußen die Gefolgsleute beider politischen Lager gegenüber: Rechtsradikale links vom Eingang, Linksradikale rechts – eine symbolische Verkehrung, die fast ironisch wirkt.
Drinnen sichern 15 Justizwachtmeister die Lage und trennen die Gruppen räumlich voneinander.
Doch worum geht es inhaltlich konkret? Weiter auf Seite 3.
Die Tatnacht: Hausflur, Messer, Reizgas – und am Ende liegen die Angreifer am Boden

Laut Anklage sollen die beiden Beschuldigten am 18. April 2024 gemeinsam mit einem unbekannten Mittäter Leander S. im Hausflur seines Wohnhauses in der Wichertstraße (Prenzlauer Berg) attackiert haben.
Sie sollen ihn getreten, geschlagen und mit Glasflasche, Messer und Reizgas attackiert haben. Im Gepäck gehabt hätten sie demnach einen Beutel mit Hammer, Messer und Reizgas.
Doch der Überfall ging offenbar anders aus als geplant: Am Ende lagen Kolja B. und Konrad E. selbst schwer verletzt am Boden – mit Stichwunden im Oberkörper und Oberschenkel.
Und auch das Opfer kam nicht unverletzt davon. Weiter auf Seite 4.
Verletzte auf beiden Seiten – und ein möglicher Auslöser aus dem Vorjahr

Leander S. erlitt vergleichsweise leichtere Blessuren: Schnittverletzungen an Bein und Hand sowie eine Platzwunde am Kopf.
Die Staatsanwaltschaft liefert einen brisanten Hintergrund: S. soll zu einer Gruppe gehört haben, die am 27. Juli 2023 Teilnehmer des Berliner CSD angegriffen hatte – darunter eine Freundin der Angeklagten.
Die Beschuldigten bestreiten jedoch den Einsatz eines Messers. Sie geben zu, den Neonazi „einschüchtern“ zu wollen – Ziel sei gewesen, ihn „zu Boden zu bringen“. Doch das sei misslungen.
Dann schildern die beiden, wie der Überfall eskalierte. Weiter auf Seite 5.
„Scheiß Kommunisten-F…!“ – Neonazi stürmt laut Angeklagten auf Angreifer zu

Kolja B. berichtet, dass der 24-Jährige plötzlich schreiend auf sie zugestürmt sei: „Scheiß Kommunisten-F…! Ist das alles?“
Er sagt: „Wir waren naiv. Ich werde den Tag nie vergessen, schon wegen der Narben. Es war ein traumatisches Erlebnis.“ Beide Angeklagte befinden sich seitdem in psychologischer Behandlung.
Als Zeuge stellt sich Leander S. im Gericht als Mensch mit „nationaler Weltanschauung“ vor. Er beschreibt, wortlos attackiert worden zu sein: „Ich wurde sofort zu Boden gebracht. Eine Person hat sich auf mich draufgesetzt.“
Dann schildert er, wie das Messer ins Spiel kam. Weiter auf Seite 6.
Brennpunkt Berlin: Was auf dem Spiel steht

Dieses Verfahren ist mehr als eine Messerattacke – es ist Symptom eines tieferliegenden Kulturkampfs, der Berlins Straßen seit Jahren in Atem hält. Linksextreme sehen sich als „Antifaschistische Schutztruppe“, Rechtsextreme antworten mit Gegengewalt; Polizei und Justiz stecken mitten im Kreuzfeuer.
Das Urteil, das in den kommenden Wochen erwartet wird, könnte Signalwirkung haben: Entweder bestätigt es die Entschlossenheit des Rechtsstaats, politisch motivierte Gewalt zu ächten – oder es liefert neuen Zündstoff für eine Szene, die längst bereitsteht. Die Stadt hält den Atem an.
Fortsetzung folgt im echten Gerichtssaal – das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen.