Ein leiser Kulturwandel rollt durch Österreichs Bildungseinrichtungen: Immer mehr Schulen und Universitäten legen gratis Tampons und Binden aus – und hinter den Spendern steckt mehr als nur ein Wohlfühl-Service.
Der große Roll-out beginnt

Seit dem heutigen 6. Oktober 2025 greifen Schülerinnen und Studentinnen in sechs weiteren Bundesländern kostenlos zu Binden und Tampons – insgesamt 252 neue Standorte kommen auf einen Schlag dazu. Damit umfasst das Pilotprogramm nun 15 Fachhochschulen, mehrere Universitäten und weit über 270 Schulen, die Periodenprodukte so selbstverständlich wie Seife bereitstellen.
An den Spendern kleben QR-Codes, die zu Info-Portalen rund um Frauengesundheit führen, während Ministerin Eva-Maria Holzleitner von einem „Tabubruch im Alltag“ spricht. Weiter geht’s mit der Frage, wer das alles eigentlich finanziert …
Die stille Kraft hinter den Körbchen

Eine heimische Drogeriekette stellt 5,6 Millionen Periodenprodukte kostenlos bereit, der Bund übernimmt Logistik und Begleitkampagne. Das Projekt kostet weniger als ein Euro pro Schülerin und Jahr – doch der symbolische Wert ist ungleich höher, betont das Bildungsministerium.
Kritiker fragen trotzdem, ob Gratisartikel wirklich Priorität haben, während Befürworter auf steigende Lebenshaltungskosten verweisen. Doch wie kommt das Angebot bei den Betroffenen an?
Stimmen aus den Klassenzimmern

„Ich muss nicht mehr nach Hause laufen, wenn ich überrascht werde“, erzählt Amina (15) aus Graz, für die eine Packung Tampons bisher Luxus bedeutete. Lehrkräfte melden zugleich deutlich weniger Unterrichtsausfälle wegen Menstruationsbeschwerden.
Viele Mädchen berichten von einem neuen Selbstverständnis: Die Peinlichkeit, eine Freundin um Hilfe zu bitten, fällt weg. Politisch bleibt die Aktion jedoch nicht ohne Nachhall …
Zündstoff im Landtag

Während Grüne und SPÖ das Programm als frauenpolitischen Meilenstein feiern, sehen konservative Parteien eine „staatliche Rundum-Versorgung“ am falschen Ort. Die Freiheitlichen monieren „versteckte Werbeaktionen“ der Drogeriekette.
Finanzierer verweisen indes auf ein jährliches Einsparpotenzial bei Gesundheit und Bildung durch weniger Fehltage. Währenddessen blickt das Ausland neugierig nach Österreich …
Der Blick über die Grenzen

Schottland verteilt seit 2022 landesweit Gratis-Artikel, Bremen zog 2025 nach und Neuseeland beliefert bereits Grundschulen. Österreich rangiert damit auf Augenhöhe der Pioniere, inspiriert aber auch Nachbarn wie Slowenien und Tschechien, wo Petitionen laufen.
Expertinnen loben besonders die QR-Infopfade, die Menstruation entstigmatisieren. Am Ende steht die große Frage: Wird das Pilotprojekt Dauerzustand?
Was nach dem Pilotjahr passiert

Im Sommer 2026 entscheidet der Nationalrat, ob Gratis-Periodenprodukte gesetzlich verankert werden. Erste Evaluierungen zeigen eine 12-prozentige Senkung von Fehlstunden bei menstruierenden Schüler*innen. Gleichzeitig planen Universitäten, Mehrweg-Optionen wie Menstruationstassen einzuführen, um Nachhaltigkeit mitzudenken.
Sollte die Abstimmung positiv ausfallen, könnte Österreich das erste EU-Land mit flächendeckender, dauerhaft gesetzlich garantierter Periodenversorgung sein – ein leiser Wandel, der das Bildungssystem nachhaltig prägt. Lassen wir uns überraschen, ob das Versprechen Wirklichkeit wird.