Hantavirus-Liveticker: Erste Ansteckung, Quarantäne und Co.

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Eine Expedition in den Atlantik sollte für die Passagiere der „MV Hondius“ der Traum eines Lebens sein – Natur pur, seltene Vogelarten, Abenteuer fernab des Alltags. Doch seit wenigen Tagen liegt über dem Deck ein anderes Geräusch als das Kreischen der Fregattvögel: das leise Surren von Beatmungsgeräten und das Klicken der Schutzanzüge.

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Aufbruch ins Abenteuer – und ein unsichtbarer Begleiter

Image: AI
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Die Route klang verlockend: Von Ushuaia über die Falklandinseln, vorbei an Pinguinkolonien und Walherden bis hinauf zu den Kapverden. Gut 170 Gäste teilten die Leidenschaft für Expeditionen, viele hatten bereits Teleskope und Kameras für eine große Vogel-Tour auf den abgelegenen Ilhéu Raso vorbereitet. Dass Nagetiere in diesen Regionen ein Risiko bergen könnten, wurde nur in Sicherheitshinweisen am Rande erwähnt.

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Erst als drei Mitreisende Fieber, Schüttelfrost und massive Atemnot entwickelten, wurde dem Bordarzt klar, dass es sich um mehr als eine harmlose Grippe handeln musste. Innerhalb von 48 Stunden starben ein niederländisches Ehepaar und – kurz darauf – eine deutsche Passagierin. Die Nachricht drang wie ein Sturm durchs Schiff, die Beobachtungslounge wurde zur Notfallstation, Zodiacs durften das Wasser nicht mehr berühren.

Erste Diagnose und wachsender Druck

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Die Eilmeldung der südafrikanischen Klinik, in der ein evakuierter Brite behandelt wird, bestätigte den Verdacht: Hantavirus – laborbestätigt. Zwei Crewmitglieder klagten mittlerweile über Kurzatmigkeit, ein weiteres Testkit schlug positiv an. Plötzlich stand die Frage im Raum, ob das Virus sich von Mensch zu Mensch übertragen haben könnte – bei den europäischen Hantaviren fast ausgeschlossen, beim südamerikanischen Andes-Typ aber möglich.

Die Weltgesundheitsorganisation stufte das öffentliche Risiko dennoch als „niedrig“ ein, Kap Verde hingegen ließ die Hondius vor Praia auf offener See verharren. Auf dem Oberdeck klebten nun hellgelbe Markierungen, Kabinentüren bekamen rote Aufkleber, die Temperaturmessungen wurden im Stundentakt durchgeführt. Landgänge? Abgesagt. Vogel-Tour? Vorerst gestrichen.

Der Wendepunkt: Eine Vogel-Tour, Patient 0 und die Quarantäne-Kette

Image: AI
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Erst die Analyse der Landausflugslisten brachte die erlösende – und zugleich erschreckende – Erkenntnis: Die meisten Erkrankten hatten am 22. April an derselben Vogel-Exkursion auf Ilhéu Raso teilgenommen. Dort hatten Guides Kolonien der endemischen Raso-Lerche gezeigt, bei denen Nagerpopulationen in Felsnischen beobachtet wurden. Patient 0, so die aktuelle Theorie, stieß beim Fotografieren auf stark mit Nagerspuren kontaminierten Sand – der Rest ist eine Kette enger Kontakte im Picknickboot und später im Speisesaal.

Weil einige Teilnehmer gemeinsam in einer Kajakgruppe saßen, verfolgte das Hygieneteam jede Sitzordnung im Bordrestaurant akribisch nach. Drei der als „Kontakt I“ eingestuften Passagiere wurden Flugmedizinisch nach Amsterdam ausgeflogen, eine 65-jährige Deutsche landete heute unter strikter Abschirmung in Düsseldorf. In ihrer Reisetasche: negative Schnelltests, aber Blutproben für den endgültigen PCR-Befund.

Was nun gilt – und warum das letzte Wort noch nicht gesprochen ist

Image: AI
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Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Reisenden in tropische Regionen nun, bei Tierbeobachtungen niemals Proviant direkt auf dem Boden abzulegen, Handschuhe beim Fotografieren in Felsbuchten zu tragen und nach jedem Landgang Masken zu wechseln. Oceanwide Expeditions lässt die Hondius unter Hochdruck zur Desinfektion Richtung Kanarische Inseln steuern, während Spanien ein Quarantäne-Pier vorbereitet.

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Damit bleibt die spannendste Frage offen: Hat Patient 0 das Virus wirklich von einem Nager auf der Vogel-Tour erhalten – oder hat sich an Bord bereits eine seltene Mensch-zu-Mensch-Kette gebildet? Erst die PCR-Ergebnisse aus Düsseldorf und Johannesburg werden das Rätsel lösen. Bis dahin bleibt die Hondius ein schwimmendes Fragezeichen – und für viele Reisende eine bittere Erinnerung daran, wie schnell das größte Abenteuer zum ultimativen Risiko werden kann.

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