Ein Wochenende voller Beats, Bierduschen – und eines Moments, der alles veränderte. Wer dachte, das 30. Hurricane würde nur wegen seiner Mega-Acts in Erinnerung bleiben, dürfte sich irren.
Jubiläumsstimmung am Eichenring

Rund 70 000 Fans strömten seit Freitag auf den Eichenring in Scheeßel, um das Hurricane-Festival gebührend zu feiern. Die Veranstalter hatten zum runden Geburtstag ein Line-up gezündet, bei dem Twenty One Pilots, Kraftklub und Deichkind im Wechsel für kollektive Ekstase sorgten. Selbst Temperaturen jenseits der 30 Grad hielten niemanden davon ab, schon am frühen Morgen vor den Bühnen zu tanzen.
Der zweite Festivaltag legte noch eine Schippe drauf: Riesenrad-Runden im Abendrot, flirrende Hitze über dem staubigen Infield und immer wieder Gänsehaut-Momente, wenn Tausende Kehlen dieselbe Hookline brüllten. Dass meteorologisch eine Gewitterfront drohte, steigerte eher die Vorfreude – denn „ein bisschen Sturm gehört beim Hurricane einfach dazu“, scherzte so mancher Besucher.
Sanitäter zwischen Hitze, Hagel und Herzschlagmomenten

Die Einsatzkräfte des Malteser-Rettungsdienstes hatten trotzdem alle Hände voll zu tun. Kreislaufprobleme, Stürze im Moshpit und kleinere Schnittverletzungen füllten die Behandlungsliegen im Minutentakt. Dank einer eigens eingerichteten „Wetter-Task-Force“ gelang es, die Menge bei Hagel und Starkregen kurzzeitig in Autos und Zelte zu schicken, ohne dass Panik ausbrach.
Über Funk war jedoch gegen 16 Uhr plötzlich von einer „reanimationspflichtigen Lage“ die Rede. Die Meldung jagte dem medizinischen Team einen spürbaren Adrenalinschub ein. Noch wusste außerhalb des abgesperrten Bereichs kaum jemand, wie ernst die Sache werden sollte.
Polizei zieht positive Bilanz – fast

Abgesehen von ein paar Ticketbetrügereien – zwei Verdächtige wurden festgenommen – lobten Polizei und Gemeinde die „beeindruckend friedliche“ Festivalatmosphäre. Die Zahl der ins Krankenhaus eingelieferten Besucher lag laut Einsatzleitung sogar unter dem Durchschnitt der Vorjahre.
Bei der Abschluss-Pressekonferenz am Sonntagmorgen sprach Veranstalter Stephan Thanscheidt von einem „rundum gelungenen Geburtstag“. Doch dann senkte sich ein Schatten auf das Podium, als die Runde auf das medizinische Protokoll des Samstags zu sprechen kam.
Als die Musik verstummte: 41-Jährige stirbt trotz Reanimation

Am späten Samstagnachmittag brach eine 41-jährige Besucherin in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs zusammen. Sanitäter waren in Sekunden vor Ort, begannen umgehend mit der Reanimation, während Polizei das Areal weiträumig absperrte. Trotz intensivster Bemühungen und Einsatz eines Defibrillators erlag die Frau ihren gesundheitlichen Problemen noch auf dem Festivalgelände.
Erste Ermittlungen ergaben keinen Zusammenhang mit Drogenkonsum oder Festivalgeschehen; vielmehr deuteten Vorerkrankungen auf einen internistischen Notfall hin. Die Begleitpersonen der Verstorbenen standen unter Schock, wurden von Notfallseelsorgern betreut und fanden fernab des Trubels Unterkunft in der Kirchengemeinde Scheeßel. Für einen Moment verstummte die Musik, Tausende senkten die Köpfe – ein stilles Gedenken, das länger nachhallt als jeder Headliner-Chorus.