Ein britischer Reisejournalist wirbelt mit seinem Lob für das Frankfurter Oktoberfest die Wiesn-Welt durcheinander – und sorgt damit für hitzige Diskussionen quer durch Deutschland.
„Vergesst München!“ – Die steile These, die alle irritiert

Als Matt Hryciw vom Londoner Telegraph seinen Artikel veröffentlicht, trifft die Headline wie ein Blitzschlag ins Bierglas: „Forget Munich – this is where Germans go for Oktoberfest“. Plötzlich steht nicht mehr die Theresienwiese im Rampenlicht, sondern ein Festzelt am Frankfurter Stadtwald.
Der Autor beschreibt, wie er sich nachts durch Bäume und Brückenpfeiler tastet, bis er eine gleißend erleuchtete Welt entdeckt, in der Dirndl und Lederhosen ebenso selbstverständlich sind wie Bembel und Äppelwoi.
Lust auf Details? Gleich schauen wir auf das, was den Briten am Main besonders begeistert.
Eine Mini-Wiesn mit Maxi-Charme

Hryciw schwärmt von „herzlicher Bodenständigkeit ohne Touristenstau“: Familientische statt Selfiesticks, Blasmusik statt Ballermann-Remix. Das Bier fließt in Maßkrügen, doch die Wege zur nächsten Runde sind kurz, die Servicekräfte persönlich.
Er vergleicht das Flair mit einem „Dorf in der Großstadt“, in dem sogar die Securities ein Lächeln übrig haben – ein Kontrast zur oft als hektisch empfundenen Münchner Wiesn.
Warum gerade Frankfurt in seinem Ranking so weit vorn landet, verraten wir Ihnen gleich.
Preise, Platz – und ein überraschender Pluspunkt

Während Münchens Festbänke im Goldpreis-Modus schaukeln, lockt Frankfurt mit moderaten Tischreservierungen und freiem Eintritt außerhalb der Wochenenden. Das spart Familien schnell eine dreistellige Summe.
Und dann ist da noch der Platz: breitere Tischreihen, kürzere Toilettenschlangen, mehr Tanzfläche. Für Hryciw fühlt sich das an, als hätte jemand die Wiesn von Ballast befreit – ohne ihr die Seele zu nehmen.
Doch wie reagiert München auf diesen Seitenhieb? Bleiben Sie dran.
Spießrutenlauf im Weiß-Blauen Kosmos

In München zuckt man zunächst mit den Schultern: „Vergleichbar ist das nicht“, sagt ein Sprecher des Wirtschaftsreferats. Schließlich stemme Bayerns Hauptstadt jedes Jahr sechs Millionen Besucher. Doch hinter vorgehaltener Hand räumt so mancher Wirt ein, dass die Kritik an den steigenden Kosten berechtigt sei.
Traditionsbewusste Wiesn-Fans fühlen sich dennoch provoziert und verweisen auf 215 Jahre Geschichte, das Fass-Anstich-Ritual und die weltweite Strahlkraft „ihrer“ Wiesn.
Ob der imagesensible Tourismus-Gigant wirklich nachjustiert, klären wir gleich.
Marketing-Match: Main vs. Isar

Frankfurt nutzt die ungewohnte Publicity geschickt: Vier zusätzliche Festtage werden spontan genehmigt, Influencer erhalten kostenlose Tracht-Pakete, und die Stadt wirbt mit dem Slogan „Echt feiern statt nur schauen“. Die Social-Media-Zahlen schnellen hoch.
München kontert mit einem Nostalgie-Clip über Ochs am Spieß, Riesenrad-Romantik und dem legendären „Ein Prosit“. Das Video soll zeigen, dass wahre Wiesn-Magie eben doch nur auf der Theresienwiese entsteht.
Welche Seite am Ende das bessere Händchen beweist, zeigt sich beim Blick auf die Besucherstatistik – und die ist bemerkenswert.
Die überraschenden Zahlen des Festjahrs 2025

Erstmals verzeichnet das Frankfurter Oktoberfest über 750 000 Gäste, ein Plus von 18 Prozent. München bleibt mit 5,9 Millionen zwar dominant, verliert aber 6 Prozent gegenüber 2024. Tourismusforscher sprechen von einem „Weckruf mit Schaumkrone“.
Laut Umfrage wollen 27 Prozent der befragten Wiesn-Veteranen 2026 „alternativ oder zusätzlich“ nach Frankfurt reisen – vor zwei Jahren lag der Wert bei gerade mal 9 Prozent.
Wie könnte das Oktoberfest der Zukunft aussehen? Unser letztes Slide wagt einen Blick voraus.
Zwei Städte, ein Mythos – und eine neue Fest-Landkarte

Experten erwarten, dass München seine Premium-Position halten wird, gleichzeitig aber Satelliten-Feste wie das in Frankfurt stärker fördern könnte, um das Besucheraufkommen zu entzerren. Denkbar sind Kombitickets oder gemeinsame Werbekampagnen à la „Wiesn-Route Deutschland“.
Frankfurt wiederum plant bereits ein zweites Zelt und ein eigenes Trachtenmuseum – alles, ohne die „familiäre DNA“ zu verlieren. Für Fans heißt das: mehr Auswahl, weniger Gedränge und vielleicht die Erkenntnis, dass man Oktoberfest-Glück nicht an einer Postleitzahl festmachen kann.
Bleibt also nur eine Frage offen: Wer trinkt 2026 den ersten Prosit – und wo?