Dame Judi Dench gewährt in einem brandneuen Interview ungewohnt intime Einblicke: Die 90-jährige Oscarpreisträgerin bestätigt, dass sie nicht nur immer schlechter sieht, sondern inzwischen auch unter deutlichen Gedächtnislücken leidet.
Ein seltener Blick hinter die Kulissen

Seit ihrem Gespräch mit der ZEIT ist klar, wie sehr die Legende mit Vergesslichkeit und starker Sehschwäche ringt. Dennoch kann sie ganze Shakespeare-Passagen aufsagen, als stünde sie noch auf der Bühne des Royal Shakespeare Theatre.
Mit leiser Ironie erzählt Dench, dass ihr Geist manchmal „Löcher“ habe – doch gerade das spornt sie an, weiterzuarbeiten: „Shakespeare ist wie mein Herzschlag, er wird mich nie verlassen.“
Lassen wir uns nun zeigen, wie dramatisch sich ihr Augenlicht tatsächlich verschlechtert hat …
Die unaufhaltsame Schwächung der Sehkraft

Seit 2012 kämpft Dench gegen altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Inzwischen kann sie ohne Begleitung keine Veranstaltung mehr besuchen – zu groß ist die Gefahr, anzustoßen oder zu stürzen.
Die Schauspielerin beschreibt den Kontrollverlust offen: „Ich habe praktisch keine Sicht mehr.“ Ihr größter Albtraum sei es, im Blitzlicht der Kameras zu straucheln.
Doch welche kreativen Tricks ermöglichen ihr trotzdem noch Auftritte vor der Kamera?
Kreative Überlebensstrategien am Set

Dench verlässt sich heute auf ein Team von Freunden, das ihr jede Zeile laut vorliest, bis sie sie im Ohr verankert hat. Ihre legendäre fotografische Erinnerung hilft – solange jemand die Worte liefert.
Sie scherzt, sie suche eine „Maschine“, die ihr den Text nicht nur einflüstert, sondern auch zeigt, wo er auf der Seite steht. Damit bleibt sie am Set konkurrenzfähig – wenn auch mit völlig neuen Methoden.
Auch auf der Bühne mussten Techniker reagieren …
Leuchtstreifen und Blindenführung auf der Bühne

Bei Live-Auftritten verlegt die Crew nun helle Matten als Leitlinien, damit Dench sicher Szenenwechsel vollzieht. Kollegen beschreiben das Prozedere wie eine „diskrete Blindenführung“, die man als Zuschauer kaum bemerkt.
Trotzdem ist es für die Schauspielerin jedes Mal ein Risiko, den sprichwörtlichen Schritt ins Dunkel zu wagen – buchstäblich und im übertragenen Sinn.
Und wie bewältigt Judi Dench den Alltag, wenn die Spotlights erlöschen?
Privates Netzwerk statt roter Teppich

Im Alltag verlässt sie sich fast rund um die Uhr auf Freunde und Familie. Spaziergänge ohne Begleiter seien „unvorstellbar“, wie sie betont – „ich würde jemanden oder mich selbst verletzen“.
Statt Jetset bevorzugt sie nun kleine Dinnerrunden, bei denen Vertraute ihr zur Seite stehen. Ihre Wohnung ist inzwischen barrierearm umgebaut, damit sie sich ohne Stockwerkstürze bewegen kann.
Trotz aller Einschränkungen arbeitet sie an einem neuen Herzensprojekt, das selbst enge Freunde überrascht …
Shakespeare als Kompass für die Zukunft

Im kommenden Frühjahr erscheint Denchs neues Buch, in dem sie ihre lebenslange Leidenschaft für den Barden feiert – eine Liebeserklärung an die Bühne und ein Triumph über Vergessen und Finsternis.
Sie verrät, dass das Rezitieren ganzer Passagen ihr hilft, sowohl den Geist zu schärfen als auch das verblassende Gedächtnis zu trainieren. Rückzug? Fehlanzeige. Solange William Shakespeare „ihr Herzschlag“ bleibt, wird Judi Dench nicht verstummen – weder für ihre Fans noch für sich selbst.