Ein TV-Gespräch unter freiem Himmel kippt plötzlich in eine spürbar gereizte Richtung: Beim ZDF-Sommerinterview zeigt sich Friedrich Merz erst gelassen, dann merklich angefasst. Aus einer kritischen Nachfrage wird ein Moment, der hängen bleibt – und genau darin liegt die Spannung dieses Auftritts.
Ein ruhiger Start mit brisantem Thema

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich im ZDF-Sommerinterview im Sauerland den Fragen von Diana Zimmermann gestellt. Das Gespräch fand in freier Natur statt – doch die Themen waren alles andere als entspannt.
Im Mittelpunkt stand unter anderem Jens Spahn. Der CDU-Politiker war nach heftigen Debatten um seine Vaterschaft durch eine Leihmutter in den USA als Unionsfraktionschef zurückgetreten.
Für die Union ist der Fall besonders heikel. Denn Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten und wird von der CDU traditionell abgelehnt. Auch Spahn selbst hatte sich früher deutlich gegen Leihmutterschaft ausgesprochen.
Merz spricht über Jens Spahns Rücktritt

Diana Zimmermann wollte von Merz wissen: „Fühlen Sie sich ein bisschen hintergangen?“ Der Kanzler wich einer direkten Bewertung aus. Öffentlich wolle er das nicht beurteilen.
Stattdessen erklärte er, „der Vorgang als solcher“ sei mit Spahns Rücktritt abgeschlossen. Ganz ohne Kritik blieb Merz dann aber doch nicht.
Er sagte, Spahn habe Partei und Fraktion erst „sehr, sehr spät“ über die privaten Neuigkeiten informiert. Dadurch habe es kaum Gelegenheit gegeben, vorher mit ihm über die Lage und die Kommunikation zu sprechen.
„Zunächst einmal das Wohl des Kindes“

Zimmermann fragte Merz auch, was ihm durch den Kopf gegangen sei, nachdem Spahn ihm vor zehn Tagen von der Geburt seines Kindes berichtet hatte.
Der Bundeskanzler antwortete: „Zunächst einmal das Wohl des Kindes.“ Danach habe er gehofft, dass Spahn die Situation gut kommuniziere.
Mit einer öffentlichen Empörungswelle „in diesem Umfang“ habe er allerdings nicht gerechnet. Wahrscheinlich habe die starke Reaktion etwas mit „seiner Person“ und mit der Kommunikation zu tun, sagte Merz über Spahn.
Kommt jetzt ein größerer Personalumbau?

Nach Spahns Rücktritt wird die Lücke in der Unionsfraktion übergangsweise von CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann gefüllt. Zimmermann sprach Merz darauf an, ob daraus ein größerer Personalumbau im Kabinett entstehen könnte.
Merz antwortete auffällig vorsichtig. Insgesamt viermal sagte er sinngemäß: „Es könnte eine Gelegenheit sein.“
Dabei betonte er jedes Mal, dass es in diesem Satz auf den Konjunktiv ankomme. Festlegen wollte sich der Kanzler also nicht. Trotzdem ließ seine Formulierung Raum für Spekulationen.
Merz wird mit schlechten Umfragen konfrontiert

Im Sommerinterview ging es nicht nur um Jens Spahn, sondern auch um Merz selbst. Diana Zimmermann sprach den Kanzler auf seine schlechten Umfragewerte an und fragte, ob er im Wahlkampf zu viel versprochen habe.
Merz erklärte, er sei im Wahlkampf noch von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Unter anderem verwies er auf den Krieg in der Ukraine, der inzwischen schon im fünften Jahr andauere.
Zimmermann hielt dagegen: Der Krieg habe bereits drei Jahre getobt, als Merz ins Amt gekommen sei. Merz verwies daraufhin auf die Auseinandersetzung zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump im Oval Office im Februar 2025. Diese habe nicht nur bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Streit um Ton, Kritik und „ewige Nörgelei“

Auch beim Thema Reformpaket wurde es kritisch. Zimmermann fragte, ob weitere Entlastungen für Bürger kommen. Merz verwies auf eine geplante Steuerreform für untere und mittlere Einkommen. Zimmermann entgegnete: „Daraus ist ja nicht so sehr viel geworden.“
Merz beklagte daraufhin, die Regierung habe Reformen noch nicht einmal verabschiedet, „und schon steht das Urteil der Medien fest“. Später zeigte Zimmermann ihm einen Ausschnitt seiner Rede beim NRW-Landesparteitag, in dem er sagte: „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten!“
Merz lachte zunächst, verteidigte dann aber seinen Ton. Der Ausschnitt sei unvollständig gewesen. Zugleich legte er nach: „Diese ewige Nörgelei, diese ewige Nölerei, dieses Schlechtreden, dieses Kaputtreden unseres Landes – ich darf mir das bei solchen Gelegenheiten auch mal erlauben – ich bin es einfach leid.“
Als Zimmermann ihm vorhielt, er selbst rede manchmal pauschal schlecht über die Deutschen, reagierte Merz gereizt. Er sagte: „Sie zeigen immer nur diejenigen, die Kritik an mir äußern, sie zeigen selten diejenigen, die mal sagen: Es ist genau so!“ Und er erinnerte an frühere Debatten: „Das war mit den ‚kleinen Paschas‘ schon vor vielen Jahren so.“ Für Merz ist klar: Er bekommt nach eigener Aussage auch „sehr viel Zustimmung“ – nur werde diese aus seiner Sicht zu selten gezeigt.