Die Gerüchteküche brodelte seit Tagen, doch erst jetzt sickert durch, wie tief der Einschnitt wirklich ist: Was hinter verschlossenen Vorstandstüren beschlossen wurde, könnte den Sommerflugplan vieler Reisender komplett auf den Kopf stellen.
Unruhe am Himmel

Steigende Ölpreise und ein geopolitischer Konflikt im Nahen Osten haben die Luftfahrtbranche zuletzt kräftig durchgeschüttelt. Schon im Frühjahr warnte die Branche vor einem „Kerosin-Schock“, der Ticketpreise und Routenplanung gleichermaßen unter Druck setzen könnte. Gleichzeitig tröpfelten Meldungen über drohende Kapazitätskürzungen in sozialen Netzwerken – doch niemand konnte sagen, wie groß der Einschnitt tatsächlich sein würde.
Während Urlauber noch hoffnungsvoll nach günstigen Sommerdeals suchten, zog der Konzern intern bereits die Reißleine. Ein hochrangiger Manager verriet, man habe „alle Szenarien von sanfter Diät bis radikalem Kahlschlag“ durchgerechnet. Dass es nun die harte Variante trifft, kam selbst für viele Brancheninsider überraschend.
Druck im Konzern

Lufthansa steht nicht nur wegen der Spritkosten unter Zugzwang. Mit dem Aus für die Regionaltochter CityLine verliert der Konzern ein wichtiges Zubringernetz zu den Drehkreuzen Frankfurt und München. Piloten und Kabinencrews bangen um ihre Einsatzpläne, Gewerkschaften fordern Umschulungen statt Entlassungen – und Investoren drängen zugleich auf schnelle Einsparungen.
Intern spricht man von einem „Schattenfahrplan“, der bereits seit Wochen vorbereitet wurde. Flugzeuge, die auf der Kurzstrecke kaum noch Geld verdienen, sollen frühzeitig in den Hangar, Leasingverträge vorzeitig beendet werden. Es geht um Cashflow, um Image – und um harte Zahlen, die spätestens im nächsten Quartalsbericht stimmen müssen.
Der große Kahlschlag

Jetzt ist klar: Bis Ende Oktober streicht Lufthansa rund 20.000 Kurzstreckenflüge – das entspricht etwa jeder siebten geplanten Verbindung im Kontinentalnetz. Besonders betroffen sind Zubringer von kleineren Städten Richtung Frankfurt und München, aber auch innerdeutsche Routen wie Hamburg–Stuttgart oder Nürnberg–Düsseldorf verschwinden zeitweise komplett aus dem System.
Mit der Maßnahme spart der Konzern rund 40.000 Tonnen Kerosin und umgeht nach eigenen Berechnungen Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe. Umbuchungen laufen bereits, Kunden sollen wahlweise Bahn-Gutscheine oder Langstreckenanschlüsse zu späteren Zeiten erhalten. Für Tausende Passagiere bedeutet das jedoch: Sommerroute adé – und plötzlich heißt es umplanen, ehe am Check-in-Schalter das Licht ausgeht.