Ökonom Marcel Fratzscher schlägt Alarm: Eine hitzige Abschiebe-Debatte droht, zu einer teuren Hypothek für Deutschland zu werden.
Ökonom warnt vor „ökonomischem Blindflug“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, spricht von einem „massiven Risiko für Wachstum und Wohlstand“, sollte die Politik in der aktuellen Migrationsdiskussion überreagieren. Die Debatte, sagt er, habe sich in den vergangenen Tagen „radikal zugespitzt“ – und lenke den Blick von Deutschlands realen Problemen im Arbeitsmarkt ab.
Noch bleibt unklar, welche konkreten Maßnahmen auf dem Tisch liegen, doch hinter den Kulissen formiert sich eine harte Linie, angetrieben von parteiinternem Druck und bevorstehenden Landtagswahlen.
Weiter geht es mit der Frage, welches Konzept die CSU dabei verfolgt …
Die „Rückkehr-Roadmap“ der CSU

Auf ihrer Winterklausur in Seeon legte die CSU ein Positionspapier vor, das eine „Abschiebeoffensive“ als zentrales Element ihrer neuen Migrationspolitik definiert. Parteigrößen versprechen sich davon mehr innere Sicherheit und Entlastung der Sozialsysteme – ein Signal an die eigene Basis und an unentschlossene Wähler.
Kritiker bemängeln jedoch die ökonomische Kurzsichtigkeit: Demografie und Fachkräftemangel werde man so nicht lösen, warnt unter anderem der Arbeitgeberverband.
Doch die entscheidende Frage lautet: Wer genau soll das Land verlassen …
Im Visier: Syrische Geflüchtete

Erst jetzt wird klar: Vor allem syrische Staatsangehörige stehen im Fokus der geplanten Rückführungen. Die CSU argumentiert, der Bürgerkrieg sei weitgehend beendet, Schutzgründe seien entfallen und Syrer würden beim Wiederaufbau ihres Landes gebraucht. Laut Entwurf sollen Zehntausende innerhalb weniger Jahre zurückgeschickt werden.
Für Fratzscher ist das ein „ökonomischer Schuss ins eigene Knie“. Gerade syrische Zuwanderer weisen überdurchschnittliche Erwerbsquoten auf, viele arbeiten in systemrelevanten Berufen.
Warum der DIW-Chef sogar vor einer Rezession warnt, erfahren wir gleich …
Arbeitsmarkt am Limit

Fratzscher berechnet, dass eine groß angelegte Rückführung „mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze gefährdet“ – nicht nur die der Betroffenen. Fehlen Pflegekräfte, Handwerker oder IT-Spezialisten, leidet die gesamte Wertschöpfungskette, Investitionen werden vertagt, Unternehmen wandern ab.
Schon heute hängt das Beschäftigungswachstum fast vollständig an Menschen mit Migrationshintergrund. Streicht man diesen Puffer, droht ein Dominoeffekt: geringere Steuereinnahmen, steigende Sozialkosten, schwächeres Konsumklima.
Welche Branchen wären am stärksten betroffen? Schauen wir genauer hin …
Pflege, Gastronomie, IT – Die möglichen Verlierer

Besonders dramatisch wäre der Aderlass in der Pflege: Laut Branchenverband könnte jede siebte Schicht unbesetzt bleiben. Auch Gastronomie und Tourismus warnen vor Saisonengpässen, während Start-ups schon heute Schwierigkeiten haben, Entwicklerstellen zu besetzen.
Wirtschaftsverbände sprechen vom „Worst-Case-Szenario“ und fordern stattdessen schnellere Anerkennung von Abschlüssen und gezielte Qualifizierung.
Bleibt die Frage, wie Politik und Gesellschaft auf Fratzschers Mahnruf reagieren …
Reaktionen und Ausblick

SPD und Grüne stellen sich hinter Fratzscher und verlangen eine Pause für alle großflächigen Abschiebungspläne, bis eine umfassende Folgenabschätzung vorliegt. In der CDU tobt der Richtungsstreit: Einige Landesverbände mahnen zur Vorsicht, andere wollen den Kurs der CSU unterstützen.
Die Bundesregierung muss nun abwägen, ob sie kurzfristigen Stimmungen nachgibt oder langfristige Standortinteressen schützt. Eines ist sicher: Die Auseinandersetzung um Fachkräfte, Migration und wirtschaftliche Zukunft hat gerade erst begonnen – und sie wird Deutschland noch lange begleiten.
Damit endet unser Überblick – doch die Debatte geht weiter.