Nur Stunden vor dem Champions-League-Gigantenduell des FC Bayern gegen Real Madrid jagt ein riesiges Aufgebot von Einsatzfahrzeugen durch die Innenstadt. Was suchen 500 Beamtinnen und Beamte plötzlich im Bahnhofsviertel – und was bedeutet das für das Spiel des Jahres?
Ein unübersehbares Aufgebot

Die ersten Sirenen heulen kurz nach 16 Uhr auf, als sich rund 100 Einsatzwagen von Polizei und Zoll auf der Theresienwiese sammeln. Wenig später riegeln 400 Polizisten und 100 Zöllner die komplette Landwehrstraße ab und stürmen dutzende Läden – vom Dönerimbiss bis zur Shishabar. Niemand darf hinein oder hinaus, während Spürhunde und Steuerfahnder jeden Winkel durchkämmen.
Der Zeitpunkt ist brisant: Um 21 Uhr empfängt der FC Bayern Real Madrid in der Allianz Arena. Fans strömen bereits in die Stadt, doch nur wenige Hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt herrscht Ausnahmezustand. Viele Passanten bleiben fassungslos stehen, Smartphones filmen den Konvoi – einige Touristen glauben zunächst an eine Inszenierung für das Spiel.
Was steckt hinter dem Zugriff?

Offiziell geht es um Schwarzarbeit, gefälschte Stundenaufzeichnungen und unversteuerte Ware. Zoll-Sprecher Martin Brandlhuber spricht von einer „Premiere in dieser Größenordnung“: Ziel sei es, ein Netzwerk auszuheben, das migrantische Beschäftigte ausbeutet und billige Shishatabake mischt. Die Ermittler hoffen außerdem auf Funde von Drogen und geschmuggeltem Tabak.
Doch intern kursieren zusätzliche Hinweise: Laut Sicherheitskreisen sollen einzelne Betriebe auch als Umschlagplatz für illegalen Ticket-Handel rund um das heutige Viertelfinal-Rückspiel gedient haben. Schon in den Tagen zuvor tauchten in Chat-Gruppen massenhaft überteuerte Karten auf – ein Verdacht, den der Verein selbst mit eindringlichen Warnungen befeuerte.
Was bedeutet das für den Fußballabend?

Im Umfeld des Stadions will die Polizei heute Abend mit doppelt so vielen Kräften wie üblich Präsenz zeigen. Wer kurzfristig Tickets kauft, muss mit scharfen Zugangskontrollen rechnen; stichprobenartig sollen QR-Codes mit einer neuen Datenbank abgeglichen werden. Die Münchner Verkehrsbetriebe stellen sich bereits auf Verzögerungen beim U-Bahn-Zulauf zur Arena ein.
Und die Razzia? Sie soll laut Zoll „spätestens 20 Uhr“ beendet sein – also pünktlich, bevor in der Allianz Arena der Ball rollt. Ob die Beamten dabei tatsächlich einen der gesuchten Hintermänner des Schwarzmarkts festnehmen, wollte die Einsatzleitung bislang nicht verraten. Fest steht: Erst wenn der Anpfiff ertönt, wird klar sein, ob München heute nur ein Fußball-Krimi oder auch einen echten Polizeithriller erlebt.