„Mission Aufschwung 2026“ sorgt schon zu Jahresbeginn für politischen Nervenkitzel – und die Koalition zwischen CDU/CSU und SPD steht dabei im grellen Rampenlicht.
Der Turbo-Plan des Kanzlers

Bundeskanzler Friedrich Merz hat das Wirtschaftswachstum zur Chefsache erklärt und fordert, die große Unternehmenssteuerreform zwei Jahre vorzuziehen, um 2026 einen „Steuer-Turbo“ zu zünden. Die Rechnung: sofort 4,5 Mrd. € weniger Steuern für Firmen, 2027 schon 9,3 Mrd. € – ein Signal an Investoren, das Land wieder „auf Schwung“ zu bringen.
Doch diese erste Stufe der Mission kollidiert frontal mit der Staatskasse: Im Bundeshaushalt klafft bereits ab 2027 ein Loch, das ohne Gegenfinanzierung dramatisch wachsen würde. Die Union setzt trotzdem auf Tempo, um Stimmung und Wachstum zugleich anzuheizen – und riskiert damit den nächsten Koalitionskrach. Weiter geht’s mit dem Geld-Streit …
Steuerreform versus Haushaltsrealität

SPD-Finanzminister Lars Klingbeil blockt: „Wer Steuern senkt, muss sagen, wo das Geld herkommt.“ Seine Partei hält pauschale Unternehmensentlastungen für teuer und ineffektiv, solange Infrastruktur und Energiepreise nicht stehen.
Die SPD-Fraktionsspitze verweist auf einen Alternativpfad – mehr Investitionen, schnellere Planungsverfahren, Industriestrompreis – und warnt vor „aufgebohrten Haushaltslöchern“. Doch welche Rolle will die SPD wirklich spielen? Lassen wir die Katze aus dem Sack …
Hier mischt die SPD mit: Bremser oder Baumeister?

Die Sozis sehen sich nicht als Spaßbremse, sondern als Architekten eines „sozial gerechten Aufschwungs“. Klingbeil verweist auf den 500-Mrd.-€-Investitionsbooster, den Sonderfonds Infrastruktur und den ab 2026 fixierten Industriestrompreis – all das soll Planungssicherheit schaffen, statt Steuerausfälle auf Pump.
Gleichzeitig schiebt die SPD eine Erbschaftsteuer-Reform an, die Milliardenerlöse für Bildung bringen und riesige Unternehmensvermögen stärker heranziehen soll. Für die Union ist das rote Tuch, für die SPD der Schlüssel, Investitionen sozial abzusichern. Wie setzen die Genossen diese Hebel konkret um? Blicken wir in die Werkstatt …
Industrie-Booster und Industriestrompreis: Die roten Hebel

„Arbeitsplätze sichern, Strompreise senken, Bürokratie kappen“ – so fasst die SPD ihr Toolkit zusammen. Ein Stahlgipfel, ein Auto-Dialog und schnellere Genehmigungen sollen Schlüsselindustrien fit halten; der vergünstigte Industriestrompreis ab 2026 stellt laut Partei „das Herzstück“ dar, um Produktion im Land zu halten.
Der Bundeshaushalt 2026 legt dafür 120 Mrd. € Modernisierungsmittel bereit, vom Schienennetz bis zum Deutschlandfonds für Start-ups. In Summe will die SPD einen breit aufgestellten Aufschwung, der nicht nur Aktionäre, sondern auch Kommunen und Fachkräfte erreicht.
Klappt das? Ein Blick auf die Konjunktur-Orakel verrät mehr …
Ökonomen auf der Tribüne: Vorsichtiger Optimismus

Das DIW erwartet 2026 ein Plus von 1,3 %, getragen vor allem von staatlichen Impulsen – warnt aber, die strukturellen Probleme würden nur überdeckt; echte Nachhaltigkeit hänge von Reformfortschritten ab.
Die Bundesbank ist etwas kühler und kalkuliert nur 0,6 % Wachstum, sieht aber ab dem zweiten Quartal „merkliche Beschleunigung“ durch Staatsinvestitionen und Exportbelebung. Beide Institute betonen: Ohne privaten Investitionsschub bleibt der Aufschwung fragil. Spitzt sich damit alles auf einen großen Showdown zu? …
Showdown 2026: Kompromiss oder Koalitionsknall?

Merz braucht den Steuer-Hebel, Klingbeil den Haushalts-Kurs – das Fenster für einen gemeinsamen Kompromiss ist eng. Hinter den Kulissen wird an einer „doppelten Klammer“ gearbeitet: moderatere Steuersenkung gekoppelt an eine SPD-getriebene Erbschaftsteuer-Novelle und beschleunigte Investitionsgesetze. Gelingt der Deal, könnte Mission Aufschwung wirklich abheben; platzt er, droht der nächste Koalitionsknall – und 2026 würde zum Jahr der vertagten Träume.