Einmal durch zwei Weltkriege, über Ozeane – und noch immer voller Lebenslust: Die 116-jährige Britin Ethel Caterham fasziniert Forscher, Royals und Fans gleichermaßen.
Ein Geburtstag, der Geschichte schreibt

Am 21. August 2025 feierte Ethel Caterham in Surrey ihren 116. Geburtstag und durchbrach damit eine Marke, die bisher noch keine Britin erreicht hatte. Als letzte lebende Edwardianerin erinnert sie sich an Zeiten, in denen Pferdekutschen das Straßenbild prägten und Radio noch Zukunftsmusik war.
Dabei trägt sie seit April ganz offiziell den Titel „ältester Mensch der Welt“ – verliehen, nachdem die brasilianische Ordensschwester Inah Canabarro Lucas im Alter von ebenfalls 116 Jahren verstarb. Der Rekord beschert Caterham weltweites Medieninteresse.
Lassen Sie uns nun einen Blick auf den wohl charmantesten Gratulanten werfen …
Royaler Besuch im Pflegeheim

Mit einem Strauß Gardenien und spürbarer Ehrfurcht betrat König Charles III. Ende September jene Wohnstube in Lightwater, die Caterham seit fünf Jahren ihr Zuhause nennt. Gleich zu Beginn kicherte die Jubilarin: „Alle Mädchen waren in Sie verliebt, Majestät!“ – eine Erinnerung an seine Investitur als Prinz von Wales im Jahr 1969.
Der Monarch revanchierte sich mit Anekdoten aus dem höfischen Alltag, bevor er der Seniorin eine neue Porzellan-Teetasse überreichte. Für Caterham sei das, so vertraute sie Pflegerinnen an, „das schönste Geschenk – Tee und Klatsch mit einem alten Bekannten“.
Doch wie begann eigentlich dieses ungewöhnliche Leben, das sie schließlich bis in königliche Kreise führen sollte? Weiter geht es mit …
Vom Empire nach Hongkong: Ein Leben auf Reisen

Geboren 1909 in Shipton Bellinger, heuerte Ethel mit 18 Jahren als Nanny in Indien an. Drei Wochen Seereise, tropisches Klima, neues Glück – all das meisterte sie allein. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, Major Norman Caterham, kennen, folgte ihm nach Gibraltar und Hongkong und eröffnete sogar eine eigene Vorschule.
Mit zwei Töchtern kehrte das Paar nach Surrey zurück. Die Familie fuhr noch 1920er-Motorräder, als in London schon die ersten Ampeln leuchteten. Caterham nennt diese Zeit heute „meine Universität des Lebens“, denn sie lernte Kulturen, Sprachen und vor allem Gelassenheit kennen.
Doch die größten Prüfungen standen erst noch bevor …
Triumph über Krankheit und Verlust

1976 verlor sie ihren Mann, kurz darauf auch beide Töchter. Trotzdem fuhr Caterham bis 97 weiter Auto und spielte Bridge, als andere längst den Rollator schoben. Als sie 2020 mit 110 Jahren an Covid-19 erkrankte, überraschte sie Ärzte durch eine rasche Genesung.
Im Pflegeheim ist sie inzwischen örtliche Legende: Täglich löst sie das Zeitungsrätsel, beteiligt sich an Blumenarrangements und lässt kein Bingo aus. „Ich trauere, aber ich halte niemals an Traurigkeit fest“, sagt sie.
Bleibt nur die Frage, wie sie das körperlich und seelisch schafft – die Antwort folgt jetzt …
Was hält sie so jung? Das enthüllt Ethel selbst

Erst auf hartnäckiges Nachfragen der BBC rückte Caterham mit ihrem Rezept heraus: „Nie mit jemandem streiten. Immer zuhören – und dann tun, was das Herz begehrt.“ Außerdem schwört sie auf „ein bisschen von allem, aber nie zu viel“ sowie darauf, jeder neuen Chance ein klares „Ja“ zu geben.
Diese Mischung aus Neugier, Maß und innerem Frieden, sagt sie, sei wichtiger als jede Diät. „Chips und Schokolade gibt’s hier auch“, lacht sie, „nur eben nicht jeden Tag.“
Doch warum ist dieser scheinbar schlichte Rat gerade für unsere hektische Gegenwart so bedeutsam? Dazu gleich mehr …
Warum ihr Rat heute wichtiger ist als je zuvor

In einer Zeit, in der Stress zum Dauerzustand wird, liefert Caterham ein Gegenmodell: Konflikte minimieren, Chancen nutzen, Genuss dosieren. Langlebigkeitsforscher stellen fest, dass genau diese Faktoren – soziale Harmonie, Optimismus und Moderation – in fast allen sogenannten „Blue Zones“ der Welt vorkommen.
Caterham verkörpert diesen Dreiklang und zeigt, dass selbst hohe Krisenresistenz nicht zwingend aus Trainingsplänen, sondern aus Haltung erwächst. Ihr Jahrhundert-Leben erinnert uns daran, dass das wahre Geheimnis nicht im Labor liegt, sondern im Miteinander – und im Mut, das eigene Glück selbst zu gestalten.
Bleibt nur, der Grand Dame zu wünschen, dass sie auch ihren 117. Geburtstag wieder mit Tee, Lachen und vielleicht einem erneuten königlichen Besuch feiert.