Ein Sturm zieht durch die AfD: Im Zentrum steht ein Jungpolitiker – und eine Parole aus dunkelster Vergangenheit.
Paukenschlag in der AfD

In der AfD sorgt der Fall Kevin Dorow plötzlich für eine überraschende Wende. Der 27-jährige Nachwuchspolitiker legt alle Parteiämter nieder – und im Gegenzug zieht die Parteispitze das gegen ihn laufende Parteiausschlussverfahren zurück. Damit endet ein Streit, der die Partei und ihre Jugendorganisation seit Wochen beschäftigt.
Dorow war bislang gleich in mehreren Funktionen aktiv. Er saß im Vorstand der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ und war zudem Beisitzer im Vorstand der AfD Schleswig-Holstein. Nach Medienberichten musste er beide Posten bis Dienstagmittag aufgeben. Zusätzlich soll für ihn nun eine zweijährige Ämtersperre gelten.
Damit ist zwar der drohende Rauswurf vom Tisch – doch der Preis für den Kompromiss ist hoch. Und genau dieser Deal wirft nun neue Fragen auf.
Dorow zieht selbst den Schlussstrich
Am Dienstagvormittag reagierte Kevin Dorow dann offiziell. In einer Mail an den AfD-Bundesvorstand erklärte er seinen Rücktritt „von sämtlichen Parteiämtern in AfD und GD“. Gegenüber „Bild“ begrüßte er zugleich, dass das Parteiausschlussverfahren zurückgenommen wird.
Seine Begründung klingt nach Deeskalation: „Um diesen Kompromiss zu ermöglichen, die aktuelle Personaldiskussion zu befrieden und den Fokus wieder auf die politische Sacharbeit zu richten, bin ich von allen Ämtern in Partei und Jugendorganisation zurückgetreten.“ Damit stellt Dorow seinen Abgang als politischen Befriedungsschritt dar.
Für die AfD bedeutet das vorerst Ruhe in einem Konflikt, der intern längst zu einem Machtkampf geworden war. Denn der Streit um Dorow war nie nur ein Personalproblem – sondern auch ein Symbol für die Spannungen zwischen Parteiführung und Nachwuchs.
Auch die Jugendorganisation meldet sich zu Wort

Besonders genau wurde deshalb auf die Reaktion der „Generation Deutschland“ geschaut. Deren Vorsitzender Jean-Pascal Hohm stellte sich nicht offen gegen den Kompromiss, ließ aber durchblicken, dass er die ursprünglichen Maßnahmen gegen Dorow für überzogen hält.
Er erklärte: „Ich hätte mir eine vollständige Rücknahme der Parteiordnungsmaßnahme gewünscht, da ich sie nach wie vor für sachlich überzogen halte.“ Zugleich sprach er davon, dass der gefundene Kompromiss zeige, dass AfD und Jugendorganisation aufeinander zugehen und gemeinsame Lösungen finden könnten.
Damit wird deutlich: Ganz beendet ist die Debatte intern offenbar nicht. Der Streit wurde befriedet – aber nicht wirklich aufgelöst. Denn der eigentliche Auslöser des Falls bleibt weiterhin hochbrisant.
Eine Rede brachte alles ins Rollen
Dorow war Ende 2025 in den Vorstand der neu gegründeten „Generation Deutschland“ gewählt worden. In seiner Bewerbungsrede griff er damals eine Formel auf, die auch von der Hitlerjugend verwendet wurde: „Jugend muss durch Jugend geführt werden.“ Genau diese Passage wurde später zum Kern des gesamten Konflikts.
Die AfD-Spitze leitete daraufhin Ende Februar ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn ein. Hintergrund waren nach übereinstimmenden Berichten mögliche Bezüge zur NS-Zeit; zudem prüfte die Staatsanwaltschaft die Aussage im Zusammenhang mit dem Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Dorow selbst verteidigte sich damit, der Satz stamme ursprünglich aus der Wandervogelbewegung und sei historisch nicht allein nationalsozialistisch geprägt.
Doch je länger der Fall lief, desto deutlicher wurde: Innerhalb der Partei waren sich längst nicht alle einig, wie hart man gegen ihn vorgehen sollte.
Widerstand gegen den Rauswurf
Schon kurz nach Einleitung des Verfahrens zeigte sich, dass der Bundesvorstand in der Causa Dorow nicht geschlossen auftrat. Laut Berichten enthielt sich Vize-Schatzmeister Alexander Jungbluth bei der Abstimmung. Auch AfD-Vize Kay Gottschalk, der dem Verfahren zunächst zugestimmt hatte, ruderte später öffentlich zurück und erklärte, ihm tue sein Votum leid.
Anfang März stoppte die Parteispitze das Ausschlussverfahren zunächst vorläufig, um den Chef der Jugendorganisation anzuhören. Schon damals wurde deutlich, dass der Druck aus der Parteijugend groß war und die Führung nicht einfach durchregieren konnte.
Jetzt ist das Verfahren komplett zurückgezogen. Aus dem geplanten harten Schnitt wurde am Ende ein politischer Handel. Und genau das macht den Fall für viele Beobachter so bemerkenswert.
Der Kompromiss bringt Ruhe – aber keine Klarheit

Nach außen kann die AfD den Fall nun als Befriedung verkaufen: Dorow bleibt in der Partei, verliert aber seine Ämter und darf zwei Jahre lang keine neuen übernehmen. Formal ist der Konflikt damit entschärft. Inhaltlich bleiben jedoch viele Fragen offen.
Denn der Fall zeigt, wie empfindlich das Verhältnis zwischen Parteispitze und Jugendorganisation offenbar ist. Einerseits wollte die Führung Härte demonstrieren, andererseits wich sie am Ende von diesem Kurs wieder ab. Das wirkt weniger wie ein klarer Machtbeweis als wie ein mühsam ausgehandelter Burgfrieden.
Für Kevin Dorow ist der Rauswurf damit zwar verhindert. Doch politisch ist er erst einmal kaltgestellt. Und für die AfD bleibt die Frage bestehen, was dieser Fall langfristig über ihren Umgang mit dem eigenen Nachwuchs verrät.