Berlin kämpft immer noch mit den Folgen des massiven Stromausfalls – doch das Ringen um die Wahrheit hinter der Sabotage wird von Stunde zu Stunde dramatischer.
Dunkle Nächte in Lichterfelde

Seit dem Brandanschlag auf die Kabelbrücke über den Teltowkanal liegt ein Teil des Berliner Südwestens im Dunkeln. Bis zu 45 000 Haushalte waren zwischenzeitlich ohne Strom, Kitas und Schulen blieben geschlossen, mobile Heizstationen mussten eingerichtet werden.
Die Stadtverwaltung stellte Krisenpläne auf, während Feuerwehr und Bundeswehr Notunterkünfte beliefern. Eine gespenstische Stille legte sich nachts über Lichterfelde – einzig das Surren provisorischer Generatoren war zu hören.
Und während die Lichter langsam zurückkehren, rückt eine dubiose Gruppe ins Rampenlicht …
Die „Vulkangruppe“ bekennt sich

Bereits am 4. Januar tauchte ein Schreiben auf, in dem sich eine linksradikale „Vulkangruppe“ zu dem Anschlag bekannte. Darin prangerte sie den „imperialen Energierausch“ an und versprach, „die Reichen zu treffen“. Ermittler stuften das Pamphlet als mutmaßlich echt ein.
Innensenatorin Iris Spranger sprach von „einem beispiellosen Angriff auf das Wohl der Bevölkerung“ und stellte zusätzliche Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur in Aussicht. Die Suche nach den Tätern wurde zur Chefsache erklärt.
Doch dann kursierten Gerüchte über ganz andere Hintermänner – und die Debatte nahm eine brisante Wendung …
Jetzt die Wende: Russen‐Gerücht entkräftet

Am Morgen des 7. Januar gelangte ein zweites Schreiben an Medienhäuser, in dem die gleichen Saboteure Spekulationen über eine „russische Beteiligung“ scharf zurückweisen. „Wir handeln aus antikapitalistischer Überzeugung, nicht im Auftrag irgendeines Staates“, heißt es wörtlich.
Der Verfassungsschutz bewertet das neue Dokument als „stilistisch konsistent“ mit dem ersten Bekenntnis. Damit scheint das zuvor lautstark diskutierte Szenario eines hybriden Angriffs aus Moskau vorerst vom Tisch zu sein – und die Fahndung konzentriert sich wieder auf die linksextreme Szene der Hauptstadt.
Doch wie reagieren Politik und Sicherheitsbehörden auf dieses überraschende Dementi?
Politischer Druck und Ermittlerpoker

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner machte im Abgeordnetenhaus klar, dass er „jede Spur verfolgen“ lasse. Währenddessen betonen Staatsschützer, dass das Motivprofil der Täter nun präziser sei: Sie zielen auf fossile Kraftwerke, nicht auf militärische Kommunikation.
Gleichzeitig wächst der Druck aus der Bundespolitik. Innenministerin Nancy Faeser prüft bundesweite Schutzkonzepte für oberirdische Leitungen, da ähnliche Angriffe in anderen Metropolen befürchtet werden. Ein eigens eingerichteter „Infrastruktur-Rat“ tagt täglich im Kanzleramt.
Aber was bedeutet der Anschlag für die Menschen, die immer noch frieren und warten?
Alltag zwischen Kerzenlicht und Kabeltrommel

Noch immer haben rund 28 000 Berlinerinnen und Berliner nur Notstrom. Tankstellen rationieren Diesel für Generatoren, Bäckereien backen nachts in Nachbarbezirken. In sozialen Netzwerken organisiert sich Nachbarschaftshilfe: Thermoskannen mit Tee wechseln die Hand in endlosen Schlangen.
Psychologen warnen bereits vor „Blackout‐Stress“. Besonders Senioren und Alleinerziehende berichten von Angst, wenn abends die Straßen dunkel bleiben. Die Polizei zeigt verstärkt Präsenz, um Einbrüchen vorzubeugen.
Doch wann kehrt endlich Normalität zurück – und was lernen wir daraus?
Lehren für ein verletzliches Netz

Stromnetz Berlin stellt eine provisorische Ersatzleitung in Aussicht, die bis Donnerstagabend alle Haushalte wieder ans Netz bringen soll. Parallel werden Betonblöcke und Kameras an sensiblen Trassen installiert – ein Vorgeschmack auf teure Sicherheitsupgrades im ganzen Land.
Energieexperten mahnen: Deutschlands Energiewende verringert zwar CO₂-Emissionen, macht das Netz aber durch dezentrale Einspeisung komplexer und anfälliger. Die Sabotage von Lichterfelde könnte deshalb als Weckruf dienen, Resilienz genauso ernst zu nehmen wie Klimaschutz.
Und während die letzten Sicherungen eingeschraubt werden, bleibt eine Frage offen: Wer stoppt die „Vulkangruppe“, bevor sie das nächste Mal zuschlägt?