Seit Wochen hält ein einzelner Buckelwal die Ostseeküste in Atem – jetzt hat „Timmy“ endlich Fahrt aufgenommen. Doch ob die spektakuläre Rettungsmission tatsächlich gelingt, bleibt bis zuletzt ein Nervenkrimi.
Der ungebetene Besucher

Erst war es nur ein unscharfer Schatten vor Wismar, dann ein gewaltiger Rücken, der immer wieder im Flachwasser aufblitzte. Aus dem mysteriösen Fremden wurde rasch ein Publikumsliebling: „Timmy“, wie ihn die Einheimischen tauften, zog Schaulustige an die Strände und Millionen vor die Livestreams.
Was anfangs wie ein seltenes Naturschauspiel wirkte, wurde bald zur ernsten Bedrohung. Das Jungtier strandete mehrfach, verlor sichtbar an Kraft – und jede vergebliche Rettungsrunde machte die Lage dramatischer.
Die riskante Verladung

Erst nach zahllosen Debatten, Gutachten und Protesten wagten sich Spezialteams an die womöglich einmalige Operation: Ein 600-Tonnen-Binnenschiff wurde umgebaut, ein künstlicher Kanal ausgehoben, tonnenschwere Hebegurte unter dem Wal positioniert.
Stundenlang stemmten Taucher, Feuerwehrleute und Biologen gegen Wind und Wellenschlag, bis Timmy in der gefluteten Laderampe lag – geschwächt, aber lebendig. Dass das provisorische Schwimmbecken ständig mit frischem Salzwasser durchspült wird, ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Jede Stunde an Bord entscheidet über Organschäden und Orientierungslosigkeit des Meeressäugers.
Entscheidung im Skagerrak – Rettung oder letzte Reise?
Heute Morgen verließ der Lastkahn endlich den Fehmarnsund, begleitet von Patrouillenbooten und TV-Helikoptern. Kurz vor dem Skagerrak meldeten die Tierärzte erste Lebenszeichen, die Hoffnung machen: regelmäßige Atemstöße, ein kräftiger Flossenschlag. Doch noch warten die engsten Nadelöhre – starke Strömungen, Frachtrouten, mehr als 250 Seemeilen bis zum offenen Atlantik.
Die Crew hat sich deshalb zu einem dramatischen Plan B verpflichtet: Scheitert die Passage, soll ein sofortiger Palliativplatz vor der dänischen Küste vorbereitet sein. Erst wenn Timmy die Nordsee bei Hoek van Holland sicher erreicht, gilt die Mission als Erfolg – das könnte nach jetzigem Kurs frühestens Sonntagnacht der Fall sein. Bis dahin bleibt ein kollektives Anhalten des Atems: Rettungsglück oder letztes Kapitel?