Ein prall gefüllter Sitzungstag im Bundestag verspricht heute mehr als nur Zahlen: Die große Generaldebatte zum Etat 2026 wird zum Stimmungstest für die schwarz-rote Koalition – und für Friedrich Merz persönlich.
Politischer Showdown im Bundestag

Am Mittwoch herrscht im Bundestag Hochspannung: Die Generaldebatte zum Haushalt des Kanzleramts steht an – traditionell der Moment, in dem alle Fraktionen die große Bühne nutzen, um über die Regierungspolitik abzurechnen. Für Kanzler Friedrich Merz bedeutet das: Er muss die Linie der Koalition verteidigen.
Die Abgeordneten strömen in den Plenarsaal, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner kündigt die mit Spannung erwartete Sitzung an – und kurz darauf beginnt der politische Schlagabtausch.
Auftakt durch Alice Weidel

Wie üblich eröffnet die Opposition die Debatte. Alice Weidel, Partei- und Fraktionschefin der AfD, beginnt mit scharfen Angriffen.
„Diese Koalition im Endstadium erinnert immer mehr an die Titanic“, sagt sie in ruhigem Ton und bezeichnet die deutsche Politik anschließend als „Narrentheater“. Dann listet sie vermeintliche „Eisberge“ auf: eine Sozialstaatskrise, die angeblich Milliarden verschlinge, eine Migrationskrise, durch die Menschen „in die Sozialsysteme eingewandert sind“, sowie eine drohende Pleitewelle durch Energiepreise.
Als sie den Bundeshaushalt kritisiert, erklärt sie: „Ihr Haushalt ist nicht verfassungskonform.“
Zwischenrufe und Provokationen

Weidel behauptet weiter: „Gott sei Dank haben wir durch Donald Trump die Chance auf reellen Frieden …“. Zwischenrufe ignoriert sie, ebenso eine Nachfrage der SPD. Als ihr Angst vorgeworfen wird, kontert sie mit einem breiten Grinsen: „Ich habe keine Angst, sie haben Angst.“
Sie nutzt ihre Rede, um einen „12-Punkte-Plan“ der AfD anzupreisen – darunter alte Forderungen wie die Rückkehr zur Kernkraft, strengere Ausweisungen, Einbürgerungsstopp, russisches Öl und Gas, sowie das Ende der Rundfunkgebühren.
Applaus erhält sie – wie üblich – ausschließlich aus der eigenen Fraktion.
SPD greift ein und stellt brisante Frage

Bevor Merz sprechen kann, meldet sich SPD-Politiker Dirk Wiese zu Wort. Er kritisiert Weidels verweigerte Zwischenfrage: „Schade, dass sie die Zwischenfrage nicht zugelassen haben, da hatte ihr Kollege Herr Chrupalla vergangene Woche mehr Rückgrat.“
Dann wird er deutlicher: Die AfD habe rund 7000 sicherheitsrelevante Anfragen gestellt – „Was machen Sie mit diesen Informationen?“ Der Vorwurf ist klar: fließen Daten möglicherweise an Russland?
Weidel antwortet: „Wir sind die einzige Partei mit offenen Kanälen in die USA, zu Donald Trump und nach Russland. Wir haben immer genau das gefordert, was Donald Trump heute umsetzt.“
Als Klöckner sie unterbricht, stellt Weidel fest: „Schade.“
Merz reagiert – sachlich, aber bestimmt

Nun beginnt die angekündigte Rede von Kanzler Friedrich Merz. Er betont, die Generaldebatte sei der Moment, „Unterschiede zwischen den Fraktionen herauszustellen“. Weidels Plan kommentiert er klar:
„Das ist keine Politik, die für diese Koalition im Ansatz zustimmungsfähig ist.“
Er hebt hervor, welche Entscheidungen seine Regierung bereits getroffen hat, spricht über Energiepolitik, Investitionen und Bürokratieabbau. Merz dankt besonders Digitalminister Karsten Wildberger und Ministerin Dorothee Bär für ihre Arbeit.
Seine Botschaft: Deutschland sei technologisch auf einem guten Weg – trotz Kritik „vom Straßenrand“.
Der Kanzler richtet den Blick nach Europa und die Ukraine

Merz findet deutliche Worte zur internationalen Lage:
„Ja, wir wollen, dass dieser Krieg so schnell wie möglich endet. Aber wir wollen keinen erzwungenen Frieden.“
Er betont die Einheit Europas, die Solidarität mit der Ukraine und die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft. Dann sagt er einen Satz, der bereits vielfach zitiert wurde:
„Der Krieg könnte morgen enden, wenn Russland seine Truppen zurückzieht und den völkerrechtswidrigen Angriff beendet.“
Deutschland werde die Ukraine um weitere drei Milliarden Euro unterstützen. „Dazu habe ich in der ersten Rede heute kein Wort gehört.“, merkt er in Richtung Weidel an.
Seine Rede: staatsmännisch, ruhig, durchdacht – kein Wutausbruch, sondern klare Abgrenzung.