„Precht meint, dass es zu einfach gewesen sei, die Verantwortung für die NS-Zeit ausschließlich auf Hitler zu schieben.

- Advertisement -

Richard David Precht legt sich erneut mit der gängigen Geschichtserzählung an – und das sorgt für Gesprächsstoff weit über seinen Podcast hinaus.

- Advertisement -

„Alles auf Hitler abzuwälzen, war feige“

Image: AI
Image: AI

In der aktuellen Jubiläumsfolge von „Lanz & Precht“ zum 80. Jahrestag der Nürnberger Prozesse rüttelt der Philosoph an einem lange gepflegten Narrativ. Er wirft der deutschen Nachkriegsgesellschaft vor, mit dem Hinweis auf einen einzigen „Führer“ die eigene Verantwortung kleingeredet zu haben – eine bequeme Ausrede, wie er sagt. Precht nennt das Vorgehen „feige“ und erinnert daran, dass etliche NS-Eliten im Gerichtssaal jede moralische Mitverantwortung abstritten.

- Advertisement -

Gleichzeitig lobt er den Mut der Alliierten, liberaldemokratische Prinzipien auf ein Unrechtsregime anzuwenden. Für Precht war dies der Moment, in dem die Idee universaler Menschenrechte greifbar wurde.

Weiter geht es mit einer überraschenden Einlassung seines Co-Hosts Markus Lanz.

Lanz legt nach – und wird persönlich

Image: AI
Image: AI

Markus Lanz nennt das Verhalten der Nazi-Führungsriege in Nürnberg „eine Lektion in Arroganz“. Mit sichtbarer Empörung schildert er, wie Göring & Co. versuchten, sich hinter dienstlicher Treue zu verstecken, als hätte allein Hitler gehandelt. Lanz’ Fazit: Moralische Feigheit sei nicht weniger verwerflich als die eigentlichen Befehle.

Precht stimmt zu – und warnt zugleich vor zu viel Selbstgefälligkeit in der Gegenwart. Die Nürnberger Prozesse seien kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein Prüfstein dafür, wie wir heute mit Völkerrecht umgehen.

Doch damit beginnt erst die brisante Debatte um aktuelle Doppelstandards.

Universaljurisdiktion in der Krise

Image: AI
Image: AI

Precht blickt auf die Verwerfungen rund um den Internationalen Gerichtshof. Er erinnert daran, dass „Nürnberg“ nur deshalb wirkte, weil alle Sieger an einem Strang zogen – eine Geschlossenheit, die er heute vermisst. In seinen Augen droht die UNO am eigenen Machtvakuum zu scheitern, wenn Groß- und Regionalmächte Verbrecher wahlweise ignorieren oder selbst schützen.

- Advertisement -

Gerade deshalb, mahnt Precht, dürfe man das Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit nicht preisgeben. Ansonsten zerfalle der moralische Kompass, der nach 1945 mit so viel Mühe kalibriert wurde.

Seine Kritik trifft nicht alle, aber einen CDU-Politiker ganz besonders.

Angriff auf Friedrich Merz

Image: AI
Image: AI

Ohne Umschweife wirft Precht dem Oppositionsführer Doppelmoral vor: Wer Benjamin Netanjahu bei einer möglichen ICC-Festnahme schonen wolle, verliere jedes Recht, Wladimir Putin hinter Gitter zu fordern. Für Precht ist das ein Verrat am Nürnberger Erbe. Lanz kontert, in Deutschland entscheide nicht „Friedrich Merz“, sondern die Justiz – doch der Philosoph bleibt hart: Moralische Glaubwürdigkeit gebe es nur ohne Ausnahmen.

Der Schlagabtausch zeigt: Die Frage historischer Verantwortung ist für Precht stets verknüpft mit aktuellem politischem Handeln.

Und dann zieht er eine Parallele, die viele verstört.

Cancel Culture als neuer Faschismus?

Image: AI
Image: AI

Auf der Frankfurter Buchmesse provozierte Precht bereits mit dem Satz: „Jemanden zu canceln, ist für mich Faschismus.“ Er beklagt eine wachsende Moralisierung, die andere Meinungen ächtet – und sieht darin dieselbe Intoleranz, die einst totalitäre Systeme nährte. Für ihn führt überzogene Empörungskultur direkt zu neuem Schweigen, „ein moderner Pogrom, nur ohne Fackeln“.

Damit spannt er den Bogen zurück zur NS-Zeit: Wer andere mundtot macht, wiederholt den Fehler, Verantwortung abzuwälzen – diesmal auf angeblich „falsche“ Stimmen.

Am Ende stellt der Philosoph eine explosive Frage an die deutsche Erinnerungskultur.

Der letzte Twist – und was bleibt

Image: AI
Image: AI

Precht fordert, die eigene Familien- und Gesellschaftsgeschichte radikal offen zu legen, statt sie hinter der Figur Hitlers zu verstecken. Nur dann könne man künftige Verführungen erkennen und verhindern. Er plädiert für eine „ehrliche Inventur des Gewissens“, die nicht bei Schuldbekenntnissen endet, sondern im aktiven Schutz universeller Rechte.

Die Pointe seines Rundumschlags: Erst wenn wir begreifen, dass Feigheit nicht 1945 endete, können wir mutig genug sein, Geschichte neu zu erzählen – und damit Gegenwart wie Zukunft zu gestalten.

Und genau da beginnt die nächste Diskussion über Verantwortung im 21. Jahrhundert.

- Advertisement -

Latest Posts