Eine halbe Stunde lang war in Saal 2.002 des Landgerichts Rostock nur das Klicken der Kameras zu hören – dann öffnete sich die Tür, und Fabians Großmutter trat ein.
Die überraschende Zeugin

Eigentlich sollte am fünften Verhandlungstag eine Polizeibeamtin aussagen, doch in letzter Minute wurde die 68-Jährige Monika R. geladen. Die Zuschauer stutzten: Die zierliche Frau trug ein schlichtes schwarzes T-Shirt, mit provokanter Aufschrift – als wolle sie jede. Die Reporter nannten es „das unscheinbarste Kleidungsstück im Saal“, weil es völlig im Kontrast zu den erwarteten Solidaritätsbekundungen stand.
Noch bevor sie Platz nahm, warf sie einen schnellen Blick zur Anklagebank, wo die mutmaßliche Täterin Gina H. wie schon an den Vortagen verstohlen in Richtung der Familie schaute. Auf Fabians Mutter, die als Nebenklägerin anwesend war, reagierte Monika R. hingegen gar nicht – ein Moment, der die gespannte Stimmung im Zuschauerraum förmlich greifbar machte.
Verhör voller Schweigen

Staatsanwalt Oliver Schley eröffnete das Verhör mit der Frage, warum sie den Kontaktabbruch zwischen Vater und Sohn nie hinterfragt habe. „Was geht mich das an? Er ist alt genug“, entgegnete die Großmutter knapp. Mehrfach erinnerte der Vorsitzende Richter sie an ihre Wahrheitspflicht; doch Monika R. antwortete wiederholt: „Ich weiß das nicht.“ Ihr stilles T-Shirt passte zu diesem beharrlichen Schweigen, das schließlich alle sechs Fragen zur Familienkommunikation offenließ. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift: „Don’t worry beer happy.“
Selbst als der Staatsanwalt das Motiv der Angeklagten – den angeblichen Wunsch, die Beziehung zu Fabians Vater zu retten – direkt ansprach, blieb die Zeugin stoisch. Die Presse notierte, dass das blasse Shirt unter der grellen Saalbeleuchtung beinahe durchsichtig wirkte, während ihre Antworten genauso farblos blieben. Gerichtsdiener reichten Wasser, doch Monika R. nippte kaum – sie wirkte, als wolle sie jeden Eindruck vermeiden.
Was ihr Auftritt für den Prozess bedeutet

Juristisch brachte der Vormittag keine neuen Fakten, doch strategisch war der Auftritt ein Paukenschlag: Die Staatsanwaltschaft hatte gehofft, über die Großmutter die widersprüchlichen Aussagen des Vaters aufzubrechen. Stattdessen steht nun erst recht die Frage im Raum, ob Familienbande die Suche nach der Wahrheit blockieren. Dass Monika R. im Publikum täglich dicht neben ihrem Sohn sitzt, ließ der Richter nicht unerwähnt – und ordnete eine erneute Ladung unter Wahrheitspflicht an.
Am Ende blieb das Bild einer Großmutter, die in einem beinahe provozierend neutralen T-Shirt das Gericht verließ – ohne eine Träne, ohne einen Blick zurück. Ob ihr Schweigen das Schweigen anderer Zeugen bricht oder zementiert, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Verteidigung will nun beantragen, Fabians Vater noch einmal zu vernehmen. Erst dann, so heißt es, könnte das schlichte Kleidungsstück seiner Mutter doch noch eine gewichtige Symbolik erhalten – als stilles Zeichen dafür, was im Fall Fabian am lautesten ist: das Schweigen.