Eine Reisegruppe wollte nur einen entspannten Wochenendausflug machen – doch dann verwandelte sich die Fahrt in einen Albtraum, der in einer dramatischen Nacht ganze Familien an den Bildschirmen fesselte.
Entsetzen auf der Schnellstraße

Ein Überwachungsvideo, das seit den frühen Morgenstunden in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt einen vollbesetzten Reisebus, der plötzlich quersteht – und dann rückwärts auf die Schnellstraße rollt. Sekundenbruchteile später blitzen Scheinwerfer auf, es kracht metallisch, Scheiben bersten. Augenzeugen beschreiben chaotische Szenen: Reisetaschen fliegen durch die Luft, Menschen stolpern aus dem verbeulten Wrack, während andere eingeklemmt sind.
Erste Meldungen sprachen von »mehreren Verletzten«, doch die Dimension der Tragödie wurde rasch größer. Krankenwagen aus drei umliegenden Bezirken eilten herbei, Rettungskräfte zogen noch in der Nacht Decken, Tragen und Lichtmasten heran, um im gleißenden Blaulicht verzweifelt nach Überlebenden zu suchen.
Rätselhafter Fahrer-Manöver

Warum der Fahrer plötzlich den Rückwärtsgang einlegte, bleibt vorerst ein Mysterium. Laut Verkehrsexperten ist ein solches Manöver auf einer mehrspurigen Autobahn »praktisch Selbstmord«. Gerüchte reichen von einem technischen Defekt bis hin zu einem medizinischen Notfall am Steuer. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, das Unternehmen hat den 52-jährigen Lenker jedoch bislang nicht vernommen können – er liegt schwer verletzt im künstlichen Koma.
Gleichzeitig bringt ein anderes Detail die Ermittler ins Grübeln: Mehrere Insassen berichten, der Bus habe schon Minuten zuvor ungewöhnlich geruckelt und gerochen, als gäbe es Bremsprobleme. Ein Gutachten der Fahrzeugtechnik soll nun klären, ob Versagen der Hydraulik oder elektronische Fehlsteuerung den Fahrer in die fatale Rückwärtsfahrt zwangen.
Schock für Touristen und Einheimische

Die Reisegruppe bestand überwiegend aus Wochenendausflüglern, darunter auch Familien mit Kindern. Viele wollten einen berühmten Thermalort besuchen, einige hatten Tickets für eine folkloristische Abendvorstellung in einem nahe gelegenen Kurort. Stattdessen endete der Tag im Alptraum: Elf Menschen haben ihr Leben verloren, 27 weitere kämpfen in Kliniken um ihre Zukunft.
In Hotels der Region herrscht bedrückende Stille. Touristen tauschen flüsternd Informationen aus, Reiseveranstalter stornierten Programmpunkte, Ausflugsbusse blieben am Folgetag vorsorglich in den Depots. Das Land steht unter Schock, denn ähnliche Unglücke hatten in den vergangenen Jahren bereits zu Forderungen nach strengeren Sicherheitskontrollen geführt – doch konkrete Reformen blieben aus.
Erst hier wird das ganze Ausmaß klar

Jetzt bestätigen Behörden, dass sich die Katastrophe auf der Autobahn O-51 nahe Akhisar in der westtürkischen Provinz Manisa ereignete, rund eine Stunde nördlich von Izmir. Der Bus war auf dem Weg zu den berühmten Thermalquellen von Pamukkale, als er kurz nach 23 Uhr mit einem nachfolgenden Lastwagen kollidierte.
Aufnahmen zeigen, wie der Lkw keine Chance hatte auszuweichen: Er rammte das rückwärtsrollende Fahrzeug frontal und schleuderte es gegen die Leitplanke. Ermittler fanden Bremsspuren erst mehrere Meter hinter der Aufprallstelle – ein Hinweis darauf, dass der Lastwagenfahrer im letzten Moment verzweifelt versuchte anzuhalten. Während Angehörige nun in Krankenhäusern um verletzte Liebste bangen, verspricht das türkische Verkehrsministerium lückenlose Aufklärung und kündigt unangekündigte Buskontrollen auf Fernrouten an. Das tragische Versprechen: Dieser nächtliche Alptraum soll nicht vergeblich gewesen sein.