Die Welt atmet nach COVID-19 nur scheinbar auf – Infektiologinnen und Infektiologen sind überzeugt, dass der nächste globale Ausbruch keine Frage des Ob, sondern des Wann ist. Immer mehr Faktoren spielen Viren in die Karten und lassen die Alarmglocken schrillen.
Eine unruhige Welt: Warum die Angst vor der nächsten Pandemie wächst

Seit Corona sitzt der Schreck tief: Lockdowns, Homeoffice und allgegenwärtige Unsicherheit formten ein kollektives Trauma. Nun warnen Fachleute, dass das Kapitel Pandemie längst nicht abgeschlossen ist – vielmehr steuern wir auf die nächste Krise zu.
Klimawandel, Urbanisierung und hyperglobale Mobilität schaffen ideale Voraussetzungen, damit Erreger aus Tierreservoirs in menschliche Metropolen überspringen. Je wärmer die Erde wird, desto schneller öffnen sich neue biologische Schnellstraßen für Viren.
Doch welches Virus könnte den Dominoeffekt auslösen?
Das leise Ticken der Zeitbombe

Der US-Infektiologe Patrick Jackson hat für 2026 eine brandaktuelle Watchlist erstellt. Seine Botschaft: „Wir können nicht vorhersagen, welches Virus das Zündholz sein wird – aber das Feuerholz liegt bereit.“
Mehrere alte Bekannte tragen heute völlig neue Masken. Manche sind bereits in Nutztierbestände geraten, andere nisten sich durch Insekten in neuen Klimazonen ein. Das Reservoir ist vielfältig – und wird größer.
Auf Platz eins der Gefahrenliste wartet ein alter Bekannter mit neuem Gesicht …
1. Vogelgrippe H5N1 – der gefährlichste Kandidat

Die Vogelgrippe geistert seit den 1990ern durch Schlagzeilen, doch 2024 sprang das H5N1-Virus erstmals massenhaft auf Milchkühe in den USA über. Forschende vermuten bereits zahlreiche unerkannte Übertragungen vom Rind auf den Menschen – ein rotes Warnsignal.
Influenza-A-Viren mutieren rasant; nur wenige Genveränderungen könnten eine effiziente Mensch-zu-Mensch-Übertragung ermöglichen. Gesundheitssysteme weltweit setzen daher auf rund-um-die-Uhr-Sequenzierungen, um jede neue Variante sofort zu melden.
Doch H5N1 ist nicht allein – ein Virus mit Hautausschlag spielt Katz und Maus mit uns …
2. Mpox – der unterschätzte Weiterentwickler

Seit dem globalen Ausbruch 2022 ist Mpox (ehemals Affenpocken) in über 100 Ländern heimisch. Besonders gefürchtet: die virulentere Clade-I-Variante, deren erste Fälle 2026 auch in Berlin registriert wurden.
Obwohl die Zahlen zuletzt sanken, warnen Expertinnen, dass persistierende Restherde und ungeschützte Risikogruppen jederzeit einen neuen Schub auslösen können – ein Szenario, das an die HIV-Epidemie der 1980er erinnert.
Und tief im Dschungel von Südamerika lauert ein winziger Stechmückenpassagier …
3. Oropouche – das tropische Phantom

Kaum größer als ein Sandkorn, doch hochgefährlich: Culicoides-Mücken übertragen das Oropouche-Virus, das Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen hervorruft. Die Fallzahlen explodieren in Brasilien, Kolumbien und inzwischen auch in Mittelamerika.
Durch die Erwärmung breitet sich der Vektor nach Norden aus; US-Ärztinnen meldeten bereits erste importierte Infektionen. Eine städtische Zirkulation in dicht besiedelten Gegenden wäre ein epidemiologischer Albtraum.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen: altbekannte Viren, die scheinbar zurückkehren – mit neuem Schwung …
Comebacks & Unbekannte – von Masern bis X

Sinkende Impfraten lassen Masern wiederaufleben, HIV-Neuinfektionen steigen in mehreren Weltregionen, und das schmerzhafte Chikungunya-Fieber drängt nach Europa. Jedes dieser Comebacks kann kritische Gesundheitssysteme an ihre Grenzen bringen.
Gleichzeitig mahnen Epidemiologinnen vor dem Unbekannten: „Disease X“ steht als Platzhalter für jene Erreger, deren Namen wir noch gar nicht kennen. Nur globale Surveillance-Netzwerke, gesicherte Lieferketten für Schutzausrüstung und eine informierte Öffentlichkeit können verhindern, dass Geschichte sich schneller wiederholt, als uns lieb ist.
Bleibt zu hoffen, dass Vorbereitung und Forschung schneller sind als das nächste Virus – denn die Uhr tickt weiter.