Mysteriöse Einschusslöcher, neonazistische Aufkleber und ein Elite-Sportgymnasium, das kurz vor einem Besuch aus Madagaskar steht – Sachsen erlebt an diesem Montagmorgen ein Krimi, der alle Zutaten für Schlagzeilen hat.
Doch hinter den Glassplittern von Altenberg verbirgt sich weit mehr als ein simpler Fall von Sachbeschädigung.
Ein Montagmorgen im Erzgebirge: Glassplitter und Neonazi-Sticker

Der Schultag am „Glückauf“-Sportgymnasium beginnt mit Sirenen statt Pausenglocken. Im Sicherheitsglas der Eingangstür gähnen kleine Löcher, daneben kleben frisch angebrachte Aufkleber mit Hass-Parolen gegen die Grünen und der schwarzen Sonne, einem Erkennungszeichen der rechtsextremen Szene. Lehrkräfte sichern den Eingangsbereich, während Schüler*innen fassungslos zusehen.
Noch am selben Tag soll hier eine Delegation aus Madagaskar empfangen werden. Die Fensterfront wird in Rekordzeit gereinigt, doch der beschädigte Türflügel bleibt ein Mahnmal. Was ist in der Nacht passiert – und wer wollte den weltoffenen Auftritt der Schule sabotieren?
Weiter geht’s mit einem Fund, der den Verdacht auf eine Schusswaffe lenkt …
Metallkugeln auf dem Pausenhof

Kriminaltechniker entdecken mehrere kleine Metallkugeln zwischen Glasscherben – typische Munition für Luftdruckwaffen. Die Kugeln passen genau in die trichterförmigen Risse des Sicherheitsglases. Von echten Kugeln aus Feuerwaffen fehlt dagegen jede Spur. Ermittler*innen sprechen deshalb von „mutmaßlichen Schüssen“; die ballistische Analyse läuft.
Trotzdem bleibt die Frage brisant: Wer feuert mitten in der Nacht auf eine Schule? Der Fokus richtet sich auf die Neonazi-Sticker – ein Wink zur Szene, die in der Region seit Jahren agitatorisch aktiv ist.
Doch was sagen die kryptischen Symbole auf den Aufklebern wirklich aus?
Rechtsradikale Schmierereien – Symbolik mit doppeltem Boden

Die schwarze Sonne, Totenkopf-Runen und die Parole „Deutschland immer zuerst“ prangen neben dem Einschussfeld. Juristisch ist das ein Tanz auf der Rasierklinge: In der gezeigten Gestaltung sind die Symbole nicht verboten, ihre Botschaft bleibt jedoch eindeutig. Antifa-Gruppen sprechen von einem „klassischen Einschüchterungsversuch“.
Gleichzeitig tauchen Aufkleber auf, die „Re-Migration jetzt!“ fordern – ein Schlagwort der Neuen Rechten. Die Spur führt zu jenen Netzwerken, die immer häufiger Kultur- und Bildungseinrichtungen attackieren.
Jetzt schaltet sich der Staatsschutz ein – mit ersten Ergebnissen, die überraschen …
Kripo und Staatsschutz im Dauereinsatz

Noch in den frühen Morgenstunden versiegeln Ermittler*innen den Tatort. Erste Auswertung: keine verwertbaren DNA-Spuren, keine Fingerabdrücke. Das Verfahren läuft vorerst nur wegen Sachbeschädigung, denn verbotene Kennzeichen wurden formal nicht verwendet. Ein Frustrationspunkt für die Schulleitung, die ein „politisch motiviertes Delikt“ wittert.
Der Staatsschutz analysiert indes Social-Media-Kanäle der lokalen Szene. Bisher gibt es weder ein Bekennerschreiben noch eine einschlägige Chat-Nachricht – ein ungewöhnlicher Befund, denn Rechtsextreme suchen sonst gern den medialen Effekt.
Doch dann taucht ein zweiter Tatort auf, der die Ermittlungen in eine neue Richtung lenkt …
Parallelanschlag am Bahnhof: Zufall oder Choreografie?

Wenige Hundert Meter entfernt meldet die Bundespolizei am gleichen Sonntagmorgen Einschusslöcher an einer Bahnhofsscheibe und an einer abgestellten Lok. Auch hier finden sich Metallkugeln. Zeugen berichten von einem lauten „Knacken“ gegen drei Uhr nachts, können aber keine Person beschreiben.
Zwei Tatorte, identische Munition, ähnliche Aufkleber – das Muster ist frappierend. Ermittelnde sprechen inzwischen von einer „koordinierten Aktion“, die gezielt auf öffentliche Wahrnehmung abzielte.
Wie reagieren Stadt, Schule und Eltern auf diese doppelte Provokation?
Angst, Trotz und Solidarität – so reagiert die Schulfamilie

Schulleiter Dr. Jens Schröter verspricht vor versammelter Presse: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“ Noch bevor die Gäste aus Madagaskar eintreffen, organisieren Eltern ein „Bunt statt Braun“-Spalier in den Schulfarben. Die Polizei erhöht die Präsenz, während lokale Sportvereine spontane Benefiz-Aktionen für ein Antirassismus-Projekt ankündigen.
Unter den Schüler*innen herrscht eine Mischung aus Angst und Wut, aber auch Stolz, zusammenzustehen. Gerade das geplante Umweltprojekt mit Madagaskar, das das Regenwald-Engagement der Schule zeigt, erhält nun doppelte Aufmerksamkeit.
Warum aber rückt ausgerechnet dieses Gymnasium ins Visier – steckt mehr dahinter als bloße Zerstörungswut?
Warum ausgerechnet diese Schule? Ein Symbol für Weltoffenheit

Das „Glückauf“-Gymnasium gilt als Kaderschmiede des Wintersports, aber auch als Vorreiter in globalen Partnerschaften. Seit 2019 pflegt es enge Bande zu einer Schule in Antsirabe, Madagaskar: Regenwald-Aufforstung, Schüleraustausch, klimafreundliche Sportevents. Genau dieses offene Weltbild steht diametral zum Weltbild radikaler Nationalisten – ein wahrscheinliches Motiv für den nächtlichen Angriff.
Die Polizei wird Wochen brauchen, um Täterinnen zu ermitteln, doch eines ist schon jetzt klar: Die Attacke hat das Gegenteil bewirkt. Altenberg rückt zusammen, und die Schülerinnen empfangen ihre Gäste mit noch größerer Herzlichkeit. Wie es weitergeht, liegt nun in den Händen von Justiz und Zivilgesellschaft – doch die Botschaft ist gesetzt: Das Erzgebirge lässt sich nicht einschüchtern.