In Hamburg brannte das Auto des AfD-Politikers Bernd Baumann; Ermittler sprechen von Verdacht auf Brandstiftung. Was nach einer nächtlichen Attacke aussieht, entfaltet nun eine Geschichte über Angst, Politik – und die Suche nach den Tätern.
Tatnacht in Hamburg-Othmarschen

Kurz nach 3 Uhr morgens erschütterten lodernde Flammen den ruhigen Villenstadtteil. Baumanns Audi stand lichterloh in der Einfahrt, zwei weitere Wagen wurden vom Feuer erfasst. Anwohner filmten das Inferno vom Balkon – Sekunden später traf die Feuerwehr ein und verhinderte Schlimmeres.
Die Beamten fanden Brandbeschleuniger – Indiz für einen gezielten Anschlag. Während die Fahrzeuge qualmten, wurde der Staatsschutz alarmiert und übernahm noch in der Nacht das Kommando.
Und doch war dies nur der Auftakt – denn wer steckt hinter dem Feuer?
Ein Politiker zwischen Fronten

Bernd Baumann ist nicht irgendein Abgeordneter: Als erster parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion zählt er zu den lautstärksten Stimmen seiner Partei. Seit Jahren macht er Fälle von Gewalt gegen AfD-Mitglieder öffentlich – nun trifft es ihn selbst vor der Haustür.
Der 67-Jährige gibt sich gefasst, spricht von „linksextremem Terror“ und betont, man werde sich nicht einschüchtern lassen. Freunde erzählen, Baumann habe schon zuvor Drohmails erhalten.
Doch welche Spuren lassen sich wirklich sichern? Weiter geht’s mit der Ermittlerarbeit.
Spurensicherung und Rätsel

Kriminaltechniker fotografieren geschmolzenes Metall, sichern Rußpartikel und Überreste eines Plastikkanisters. Eine angrenzende Überwachungskamera zeigt vermummte Gestalten, die sich im Halbdunkel nähern – Gesichter bleiben unscharf.
Noch am Vormittag durchsucht die Polizei benachbarte Schrebergärten nach Kleidungsresten, ein Spürhund schlägt kurz an. Offiziell heißt es: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Hinter vorgehaltener Hand vermuten Ermittler jedoch ein politisches Motiv.
Die Politik reagiert prompt – ein Schlagabtausch beginnt.
Empörung, Schweigen, Schuldzuweisungen

AfD-Chef Tino Chrupalla spricht von einem „Anschlag auf die Demokratie“, während Linken-Fraktionsvize Martina Renner jede Form von Gewalt verurteilt und Ermittlungen fordert. Grünen-Politiker kritisieren zugleich die „aufheizende Rhetorik“ der AfD.
Die Bundesregierung zeigt sich besorgt: Innenministerin Nancy Faeser kündigt „Null Toleranz gegen politisch motivierte Brandstifter“ an. Dennoch kursieren in sozialen Netzen Verschwörungstheorien, die Tat sei inszeniert.
Doch in welchem Kontext steht dieser Angriff? Ein Blick zurück liefert Antworten.
Eine Serie brennender Autos

Allein 2025 registrierte das BKA 26 Sachbeschädigungen an Fahrzeugen von AfD-Politikern – von Neustadt in Holstein bis Leipzig. Drei Tage vor dem Baumann-Brand wurden im sächsischen Grimma zwei Wagen des Landtagsabgeordneten Holger Hentschel angezündet.
Analysen zeigen ein Muster: meist nächtliche Taten, oft Brandbeschleuniger, selten Zeugen. Nur in fünf Fällen konnten Verdächtige verhaftet werden, alle mit Bezug zur linksautonomen Szene.
Aber was bedeutet das für Baumanns Fall? Jetzt folgt die überraschende Wendung.
Wer profitierte vom Feuer?

Interne Ermittler prüfen inzwischen ein weiteres Szenario: Baumanns brennender Wagen war Teil eines Leasingvertrags, der Ende November auslief – ein möglicher Versicherungsbetrug? Experten halten das für „äußerst unwahrscheinlich“, verweisen jedoch auf offene Fragen zu den Vertragsdetails.
Gleichzeitig taucht im Darknet ein anonymes Bekennerschreiben auf, das von „Antifaschistischen Feuerzellen Hamburg“ stammt. Cyberforensiker stufen das PDF als Fälschung ein: Metadaten verraten, dass es auf einem Gerät erstellt wurde, das bereits in einer anderen Desinformationskampagne auffiel. So verdichten sich Hinweise, dass jemand bewusst Fährten legt, um Ermittlungen zu verwirren. Am Ende bleibt die wichtigste Erkenntnis: Der Brand war mehr als ein Auto – er ist ein Schnittpunkt aus politischem Hass, gezielter Täuschung und einer Stadt, die Antworten verlangt.
Wie sich diese Gemengelage weiter entwickelt, dürfte die kommenden Tage offenbaren – denn die Ermittler wollen schon morgen neue Ergebnisse präsentieren.