Mitten im deutschen Herbst sorgt eine spektakuläre Festnahme für Schockwellen: Ein mutmaßliches Hamas-Mitglied soll ein ganzes Waffenpaket für Anschläge beschafft haben.
Die nächtliche Festnahme auf der Autobahn

Ein Einsatzkommando des Bundeskriminalamts stoppt in den frühen Morgenstunden des 11. November einen Kleinwagen auf der A 17 bei Bad Gottleuba. Hinter dem Steuer sitzt Borhan El-K., 42, im Libanon geboren – längst unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Sekunden später liegt er gefesselt auf dem Asphalt, während Beamte das Fahrzeug durchsuchen und erste Beweise sichern.
Die Ermittler haben den Verdächtigen verfolgt, seit er bei Prag die tschechisch-deutsche Grenze passierte. Sein Ziel: Berlin. Sein Auftrag, so der Verdacht: die letzte Feinjustierung für einen bislang geheimen Anschlagsplan. Doch was genau hatte El-K. im Gepäck? – Lassen Sie uns weitergehen zur Spur der Waffen.
Der Weg der Waffen

Bereits im August soll El-K. ein vollautomatisches Sturmgewehr, acht Glock-Pistolen und mehr als 600 Schuss Munition beschafft haben. Das Arsenal wurde heimlich nach Berlin chauffiert, versteckt in Sporttaschen und Kartons, die als Umzugsbedarf deklariert waren. Jeder Transport erfolgte nachts, vorbei an unzähligen Kameras – und doch unauffällig genug, um Wochenlang unentdeckt zu bleiben.
Die Ermittler rekonstruieren, dass die Waffen von Mittelsmännern in Sachsen gekauft und anschließend entlang kleiner Landstraßen Richtung Hauptstadt gebracht wurden. Doch für wen lagerte das tödliche Paket in Berlin? – Ein Blick in die Unterwelt der Hauptstadt gibt darauf eine Antwort.
Die Berliner Terrorzelle

In einem Neuköllner Hinterhof warteten bereits drei andere Männer: Abed Al G., Wael F. M. und Ahmad I. – allesamt im Oktober verhaftet. Sie gelten als sogenannte „Auslandsoperateure“ der Hamas, zuständig für Logistik und Waffenbeschaffung. Ermittler fanden dort bei der Razzia ein AK-47, Pistolen, Magazine und taktische Westen.
Die Durchsuchungen erstreckten sich bis nach Leipzig und Oberhausen. Handy-Chats deuteten darauf hin, dass ein Netzwerk mit klaren Rollen existierte: Beschaffung, Lagerung, Zielwahl. Doch das Netz reicht noch weiter – über Deutschlands Grenzen hinaus. – Wer mischt im Ausland mit?
Europas Verflechtung

Parallel zu El-K.s Festnahme greifen britische Fahnder in London zu: Mohammed A., 39, soll bei zwei Treffen in Berlin Waffen übernommen und nach Wien gebracht haben. Dort stößt der österreichische Verfassungsschutz auf ein verstecktes Depot mit fünf Pistolen und zehn Magazinen. Die Lieferung war offenbar Teil desselben Plans – nur ein anderer Schauplatz.
Dänische Ermittler durchkämmen Wohnungen rund um Kopenhagen, weil El-K. dort Kontakte zu Unterstützern pflegte. Die Dimension wird klar: Ein länderübergreifendes Netzwerk wollte zeitgleich zuschlagen. Aber welches Ziel vereinte sie alle? – Die Antwort liegt im Herzen der Bedrohung.
Der Plan hinter dem Arsenal

Ermittler zeichnen inzwischen ein erschreckend konkretes Bild: Die beschafften Waffen sollten für koordinierte Mordanschläge auf israelische Botschaften, jüdische Gemeinden und Synagogen in Deutschland und ganz Europa bereitstehen – zeitlich abgestimmt auf ein noch unbekanntes Ereignis im Nahen Osten. Laut Bundesanwaltschaft befand sich die Gruppe in der „heißen Phase“ der Umsetzung.
Mit den verhafteten Männern ist der Kern des Komplotts zwar zerschlagen, doch die Behörden warnen: weitere Helfer könnten noch frei sein. Die Ereignisse zeigen, wie real die Bedrohung durch transnationale Terrorzellen bleibt – und wie entscheidend das Zusammenspiel europäischer Sicherheitsbehörden ist, um diese Gefahr in letzter Sekunde zu stoppen.