Magdeburg hält den Atem an: Am Morgen des 10. November 2025 beginnt der größte Terrorprozess der Stadtgeschichte – und alles Augen richtet sich auf einen gläsernen Käfig.
Der Käfig aus Glas – erster Blick auf den Angeklagten

Noch bevor Richter Dirk Sternberg das Verfahren eröffnen kann, fährt Taleb al-Abdulmohsen in einem kugelsicheren Glaskubus ein. Für Sekunden ist es mucksmäuschenstill, dann rauschen Kameras – der 51-Jährige zeigt keine Regung.
Der Glaskäfig ist das Herzstück des neu errichteten Saals: Vier Zentimeter dickes Panzerglas, Mikrofone im Innern, Lautsprecher nach außen. Verteidiger und Dolmetscher sitzen direkt neben dem Beschuldigten; bewaffnete Justizbeamte sichern jede Ecke.
Weiter geht’s mit einem Blick auf den gigantischen Bau, der dieses Szenario überhaupt möglich macht.
Ein Gerichtssaal so groß wie ein Hangar

Die temporäre Halle am Jerichower Platz misst 4 700 Quadratmeter, der eigentliche Sitzungssaal rund 2 000. Hier finden mehr als 400 Prozessbeteiligte Platz – größer war in Sachsen-Anhalt noch kein Gericht.
Doch das XXL-Setting hat seinen Preis: 1,7 Millionen Euro Baukosten, dazu 390 000 Euro Miete pro Monat und 700 000 Euro für den späteren Abbau. Die Opposition spricht von „Justizpalast auf Pump“.
Im nächsten Abschnitt rückt der Mann im Glaskäfig selbst ins Zentrum.
Der Mann im Mittelpunkt: Taleb al-Abdulmohsen

Der saudische Arzt soll am 20. Dezember 2024 mit einem gemieteten BMW in die dichten Reihen des Weihnachtsmarkts gerast sein. Sechs Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt – die Tat schockierte bundesweit.
Die Anklage wirft ihm sechsfachen Mord, 338-fachen versuchten Mord und 309 Fälle gefährlicher Körperverletzung vor. Bei einer Verurteilung droht lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.
Jetzt richten wir den Blick auf diejenigen, die heute als Nebenkläger Platz nehmen.
Die Stimmen der Opfer – 177 Nebenkläger suchen Gerechtigkeit

177 Betroffene und Hinterbliebene blicken dem Angeklagten direkt ins Gesicht. Hinter ihnen stehen rund 40 Anwälte bereit, jedes Detail der Tatverhandlung zu prüfen.
Viele tragen Fotos der Getöteten bei sich: ein neunjähriger Junge, fünf Frauen zwischen 45 und 75 Jahren. Für die Familien ist der Prozess nicht nur juristische Aufarbeitung, sondern ein Akt des Erinnerns.
Als Nächstes geht es um das Mammut-Programm, das vor Gericht geplant ist.
Der Marathon-Plan: 47 Verhandlungstage bis März 2026

Bis Mitte März sind 47 Sitzungstage angesetzt. 410 Zeugen, fünf Sachverständige, 494 Urkunden und 33 Beweisobjekte stehen auf der Agenda – vom Tatfahrzeug über Handy-Videos bis zu Unfallgutachten.
Schon am dritten Prozesstag sollen erste Zeugen der Mietwagenfirma aussagen, bevor später Sanitäter, Passanten und Trauma-Experten folgen. Der Prozess ähnelt eher einer Staffel als einem Sprint.
Warum die Stadt trotzdem auf ein friedliches Weihnachtsfest 2025 hofft, zeigt die nächste Folie.
Sicherheitsfieber in Magdeburg – was der Prozess für den Weihnachtsmarkt 2025 bedeutet

Magdeburg installiert derzeit massive Betonpoller und hydraulische Sperren für 250 000 Euro, der Markt bleibt am 20. Dezember aus Pietät geschlossen. Die Lehren aus 2024 sind sichtbar an jeder Zufahrt.
Und heute? Als al-Abdulmohsen gegen 09:32 Uhr seinen Blick durch die Glaswände schweifen lässt, trifft er auf ein Dickicht aus Pollern, Beamten und Kameras – ein Symbol dafür, dass sich die Stadt nicht mehr überraschen lassen will.
Damit ist das Rätsel um den „Attentäter im Glaskäfig“ gelöst: Er sitzt, schweigt – und doch steht die ganze Stadt auf der anderen Seite des Glases.