Seit mehr als elf Jahren beschäftigt der rätselhafte Vermisstenfall die Ermittler – und bewegt eine ganze Nation, die das Schicksal der damals erst fünfjährigen Inga Gehricke nicht vergessen kann.
Ein langer Schatten seit elf Jahren

Kaum ein anderer Vermisstenfall in Deutschland hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt wie das Verschwinden des kleinen Mädchens am 2. Mai 2015 auf dem Gelände des Wilhelmshofs bei Stendal. Schon in den ersten Stunden nach dem Alarm suchten Hunderte Einsatzkräfte den umliegenden Wald ab, setzten Spürhunde, Hubschrauber und Wärmebildkameras ein – doch keine Spur von Inga.
Seither ist die Ungewissheit geblieben. Über die Jahre gingen Tausende Hinweise bei der Polizei ein, doch jeder vermeintliche Ansatz lief ins Leere. Für die Familie bedeutete das elfte Jahrestag im Frühjahr 2026 ein weiteres schmerzhaftes Erinnern daran, dass es noch immer keine Antwort auf die Frage gibt: Was geschah mit dem blonden Kind aus Schönebeck?
Spurlos verschwunden: Die akribische Suche

Im Frühjahr 2023 setzte die Polizeiinspektion Halle (Saale) eine eigene Cold-Case-Ermittlungsgruppe ein. Beamtinnen und Beamte sichteten sämtliche Spuren neu, vernahmen Zeugen erneut und korrelierten alte Daten mit aktuellen Fahndungsdatenbanken. Ihr erklärtes Ziel: auch kleinste Unstimmigkeiten aufzudecken, die damals übersehen wurden.
Gleichzeitig baten die Ermittler die Öffentlichkeit um Mithilfe. Zum Tag der vermissten Kinder am 25. Mai 2026 wurde der Fall bundesweit noch einmal aufgegriffen, begleitet von einem Fahndungsplakat, das Inga mittels Altersprogression als Teenager zeigt. Insgesamt winkt inzwischen eine Summe von 50 000 Euro Belohnung für entscheidende Hinweise – ein deutliches Signal, dass die Behörden jeden noch so kleinen Hinweis ernst nehmen.
Neue Dynamik dank Bund und Fernsehen

Für zusätzliche Reichweite sorgte im Juli die Aufnahme des Falls in die BKA-Kampagne „Spurlos verschwunden“. Das Bundeskriminalamt verbreitet die aktualisierten Bilder und Daten über seine Social-Media-Kanäle sowie über internationale Polizeinetzwerke. Ermittler erhoffen sich frische Hinweise von Menschen, die 2015 vielleicht noch zu jung waren oder erst jetzt den Mut finden, sich zu melden.
Parallel liefen die Vorbereitungen für einen erneuten TV-Auftritt: In enger Abstimmung mit der XY-Redaktion wurden Akten, Fotos und mögliche Tatabläufe filmisch rekonstruiert. Die Sendungsmacher setzten dabei auf emotionale Originalaufnahmen, die das Publikum direkt in den Moment des Verschwindens zurückversetzen – ohne dabei den Ermittlungsstand zu verfälschen.
Heute Abend der Wendepunkt?

Am Mittwochabend, 29. Juli 2026, war es so weit: „Aktenzeichen XY… Ungelöst“ widmete dem Cold Case einen ausführlichen Beitrag zur Prime Time im ZDF. Im Studio erläuterten die leitenden Ermittler eindringlich, welche Beobachtungen aus dem Bereich Wilhelmshof ihnen bis heute fehlen – und welche Fragen sie dringend beantworten müssen, um einem möglichen Täter auf die Spur zu kommen.
Schon während der Ausstrahlung klingelten die Leitungen im XY-Callcenter. Die Polizei bestätigte anschließend lediglich, dass „mehrere Meldungen geprüft“ werden – konkrete Zahlen nannten die Beamten nicht. Ob sich unter den neuen Hinweisen tatsächlich der langersehnte Durchbruch verbirgt, wird sich erst nach akribischer Auswertung zeigen. Doch eines steht fest: Die Suche nach Inga Gehricke geht weiter – mit neuer Hoffnung und der ganzen Kraft einer Öffentlichkeit, die das Mädchen nicht vergisst.