Österreich krempelt sein Mautsystem um – und 2026 wird zum Wendepunkt. Zwischen Abschied vom Klebe-Pickerl, Digital-Offensive und Preisanpassungen stellen sich Reisende die Frage: Was kostet die Fahrt über die Alpenstraßen wirklich?
Warum Österreich seine Maut reformiert

Österreich investiert Milliarden in den Ausbau und die Sanierung seines Autobahn- und Schnellstraßennetzes. Der Nationalrat hat deshalb eine weitreichende Modernisierung des Mautsystems beschlossen, die Verwaltungskosten senken und Fälschungen erschweren soll. Gleichzeitig soll die Infrastruktur fit für mehr E-Mobilität und automatisiertes Fahren gemacht werden.
Die Reform orientiert sich an europäischen Vorgaben zur Nutzer- und Umweltgerechtigkeit. Künftig wird stärker zwischen Fahrzeugklassen, Fahrtdauer und tatsächlicher Straßennutzung differenziert. Das bedeutet mehr Flexibilität, aber auch mehr Regeln.
Nun stellt sich die praktische Frage: Welche Neuerungen spüren Urlauber schon 2026?
Vom Pickerl zur Klick-Vignette: Der Abschied der Klebevignette

2026 ist das letzte Jahr, in dem das legendäre Klebe-Pickerl überhaupt noch verkauft wird – stilecht in der neuen Farbe „feuerrot“. Ab 1. Dezember 2026 verschwindet die physische Vignette endgültig aus den Regalen, ab 2027 bleibt nur noch die digitale Variante über Web-Portale, Apps oder Automaten an Raststätten.
Die digitale Lösung registriert das Kennzeichen bei der ASFINAG, Kameras kontrollieren automatisch. Kein Kratzen an der Scheibe mehr, aber Vorsicht: Das Kennzeichen muss exakt stimmen, sonst drohen hohe Strafen.
Was bedeutet das für Ihren Geldbeutel? Die Preise kommen jetzt – aber erst auf der nächsten Folie.
Die neuen Preise 2026: Alle Tarife im Überblick

Für Pkw steigt der Preis der Jahresvignette um 3 Euro auf 106,80 Euro. Die 2-Monats-Version kostet 32 Euro, die 10-Tages-Vignette liegt bei 12,80 Euro. Neu seit 2024 ist die 1-Tages-Vignette; sie verteuert sich geringfügig auf 9,60 Euro.
Alle Varianten sind sowohl als Klebe- als auch als digitale Vignette erhältlich – wobei die 1-Tages-Vignette ausschließlich digital vergeben wird. Käufer können das Startdatum bis zu 30 Tage im Voraus festlegen.
Motorrad-Fans sollten jetzt genauer hinsehen – die Unterschiede sind deutlich.
Spezialtarife für Motorräder und Camper

Biker zahlen 2026 für die Jahresvignette 42,70 Euro, für zwei Monate 12,80 Euro, für zehn Tage 5,10 Euro und für einen Tag 3,80 Euro. Damit bleibt das Motorrad-Pickerl prozentual günstiger als beim Auto, aber auch hier schlagen inflationsbedingte Aufschläge zu Buche.
Wohnmobile bis 3,5 t behandeln die Österreicher wie Pkw. Schwerere Camper wechseln jedoch in die kilometerabhängige GO-Maut, die per On-Board-Unit abgerechnet wird – ein Kostenfaktor, den viele Urlauber unterschätzen.
Wer die Regeln ignoriert, riskiert Ärger: Welche Strafen drohen im Ernstfall?
Hohe Bußgelder bei falscher oder fehlender Vignette

Die ASFINAG kontrolliert lückenlos mit Kameras und mobilen Teams. Wird eine fehlende oder ungültige Vignette entdeckt, werden sofort 120 Euro Ersatzmaut fällig; wer nicht zahlt, erhält eine Anzeige und muss mit Strafen bis zu 300 Euro rechnen. Falsche Kennzeichenangabe bei der Digital-Vignette gilt als Nichtzahlung – ebenso teuer.
Besonders tückisch: Das Abreißen des Klebe-Pickerls vor Ablauf der Gültigkeit zählt als „nicht ordnungsgemäße Anbringung“ und kann 200 Euro kosten. Auch Teilstreckenmaut etwa auf Brenner- und Tauernautobahn ist gesondert zu entrichten.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Manche Grenzabschnitte bleiben weiterhin gratis.
Vignettenfreie Korridore und Spartipps

Für kurze Shopping- oder Ski-Abstecher brauchen deutsche Urlauber auf drei Autobahnkorridoren rund um Kufstein, Salzburg und Bregenz keine Vignette: A12 Inntal-Autobahn bis Kufstein-Süd, A1 West-Autobahn bis Salzburg-Nord und A14 Rheintal/Walgau-Autobahn bis Hohenems.
Wer länger unterwegs ist, spart mit frühzeitig online gekauften Digital-Vignetten und sammelt Streckenmaut-Tickets gleich in einem Warenkorb. Tipp: Die Tagesvignette lohnt sich erst ab rund 90 Kilometern Autobahn – sonst besser auf Landstraßen ausweichen.
Damit sind Sie umfassend informiert – gute Fahrt nach Österreich und sichere Reise!