Seit fast drei Monaten steigt jeden Tag dichter Rauch auf, der schwelt, beißt und einfach nicht verschwinden will. Feuerwehrleute, Spezialbohrer und sogar Hubschrauber geben sich die Klinke in die Hand – doch das Feuer im Herzen Mitteldeutschlands weigert sich beharrlich, zu erlöschen.
Die Nacht, in der der Boden zu glühen begann

Es war ein warmer Frühsommerabend, als Anwohner plötzlich ein leises Knistern hörten. Wenige Stunden später verwandelte sich das scheinbar harmlose Geräusch in orange Zungen, die sich aus dem Erdreich leckten. Erste Löschversuche mit Wasser führten nur dazu, dass dichter Dampf aufstieg – das Feuer verschwand nach unten, statt zu erlöschen.
Schon in der ersten Woche rückten freiwillige Wehren aus drei Landkreisen an. Schlauchleitungen wurden gelegt, eine provisorische Einsatzleitung eingerichtet. Doch je mehr Liter Wasser in das Areal gepumpt wurden, desto schneller schien die Glut in den unterirdischen Gängen weiterzuwandern.
Ein Feind, der unter der Erde lebt

Was die Lage so tückisch macht, sind mehrere Meter alter Braunkohle-Rückstände. Dort unten frisst sich das Feuer durch poröse Schichten, die nur schwer mit Löschwasser erreicht werden. Sobald Sauerstoff eindringt, flammt die Glut wieder auf – ein unsichtbarer Gegner, der ständig seine Position wechselt.
Für die Menschen ringsum bedeutet das: beißender Geruch, feiner Ascheregen und die Angst vor gesundheitlichen Folgen. Messcontainer wurden aufgestellt, Feuerwehrleute tragen Atemschutz, und die Frage, wann endlich Ruhe einkehrt, bleibt ohne Antwort.
Wasserbomben, Streit um Millionen und zähe Verhandlungen

Mitte Juli kreiste erstmals ein Löschhubschrauber über dem Brandherd, warf tausende Liter Wasser und Netzmittel ab. Am Boden installierten Spezialfirmen Sprinkleranlagen und bohrten tiefe Schächte, um das Löschmittel direkt in die Glut einzuspeisen. Die Kosten schnellen seither im Stundentakt nach oben.
Währenddessen beginnt zwischen Gemeinderäten, Landesbehörden und dem Bergbausanierer ein Ringen um Verantwortung und Finanzierung. Wer zahlt die Millionensumme? Wem gehört eigentlich das Gelände? Und wie lässt sich ein solcher Schwelbrand in Zukunft verhindern? Antworten gibt es viele – verbindliche Zusagen noch keine.
Jetzt ist klar, wo genau die Erde brennt

Erst mit Beginn der 13. Woche wird das Schweigen gebrochen: Der Brand tobt im Restloch Rusendorf bei Meuselwitz in Thüringen. Acht Hektar einer stillgelegten Tagebaufläche haben sich in einen lebensgefährlichen Glutofen verwandelt. Zuständig ist die LMBV, die das Areal nun dauerhaft mit einer zwei Meter dicken Erdschicht abdichten will, um dem Feuer den Sauerstoff abzuschneiden.
Parallel entstehen neue Löschbrunnen und Rohrleitungen, die das Gelände weiter kühlen sollen. Tägliche Drohnenflüge mit Wärmebildkameras überwachen jede noch so kleine Hotspot-Zone. Ob diese Maßnahmen reichen, ist offen – doch die Verantwortlichen setzen alles daran, dass die Menschen in und um Meuselwitz bald wieder aufatmen können.