Gut drei Wochen nach dem schockierenden Fund der verbrannten Kinderleiche von Fabian (8) hat die Kripo Rostock am Donnerstag die vermeintlich entscheidende Figur festgenommen – eine Frau, die sich selbst einst als „Ziehmama“ des Jungen sah. Doch wer ist diese Pferde‐Närrin, die zugleich Mutter einer kleinen Tochter ist? Und was brachte die Ermittler schließlich auf ihre Spur?
Die Festnahme, die alles veränderte

Kurz vor Mittag klickten in Rostock die Handschellen: Polizei und Staatsanwaltschaft präsentierten einen Haftbefehl wegen Mordverdachts gegen Gina H. – 29 Jahre alt, frühere Lebensgefährtin von Fabians Vater. Sie wurde dem Ermittlungsrichter vorgeführt und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bis dahin hatte sie öffentlich als trauernde Finderin der Leiche gegolten.
Die Wende kam nach der Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“. Innerhalb weniger Stunden gingen mehr als 40 Hinweise ein, darunter eine entscheidende Observation in Reimershagen. Am Abend stand fest: Die angebliche Helferin ist nun Hauptverdächtige.
Lassen Sie uns deshalb genauer auf die Frau blicken, die plötzlich im Zentrum steht.
Eine Pferde‐Närrin, Mutter – und Ex des Vaters

Gina H. lebt auf einem kleinen Hof im Dorfdreieck Reimershagen / Klein Upahl / Kuhs. Freunde beschreiben sie als leidenschaftliche Reiterin, die ihre Freizeit in Stallgassen oder bei Geländeritten verbringt. Ihr Instagram-Profil – inzwischen gelöscht – zeigte bis vor Kurzem fast nur Pferdebilder und Selfies in Reitstiefeln.
Gleichzeitig ist sie alleinerziehende Mutter einer vierjährigen Tochter. Nach außen gab sie sich bodenständig und naturverbunden, doch im Dorf kursierten Gerüchte über finanzielle Sorgen und Stimmungsschwankungen. Seit der Trennung vom Vater Fabians im August soll sich ihr Verhalten spürbar verändert haben.
Doch nicht nur ihr Charakter, auch ihr Wohnort rückte ins Visier der Ermittler.
Reiterhof, SUV und Reitstiefel: Spuren am Tatort

Montagfrüh rückten über hundert Beamte auf ihrem Hof sowie auf einem benachbarten Reiterhof an. Sie beschlagnahmten einen dunkelgrünen Geländewagen, mehrere Heuballen mit Brandspuren – und ein Paar schwarz-türkiser Reitstiefel, die laut Zeugen „verdächtig nach Rauch rochen“. Noch am selben Tag tauchte ein Drohnenvideo auf: Man sieht einen Wagen gleicher Bauart in der Nähe des Tümpels, an dem Fabians Leiche lag.
Kriminaltechniker prüfen nun DNA-Spuren an Stiefeln, Pferdedecken und der Anhängerkupplung des SUV. Die Ermittler vermuten, dass Fabian in diesem Fahrzeug transportiert wurde – möglicherweise von der Wohnung seiner Mutter direkt zum abgelegenen Fundort.
Doch wie kamen die Fahnder so rasch auf Gina H.? Die Antwort liegt im Fernsehen.
Die Schlüsselrolle von „Aktenzeichen XY“

Der emotionale Beitrag in der ZDF-Sendung rekonstruiert den 10. Oktober sekundengenau. Zuschauer meldeten eine Frau in Reitkleidung am Busbahnhof Güstrow – exakt zur Zeit, als Fabians Spur dort endete. Ein weiterer Hinweis traf aus dem Dorf Zehna ein: Eine Reiterin habe hektisch nach Benzin gefragt.
Binnen zwölf Stunden hatten die Beamten ein Mosaik, das zum Durchsuchungsbeschluss führte. Ironie des Falls: Gina H. hatte die TV-Ausstrahlung selbst öffentlich geteilt, um „den Täter zu finden“.
Bleibt die Frage, warum eine junge Mutter ein Kind töten sollte – und was ihr nun droht.
Offene Fragen – und der lange Weg vor Gericht

Bislang schweigt Gina H. zu den Vorwürfen. Ermittler prüfen Motive von Eifersucht bis hin zu psychischer Instabilität; Bekannte berichten von „Ausrastern“ nach dem Liebesaus. Gleichzeitig wurde ihre eigene Tochter in Obhut des Jugendamtes genommen.
In den kommenden Wochen entscheiden Gutachter über Schuldfähigkeit und Sicherungsverwahrung. Sollte sich der dringende Mordverdacht erhärten, droht ihr lebenslange Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld – doch erst ein Prozess wird die ganzen Details ans Licht bringen.
Damit rückt das Ziel aller Beteiligten näher: endlich Gewissheit darüber, warum Fabian sterben musste.