Ein Satz, der wie ein Faustschlag wirkt, hallt seit dem Wochenende durch Europas Politik – und entfacht zwischen Brüssel, Bukarest und Kiew einen Sturm, dessen wahre Wucht sich erst langsam offenbart.
Schock in Moskau

Vor laufenden Kameras in einem festlich dekorierten Saal des Moskauer Kulturzentrums erhebt Diana Șoșoacă ihre Stimme – und droht Wolodymyr Selenskyj unverblümt: „Wenn er es wagt, in mein Parlament zu kommen, breche ich ihm die Beine!“ Die anwesenden Putin-Anhänger johlen, während die rumänische EU-Abgeordnete das Mikrofon fester umklammert.
In Sekundenschnelle verbreitet sich das Video online, Politiker in ganz Europa reagieren entsetzt. Doch die Episode ist nur der Auftakt zu einem Drama, das weit über eine einzelne Drohung hinausreicht – und dessen Hintergründe wir uns jetzt genauer ansehen. Weiter geht’s mit dem Kreis der Applaudierenden …
Putin-Freunde applaudieren

Der Rahmen des Eklats könnte symbolischer kaum sein: Eine Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen des russischen Propagandasenders RT, geleitet vom umtriebigen Aktivisten Pietro Stramezzi. In dieser Blase aus Kreml-Treue und Anti-West-Rhetorik fühlt sich Șoșoacă sichtlich zu Hause; sie prahlt damit, 2023 bereits Selenskyjs Rede in Bukarest verhindert zu haben.
RT überträgt ihre Worte in Dauerschleife, russische Talkshows feiern die Szene als „starken Akt der Souveränität“. Doch wer ist die Frau, die in Moskau derart lautstark gegen Kiew wettert? Ein Blick hinter die Fassade enthüllt mehr …
Die Frau hinter den Drohungen

Șoșoacă, Jahrgang 1975, begann als Anti-Impf-Aktivistin, bevor sie 2024 ins EU-Parlament einzog. Provokationen gehören zu ihrem Markenkern: vom Maulkorb-Auftritt in Straßburg bis zu lautstarken Protesten gegen den Green Deal. Ihre Partei „S.O.S. Romania“ fischt am rechten Rand und greift regelmäßig Verschwörungserzählungen auf.
Selbst in Rumänien gilt sie vielen als Polit-Enfant-terrible – doch ihr Netzwerk reicht weiter, bis in russische Lobbykreise. Diese Verflechtungen machen ihre jüngste Gewaltandrohung besonders brisant. Welche Antwort Kiew darauf schon vorbereitet hat, folgt jetzt …
Einreiseverbot aus Kiew

Bereits im März 2025 belegte der ukrainische Sicherheitsdienst SBU Șoșoacă mit einem dreijährigen Einreiseverbot. Offizieller Grund: fortgesetzte anti-ukrainische Agitation und Unterstützung des russischen Angriffskriegs. Das Moskauer Auftrittsvideo bestätigt Kiew in seiner Entscheidung – vom ukrainischen Außenministerium kommt nun die Forderung nach klaren Konsequenzen auf EU-Ebene.
Selenskyj selbst schweigt öffentlich, lässt jedoch durch Vertraute verbreiten, man werde „jede Bedrohung ernst nehmen“. Die diplomatische Eiszeit zwischen Bukarest und Kiew droht sich zu vertiefen. Doch wie reagiert eigentlich die rumänische Innenpolitik? …
Rumäniens Regierung in der Zwickmühle

Präsident Nicușor Dan verfolgt einen klar pro-europäischen Kurs und stellt Waffen sowie ein Patriot-System für die Ukraine bereit. Gleichzeitig sitzen im Parlament nationalistische Kräfte, die Șoșoacă Rückendeckung geben. Für die Regierungskoalition wird jeder öffentliche Kommentar zum Balanceakt zwischen Solidarität mit Kiew und innenpolitischem Kalkül.
Oppositionsführer George Simion nutzt die Affäre, um gegen „Brüsseler Zensur“ zu wettern, während liberale Abgeordnete eine formelle Distanzierung fordern. Das Tauziehen spitzt sich zu. Und in Brüssel? Dort klingeln die Alarmglocken …
Brüssel reagiert alarmiert

Parlamentspräsidentin Roberta Metsola verurteilt die Gewaltfantasie scharf und kündigt eine Prüfung der Immunität der Abgeordneten an. Schon jetzt sammeln sich Unterschriften für einen Antrag, der Șoșoacă vor den Rechtsausschuss bringen könnte – ein erster Schritt zur möglichen Immunitätsaufhebung.
Auch die Fraktion der Europäischen Konservativen, der Șoșoacă angehört, gerät unter Druck, sich klar zu positionieren. Insider berichten von hitzigen Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Doch es geht nicht nur um eine Person – es geht um Narrative, die Kreml-Propaganda nährt …
Falsche Narrative im Gepäck

In Moskau verbreitet Șoșoacă die Behauptung, „über eine Million Rumänen“ würden in der Ukraine unterdrückt – eine These, die Historiker als haltlos einstufen. Solche Botschaften reihen sich nahtlos in das Desinformations-Arsenal des Kreml ein, das Minderheitenschutz als Vorwand für Aggression nutzt.
Analysten warnen: Wenn EU-Abgeordnete diese Leitmotive auf offiziellen Bühnen wiederholen, untergräbt das nicht nur die Glaubwürdigkeit der Union, sondern stärkt Putins geopolitisches Spiel. Welche Konsequenzen drohen Șoșoacă jetzt konkret? …
Was jetzt droht

Rumäniens Staatsanwälte führen bereits elf Ermittlungsverfahren gegen die Politikerin – von Holocaustleugnung bis Förderung eines Kriegsverbrecherkults. Sollte das EU-Parlament ihre Immunität aufheben, könnte innerhalb weniger Wochen Anklage erhoben werden. Juristen halten sogar ein Reiseverbot innerhalb der Schengen-Zone für denkbar.
Gleichzeitig diskutiert die EU über neue Sanktionen gegen Personen, die aktiv russische Kriegspropaganda betreiben. Für Diana Șoșoacă könnte das bedeuten: Vom lauten Auftritt in Moskau direkt auf die Anklagebank in Bukarest – ein Finale, das ihr wohl kaum Applaus einbringen wird. Und damit bleibt nur noch eine Frage: Wie lange können Europas Demokraten illiberale Brandstifter in den eigenen Reihen noch dulden?