Kaum ein politisches Amt weckt so viel Faszination wie das der Bundestagspräsidentin – schillernd, einflussreich und dicht am Puls der Macht. Doch was bekommt Deutschlands Nummer zwei im Staat eigentlich für diese Verantwortung?
Ein Amt mit langer Tradition

Seit fast acht Jahrzehnten wacht eine Präsidentin oder ein Präsident über die Geschäftsordnung des Parlaments, hält Abgeordnete zur Ordnung an und repräsentiert das Haus nach außen. Julia Klöckner führt diese Linie seit März 2025 fort – als erste Christdemokratin an der Spitze seit Änne Brauksiepe in den Siebzigern.
Ihre Wahl verlief holprig: Nur 62 Prozent der Abgeordneten gaben ihr die Stimme. Trotzdem sitzt sie seither im Reichstagsgebäude auf dem berühmten erhöhten Stuhl, leitet Debatten und empfängt Staatsgäste aus aller Welt.
Politischer Taktgeber im Minutentakt

Die Tagesordnung beginnt für die Bundestagspräsidentin meist noch vor Sonnenaufgang: Aktenstudium, Präsidiumssitzung, dann Plenum. Zwischendurch Briefing mit Fraktionschefs, Interviewtermine, Abendveranstaltungen. Jede Sitzung muss unparteiisch moderiert, jede Redezeit eingehalten werden – eine Gratwanderung zwischen Autorität und Diplomatie.
Hinzu kommt die Rolle als Hausherrin: Sicherheitskonzepte, Millionenetat, rund 3 000 Beschäftigte liegen in ihrer Verantwortung. Dass ein solches Amt Unabhängigkeit braucht, ist Konsens – doch an welcher Zahl bemisst sich diese Unabhängigkeit?
Transparenz und hitzige Debatten

Kritik an Politikergehältern flammt regelmäßig auf, besonders wenn die jährliche Anpassung der Diäten an den Nominallohnindex ansteht. Im April 2026 meldete das Statistische Bundesamt eine Steigerung um 4,2 Prozent; der Bundestag übernahm sie zum 1. Juli. Gegner monierten „Selbstbedienung“ – Befürworter verwiesen auf das Gesetz, das automatische Koppelung statt willkürlicher Beschlüsse vorsieht.
Gerade die Spitzenämter geraten dabei unter verstärkte Beobachtung. Während Ministergehälter öffentlich einsehbar sind, ranken sich um das Salär der Parlamentschefin immer neue Gerüchte. Doch exakt wie viel bezahlt der Staat tatsächlich?
Was am Ende wirklich auf dem Konto landet

Seit dem 1. Juli 2026 beträgt die monatliche Abgeordnetenentschädigung 12 330,48 Euro brutto. Laut § 11 Abs. 2 Abgeordnetengesetz erhält die Bundestagspräsidentin eine Amtszulage in identischer Höhe – also das Doppelte des Abgeordnetengehalts. Damit kommt Julia Klöckner aktuell auf 24 660,96 Euro brutto pro Monat.
Hinzu kommen die reguläre steuerfreie Kostenpauschale, ein Dienstwagen, ein Bürostab sowie Reise- und Sachleistungen, die jedoch zweckgebunden sind und nicht als persönliches Einkommen gelten. Im Vergleich liegt ihr Grundgehalt damit klar unter dem des Bundeskanzlers, aber deutlich über dem einer Bundesministerin – ein Gehalt, das die Balance zwischen demokratischer Transparenz und nötiger Unabhängigkeit wahren soll.