Erst als das Martinshorn am Bahnsteig heulte, wurde klar, wie heftig die Situation zuvor im Führerstand eskaliert sein musste.
Die brisanten Minuten im Regionalzug

Die Fahrt verlief zunächst völlig unspektakulär. Kurz vor dem Halt Ulm-Söflingen aber soll eine 15-Jährige plötzlich die Tür zum Führerstand aufgerissen und dem 61-jährigen Lokführer mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Augenzeugen berichten von panischen Schreien, während der Zugführer den Regionalexpress noch zum Stehen brachte.
Der Lokführer blieb zwar dienstfähig, erlitt jedoch Prellungen sowie ein Hämatom am Jochbein. Fahrgäste drückten den Notruf, andere zogen vorsorglich die Notbremse. Die Attacke dauerte nur Sekunden – doch sie reichte, um den Fahrplan auf der Ost-West-Achse für über eine Stunde ins Chaos zu stürzen.
Was im Bahnhof passierte

Kaum hatte der Zug Ulm Hbf erreicht, warteten schon Bundespolizisten am Gleis. Die Jugendliche verhielt sich laut Einsatzkräften weiter aggressiv, schlug um sich und versuchte einen Beamten zu beißen. Erst als Handschellen klickten, konnte sie ins Revier gebracht werden.
Passagiere wurden gebeten, im Wagen zu bleiben; Türen blieben verriegelt, bis die Lage gesichert war. Manche Reisende begriffen erst beim Blick durch die Scheiben, dass die laut brüllende Person am Boden tatsächlich ein Teenager war – mit zerrissener Kapuze, verwischtem Make-up und glasigem Blick.
Polizeieinsatz eskaliert

Im Revier setzte sich die Gewalt fort: Die 15-Jährige soll gespuckt, getreten und versucht haben, Geräte von den Tischen zu reißen. Alkoholtest: negativ. Ein Vortest auf Betäubungsmittel dagegen reagierte positiv auf eine synthetische Substanz.
Erst nach Hinzuziehen eines Notarztes und einer Beruhigungsspritze legte sich der Widerstand. Die junge Frau kam anschließend in die Obhut eines Kriseninterventionsteams. Ermittler leiteten Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Störung des Bahnverkehrs ein – Delikte, die selbst für Minderjährige empfindliche Jugendstrafen nach sich ziehen können.
Hintergründe und offene Fragen

Warum das Mädchen auf den Lokführer losging, ist noch unklar. Laut Polizei kannte sie weder den Bahnmitarbeiter noch einen der Beamten. Bekannte sprechen von familiären Spannungen und einer „neuen Clique“, in der harte Designerdrogen kursieren sollen. Eine genaue toxikologische Analyse steht noch aus.
Ob die 15-Jährige in Untersuchungshaft, in einer Jugendpsychiatrie oder bei ihren Eltern bleibt, entscheidet das Familiengericht frühestens morgen. Der verletzte Lokführer hat seinen Dienst vorerst quittiert – und etliche Pendler fragen sich weiterhin, was in einem Teenager vorgeht, der mitten in der Fahrt einen Zugführer attackiert und das Leben Hunderter aufs Spiel setzt. Die Antwort darauf bleibt – zumindest vorerst – offen.