Ein lebloser Koloss treibt vor Dänemarks Küste und entfacht ein Rätsel, das ganz Nordeuropa in Atem hält. Wer ist der Gigant, der da im Wasser liegt – und warum endete seine Odyssee ausgerechnet hier?
Entdeckung in der Morgendämmerung

Als die ersten Fischer am frühen Donnerstagmorgen die Insel Anholt anliefen, glaubten sie zunächst an einen treibenden Felsen. Erst aus nächster Nähe erkannten sie die gewaltigen Flipper, die reglos in der Dünung schaukelten. Binnen Minuten eilten Umweltbehörde, Polizei und Schaulustige an den Strand, Drohnen sirrten über dem Wasser, und die Spekulationen überschlugen sich.
Der Kadaver liegt nur etwa 75 Meter vor der Küstenlinie, zu flach zum Abschleppen, zu tief für sofortige Bergung. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen ausgewachsenen Buckelwal hin: rund 12 Meter lang, schätzungsweise 25 Tonnen schwer. Doch wer genau ist dieses Tier – und was hat es auf seiner letzten Reise erlebt?
Spurensuche unter Zeitdruck

Biologen entnahmen noch im Morgengrauen Haut- und Speckproben, denn die Verwesung schreitet rasch voran. Laborbefunde sollen klären, ob es sich um jenen Buckelwal handelt, der seit Wochen als „Timmy“ Schlagzeilen macht. Timmy war mit einem Peilsender ausgestattet, doch die letzten Ortungsdaten brachen vor drei Tagen ab, irgendwo zwischen Kattegat und Skagerrak.
Gleichzeitig versucht ein Team von Walschutzorganisationen, über Foto-ID-Vergleiche Gewissheit zu erlangen. Jede Fluke trägt ein unverwechselbares Narben- und Pigmentmuster – der „Fingerabdruck“ eines Wals. Von dem Kadaver existiert bereits eine hochauflösende Drohnenaufnahme. Passt sie zu Timmys Bilddatenbank, wäre das Rätsel gelöst – und die Hoffnung vieler Tierfreunde zerstoben.
Wird das Rätsel gelöst?

Die Proben sind auf dem Weg in ein Labor nahe Aarhus, erste Ergebnisse werden nicht vor Montag erwartet. Sollte die DNA übereinstimmen, wäre bestätigt, dass Timmys monatelanger Überlebenskampf nach mehreren Strandungen an Deutschlands Ostseeküste doch noch tragisch endete. Sollte sie nicht übereinstimmen, müsste die Suche nach dem vermissten Publikumsliebling weitergehen – und zugleich ein neues Rätsel um diesen unbekannten Buckelwal beginnen.
Bis dahin bleibt der schwergewichtige Besucher in den seichten Wellen liegen, streng bewacht und von neugierigen Blicken umringt. Ob die traurige Gestalt tatsächlich Timmy ist, entscheidet sich also erst in wenigen Tagen – und mit ihr, ob ein ganzes Land Abschied von seinem wohl berühmtesten Wal nehmen muss.