Ein leises Klirren hallt durch Oberschwaben: Eine Traditionsbrauerei mit über einem Jahrhundert Geschichte kämpft gegen das endgültige Aus. Schon seit Wochen brodelt die Gerüchteküche, doch erst jetzt wird das ganze Ausmaß der Krise sichtbar – und die Region hält den Atem an.
Jahrhundertelange Tradition am Abgrund

Deutschlands Bierlandschaft hat in den letzten Jahren empfindliche Rückschläge erlebt. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, die Durststrecken der Pandemie – und vor allem der anhaltende Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs haben selbst altehrwürdige Familienbetriebe in Schieflage gebracht.
Gerade im ländlichen Raum sind Brauhäuser mehr als Produktionsstätten: Sie sind Treffpunkte, Sponsoren lokaler Vereine, Identität stiftende Symbole. Umso größer ist der Schock, wenn plötzlich die Lichter in so einem historischen Sudhaus zu flackern beginnen.
Wie konnte es so weit kommen?

Die vergangenen Winter haben ein Loch in die Kassen gerissen: Gaskosten lagen teils doppelt so hoch wie vor drei Jahren, während gleichzeitig der Konsum sank. Hinzu kamen Preissteigerungen bei Malz, Hopfen und Glasflaschen – eine gefährliche Mischung, die selbst Reserven aus guten Zeiten nahezu verdampfen ließ.
Dass die betroffene Brauerei zusätzlich auf ein angeschlossenes Bier- und Brauereimuseum setzte, half kaum. Touristen blieben aus, Veranstaltungen wurden abgesagt, und ohne Gäste fehlte auch der Direktverkauf – die sprichwörtliche letzte Rettungsleine im Craft-Boom-Zeitalter.
Die ersten Rettungsversuche

Im Frühjahr stellten die Inhaber auf Kurzarbeit um, verhandelten mit Kreditgebern und hofften auf ein Anziehen der Biergarten-Saison. Parallel wurde ein erfahrener Sanierungsberater eingesetzt, der ein Schutzschirmverfahren vorbereitete.
Doch jeder Tag ohne Entscheidung verschlang weiteres Kapital. Immer wieder hieß es, der traditionsreiche Betrieb suche „strategische Partner“ – ein Euphemismus für Investoren, die bereit wären, tief in die Tasche zu greifen, um Kessel und Kupferpfannen am Köcheln zu halten.
Jetzt ist es offiziell: **Schussenrieder Brauerei Ott** meldet Insolvenz an

Am 17. Juni 2026 schlug die Nachricht wie ein Donnerschlag ein: Das Amtsgericht Ravensburg bestätigte den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Damit endet vorerst eine Ära – seit exakt 120 Jahren war die Brauerei im Besitz der Familie Ott. Rund 40 Beschäftigte bangen nun um ihre Jobs, während ein vorläufiger Sachwalter prüft, ob eine Sanierung möglich ist.
Trotz aller Sorgen gibt es vorsichtigen Optimismus: Der Betrieb läuft zunächst weiter, das Museum bleibt geöffnet, und die Verantwortlichen setzen auf regionale Solidarität. Ob das reicht, um die Schussenrieder Brauerei Ott in ein neues Jahrhundert zu führen, entscheidet sich in den kommenden Monaten – bis dahin bleibt nur, das Glas zu heben und auf ein Happy End für diese Traditionsbrauerei zu hoffen.