Ein Sommermärchen wird plötzlich kompliziert: Wer diesen weltberühmten Traumstrand besuchen will, muss jetzt tiefer in die Tasche greifen – und darf seinen Schattenspender nur noch dann in den Sand rammen, wenn er in Begleitung von kleinen Kindern oder betagten Großeltern anreist.
Plötzlich kostet das Paradies Eintritt

Der Saisonstart verlief noch ruhig, doch seit wenigen Tagen drehen sich die Gespräche an der Strandpromenade nur noch um eine Zahl: 10 Euro. So viel müssen Erwachsene zahlen, um das blendend weiße Ufer zu betreten. Für viele Urlauber klingt das nach Luxussteuer, für die Behörden ist es der Preis dafür, dass das empfindliche Ökosystem erhalten bleibt.
Die Ticket-Kontrolleure stehen bereits ab dem frühen Morgen bereit, denn die Besucherzahl ist strikt gedeckelt. Spätaufsteher scheitern oft an der Schranke, wenn das digitale Reservierungskontingent schon vergriffen ist. Wer Einlass findet, wird von glasklarem Wasser begrüßt – und von einem neuen Schild, das unmissverständlich klarmacht, dass sich auch der Aufenthalt selbst verändert hat.
Schatten nur für die Kleinen und die Alten

Die wohl härteste Neuerung trifft alle zwischen 10 und 65 Jahren: Sonnenschirme sind tabu. Familien mit Kindern unter zehn dürfen weiterhin Stoffkuppeln aufstellen, ebenso Seniorinnen und Senioren. Alle anderen müssen die mediterrane Mittagssonne ohne zusätzlichen Schutz überstehen oder sich in die teuren Liegestuhlreihen des einzigen lizenzierten Betreibers einmieten.
Die Begründung klingt nüchtern: Zu viele bunte Schirme hätten in den vergangenen Jahren die Dünen zertrampelt und die Sicht der Rettungsschwimmer versperrt. Doch Kritiker sprechen von einer „Schattensteuer“ und witzeln bereits, man müsse sich künftig ein Kind „mieten“, um nicht zu verbrennen. Die Diskussionen lodern heißer als der Strandboden zur Mittagszeit.
Touristendruck vs. Umweltschutz

Hinter den Kulissen pocht die Gemeindeverwaltung auf nackte Zahlen: Allein im vergangenen Juli strömten mehr als 60.000 Menschen an den 300 Meter kurzen Küstenabschnitt. Müllberge wuchsen, Seegras wurde niedergetrampelt, seltene Sandlilien verschwanden fast vollständig. Die neuen Regeln sollen den „Overtourism“ zügeln und die fragile Dünenlandschaft renaturieren.
Hoteliers fürchten hingegen, dass Stammgäste abwandern. Manche Vermieter bieten bereits kostenfreie Leih-Sonnenschirme – allerdings in Mini-Größe, die das Verbot elegant umschiffen soll. Ob sich das durchsetzt, bleibt offen; Stichproben der Ordnungsbeamten sind angekündigt, Bußgelder von bis zu 200 Euro stehen im Raum.
Das strengste Strandgesetz Italiens

Erst jetzt lüftet sich das Rätsel um den Ort des Geschehens: Es geht um den Punta-Molentis-Strand bei Villasimius im Südosten von Sardinien. Die Gemeinde hat in Absprache mit dem Regionalpark „Area Marina Protetta Capo Carbonara“ das wohl schärfste Strandgesetz Italiens verabschiedet. Bürgermeister Gianluca Dessì verteidigt die Maßnahmen als „Akt der Liebe“ zu einem der letzten naturbelassenen Abschnitte der Insel.
Ob die Strategie aufgeht, wird sich am Ende der Saison zeigen. Bis dahin bleibt der glänzende Postkartenstrand ein exklusives Vergnügen – mit Eintrittskarte, ohne Schirm, es sei denn, die Kids oder Nonna sind dabei. Wer die Regeln ignoriert, riskiert nicht nur Sonnenbrand, sondern auch ein stattliches Bußgeld und den abrupten Rauswurf aus dem vermeintlichen Paradies.