Donald Trumps bevorstehender Staatsbesuch in Peking elektrisiert die Weltpolitik – doch hinter verschlossenen Türen tobt ein Kampf um Einfluss, Märkte und Milliarden, der vor allem Deutschlands Wirtschaft erzittern lässt.
Aufbruch nach Peking – und ein Rätsel um Trumps wahre Agenda

Wenn die „Air Force One“ am 14. Mai in Peking landet, wird Trump als erster US-Präsident seit fast zehn Jahren chinesischen Boden betreten. Offiziell geht es um Gespräche zu Handel, Sicherheit und den Krieg am Persischen Golf. Doch selbst erfahrene Diplomaten rätseln, warum das Weiße Haus die Reiseroute bis zuletzt geheim hielt und warum Trumps Wirtschaftsberater parallel in Shanghai anreisen.
Beobachter verweisen auf die hastig einberufenen Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrats in Washington. Dort soll Trump klargemacht haben, dass er Xi Jinping „harte, aber faire Deals“ anbiete – Formulierungen, die in Berlin Alarm auslösen. Denn noch ist unklar, welche Kompromisse der US-Präsident einzugehen bereit ist – und wen er dafür opfert.
Deutschlands dünner Draht nach China wird noch brüchiger

Schon jetzt kämpft die exportgetriebene deutsche Wirtschaft mit einem Rekorddefizit von fast 90 Milliarden Euro im Handel mit China. Kanzler Friedrich Merz versuchte im Februar in Peking Schadensbegrenzung, doch seine Forderung nach „gegenseitiger Fairness“ verpuffte beinahe wirkungslos.
Nun droht Trumps Besuch das mühsam geknüpfte Netz weiter zu zerreißen. Sollte Washington Peking großzügige Zollerleichterungen für US-Waren gewähren, stünden deutsche Hersteller plötzlich zwischen zwei Feuerlinien: billiger Konkurrenz aus China und neuen US-Vorgaben, die ihren Zugang zum amerikanischen Markt beschneiden.
Die Autoindustrie zittert vor einem doppelten Schlag

Für Volkswagen, BMW und Mercedes ist China Absatzmarkt Nr. 1 – doch die Verkäufe brachen 2025 dort bereits zweistellig ein. Gleichzeitig warnt der Verband der Automobilindustrie, dass Trumps angekündigte Erhöhung der US-Zölle auf EU-Fahrzeuge von 15 auf 25 Prozent „ab nächster Woche“ greifen könnte.
Ein Spitzendiplomat aus Brüssel spricht von einem „perfiden Doppelmanöver“: Während Xi für E-Mobilität Subventionen nachlegt, könnte Trump chinesische E-Autos mit geringen Aufschlägen in die USA lassen – und europäische Modelle hart besteuern. Für deutsche Hersteller wäre das ein tödlicher Mix aus Margendruck in China und Absatzkollaps in Amerika.
Europas politisches Dilemma – und die brisante Schlussfolgerung

Berlin, Paris und Brüssel feilen fieberhaft an einem gemeinsamen Antwortpaket. Doch intern streiten die EU-Staaten: Vergeltungszölle gegen die USA riskieren einen offenen Handelskrieg, Strafmaßnahmen gegen China gefährden Lieferketten für Batterien und Seltene Erden.
Genau hier liegt der Hebel von Trumps Strategie – und damit die eigentliche Gefahr für Deutschland. Indem er Xi Jinping einen raschen Zugang zu US-Agrar- und Energiegütern bietet, zwingt er Europa zur Entscheidung zwischen zwei Giganten. Bleibt die EU gespalten, kann Trump einen exklusiven US-China-Deal durchdrücken, der deutsche Schlüsselindustrien von beiden Märkten zugleich an den Rand drängt. Die Botschaft, die in Washington schon kursiert: „Wer in Deutschland produziert, produziert für die falsche Weltzone.“ Die Frage ist nicht mehr, ob das kommt – sondern wann.