Ein gleißender Blitz zerreißt den Abendhimmel, ein Donnerschlag folgt – und binnen Minuten versinkt eine ganze Region im völligen Ausnahmezustand.
Stunde Null des Chaos

Der Tag hatte unscheinbar begonnen, doch als die Dämmerung hereinbricht, türmen sich bedrohlich dunkle Wolken am Horizont. Meteorologen sprechen von einer „hochexplosiven Wetterlage“, doch niemand rechnet mit dem, was folgen wird.
Kaum fallen die ersten Tropfen, verwandelt sich der Regen in einen tobenden Sturzbach. Straßenlaternen flackern, Anwohner raffen in Panik Gartenmöbel zusammen – vergeblich. Innerhalb weniger Augenblicke ist die Idylle des Südens nur noch eine ferngesteuerte Kulisse aus sirenenheulenden Einsatzfahrzeugen und gleißenden Blaulichtern.
Wenn der Notruf nicht mehr stillsteht

Mit jeder Minute prasseln neue Hilfegesuche auf die Leitstellen ein. Feuerwehrleute berichten später von der lautesten Nacht ihres Lebens – das Dauerklingeln der Telefone übertönt selbst das Tosen des Unwetters.
In nur fünf Stunden schnellen die Anrufe in eine astronomische Höhe: 3 000 Hilferufe, jede einzelne Leitung belegt, jede freie Hand gefragt. Einsatzkräfte aus umliegenden Landkreisen eilen herbei, doch das Wasser steigt schneller, als Pumpen arbeiten können.
Stadt im Stillstand

Flughäfen stellen den Betrieb ein, Züge bleiben auf offener Strecke stehen, Klassenzimmer bleiben am nächsten Morgen leer. Dächer knicken unter der Last von Hagelkörnern, so groß wie Golfbälle.
Die Bilanz zur Nacht liest sich wie das Drehbuch eines Katastrophenfilms: umgestürzte Bäume klemmen Autos ein, Keller laufen bis zur Decke voll, Menschen werden verletzt, weil selbst massive Äste wie Streichhölzer brechen. Und doch ist das Ausmaß für Außenstehende immer noch ein Rätsel – wo spielt sich dieses Desaster eigentlich ab?
Enthüllung am Morgen danach

Erst mit den ersten Sonnenstrahlen wird das ganze Bild sichtbar: Getroffen wurde die Metropolregion Nürnberg im Herzen Mittelfrankens, Bundesland Bayern. Rund 3 000 Notrufe in nur fünf Stunden, mehr als 1 000 Feuerwehreinsätze und zeitweise ein komplett stillgelegter Flughafen markieren den schwersten Sommersturm, den die Region seit Jahren erlebt hat.
Auch Stunden später sind über 1 500 Einsatzkräfte noch unterwegs, räumen Trümmer, sichern Dächer, pumpen Keller leer. Die gute Nachricht: Trotz des beispiellosen Chaos gibt es bislang nur wenige Schwerverletzte – ein kleiner Hoffnungsschimmer nach einer Nacht, in der der Süden buchstäblich den Atem angehalten hat.